LANDWIRTSCHAFT Letzte Woche lud der Verein Alpwirtschaft Bern (VAB) zu seiner zweiten Hauptversammlung ein. 29 ÄlplerInnen wurden für ihren langjährigen Einsatz geehrt. Daneben standen auch aktuell brennende Themen auf dem Programm.
MICHAEL SCHINNERLING
Präsident Fritz von Känel unterrichtete die 97 Stimmberechtigten über den eher durchschnittlichen Sommer und über das Thema Grossraubtiere – ein Dauerbrenner, zu dem man hier mit einem neuen Verein aktiv werden will. Weitere Neuigkeiten betrafen den Berner Bauern Verband, der aus dem Schweizer Milchproduzenten Verband (SMP) ausgetreten ist.
Einen Blick in die Zukunft warf der Präsident mit der ab 2019 geltenden Freilaufpflicht für Kälber. Diese verlangt, dass Jungtiere künftig nicht mehr angebunden werden dürfen und permanenten Wasserzugang haben müssen.
Ausserdem werde die analoge Telefonie durch die digitale ersetzt. «Hier hat der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) mit der Swisscom eine Unterstützung für seine Mitglieder ausgehandelt», so von Känel. Zu diesem Thema gab auch Franz Rubin von der Firma Electrio AG in Reichenbach Auskunft. «Das Wichtigste und wohl ein Knackpunkt: Die IP-Telefonie braucht Strom», so Rubin. Jede Alphütte müsse in dieser Hinsicht individuell geprüft werden.
Hervorragend – trotz schwieriger Startbedingungen
Für Alfred Santschi wurde Grossrat Ernst Wandfluh in den VAB-Vorstand gewählt. Im SAV wird nach Santschis Rücktritt Hans Kohler die Interessen des VAB vertreten. Wandfluh zu seiner neuen Aufgabe: «Die Alpwirtschaft hat eine grosse Bedeutung für die Berglandwirtschaft.» Die Anliegen und Sorgen der ÄlplerInnen müssten durch einen starken Verband vertreten werden. «Dass wir eine so wunderbare Berglandschaft haben, ist zu grossen Teilen der Bewirtschaftung der Sömmerungsgebiete zu verdanken», so Wandfluh. Deshalb müsse man dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen sich nicht verschlechtern.
Bei der Alptaxation wurde die Alp Markoffel von Familie Cotting im Kiental aufgesucht. Peter Cotting und sein Vater Louis wurden für einen «hervorragend geführten Betrieb» ausgezeichnet. Dazu führte in seiner Laudatio Paul Indermühle aus: «Die natürlichen Grundlagen der Alp sind keineswegs vorteilhaft. Die Weiden liegen mehrheitlich nordseitig. Unterhalb der Waldgrenze drückt das Gebüsch. Und oben auf dem Aabeberg gab es lange nur Zisternenwasser.» Louis Cotting habe im Jahre 1968 einen Teil und später die ganze Alp gekauft. «Bei der Taxation waren die Experten beeindruckt, mit wie viel Arbeit, Geld und Herzblut Familie Cotting die Alp über zwei Generationen verbessert hat.»
Weitere geehrte Älplerinnen und Älpler aus dem Frutigland: Knutti Manuela und Heinz (Adelboden) für 25 Jahre Alp Ober- und Unterniesen; Wäfler Erich (Achseten) für 45 Jahre z Bärg auf Alp Engstligen.
Termine: Am 16. April wird im Thun-Expo-Areal der «Verein zum Schutz von Jagd- und Nutztieren vor Grossraubtieren im Kanton Bern» gegründet. Am 12. August findet eine Exkursion auf der Engstligenalp zum Thema Strukturverbesserungen statt.
Stimmen aus den Reihen der Geehrten
Familie Knutti: «Wir gehen im Sommer 100 Tage auf die Alp, und unsere älteste Tochter Manuela hilft uns regelmässig. Das Schönste ist, dass wir hier oben zusammen sein können. Wir sind mit Herzblut Älpler. Manuela geht zu Beginn nicht gerne hoch. Doch wenn alle oben sind, freut sie sich und jeder Tag ist wunderschön für die Familie. Wir haben 30 Kühe, zwei Ziegen sowie Hund und Katze auf der Alp.»
Familie Wäfler: «Die ganze Familie ist im Alpbetrieb integriert. Wir haben 18 Kühe, zehn Kälber und zwei Ziegen. Von Juni bis September gehen wir auf die Alp und sind nur mit der Engstligenbahn erreichbar. Wir geniessen die Zeit, weil wir keinen Autoverkehr haben.»



