Den Wettbewerb um den grössten Schlachtviehmarkt hat die Kanderarena mittlerweile gewonnen. Nun fordert sie auch noch zusätzliche Termine. Was aber bedeutet das für den Standort Frutigen?
BIANCA HÜSING
Es ist noch gar nicht so lange her, da war es eine Frage des Ob: Kann ein zweiter Marktanbieter im Tal Fuss fassen? Heute will wohl niemand mehr bestreiten, dass sich der Schlachtviehmarkt in Mülenen etabliert hat. Mehr noch: Er hat seinen Konkurrenten in Frutigen längst ausgestochen. 2017 wechselten in der Kanderarena 68 Prozent mehr Tiere den Besitzer als in der Frutiger Märithalle. Wie die Branchenorganisation Proviande auf Nachfrage bestätigt, hat sich Mülenen im vergangenen Jahr sogar zum schweizweit «grössten öffentlich überwachten Schlachtviehmarkt für Rindvieh» gemausert.
Muss Frutigen weitere Zugeständnisse machen?
Für den Betreiber ist das Grund genug, einen zusätzlichen Markttag pro Monat zu verlangen. «Mit nur einem monatlichen Termin kommen wir an die Grenzen unserer Kapazität», meint Walter Bettschen von der Viehmag AG. Im April seien ganze 530 Tiere vor Ort gewesen. «Unser Wunsch und der der Bauern ist es, alle 14 Tage einen Viehmarkt durchzuführen. Bei uns können die Tiere am Vortag angeliefert werden, was den Bauern ein grosses Bedürfnis ist.» Mit seiner Forderung ist Bettschen letzte Woche an den Berner Bauernverband (BEBV) und an die Branchenorganisation Proviande herangetreten.
Die beiden Verbände sind für die Organisation des Marktkalenders zuständig. Der BEBV teilt jeweils die Termine für den Kanton Bern zu und reicht den Vorschlag bei der Proviande ein. Diese stimmt die Daten der Kantone untereinander ab und nimmt gegebenenfalls Anpassungen vor – zum Beispiel dann, wenn nicht genügend Personal an besonders gefragten Tagen zur Verfügung steht. In letzter Instanz wird das Jahresmarktprogramm dann vom Bundesamt für Landwirtschaft genehmigt.
Innerhalb dieses Prozederes mehr Markttage zu fordern, ist also kein ganz einfaches Unterfangen. Weil die Märkte schweizweit koordiniert werden und sich regional möglichst nicht überschneiden sollen, müsste es theoretisch zu einer Umverteilung kommen. Was das bedeutet, konnte Frutigen bereits 2012 erleben. Seinerzeit war die Kanderarena noch neu im Geschäft. Damit dort regelmässig ein Markt stattfinden konnte, strich man Frutigen die Zusatztermine. Seither findet monatlich ein Schlachtviehmarkt in Mülenen und einer in Frutigen statt, dies jeweils mittwochs. Dass sich die Geschichte wiederholt und die Gemeinde neue Zugeständnisse machen muss, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn für Peter Brönnimann vom Berner Bauernverband steht fest: «Solange Frutigen Märkte mit genügend Tieren durchführt, bleibt die Gemeinde im Marktprogramm wie bis anhin.»
Der Bauernverband sucht das Gespräch
Um dennoch auf Bettschens Anliegen eingehen zu können, will der BEBV beide Akteure im Juni zu einem Gespräch einladen. So könne man gemeinsam die Termine koordinieren. «Grundsätzlich ist es möglich, Mülenen einen zusätzlichen Markttag zu geben, zum Beispiel donnerstags», so Brönnimann.
Bereits für das Jahr 2018 hätte man sowohl Frutigen als auch Mülenen derlei Extratermine für die «heissen Phasen» eingeräumt. «Dabei müssen wir aber darauf achten, dass an beiden Standorten eine gewisse Stückzahl möglich bleibt.» Denn dass Händler und Landwirte gleich zwei Märkte in einer Woche aufsuchen, dürfte unwahrscheinlich sein – langfristig müsste es also wohl zu einer Einigung kommen.
Wie Frutigen sich zu der Thematik stellt, ist noch ungewiss. Laut Gemeindeschreiber Peter Grossen möchte sich die Gemeinde nicht vor einem Gespräch mit dem BEBV und der Viehmag AG äussern.




