Uns verbindet viel – das betonten die Walliser aus Ausserberg am Jodlerabend der Jodlergruppe Engstligtal. Dabei meinten sie in erster Linie die Berge, die Freude am Gesang und an Traditionen. Eine zusätzliche musikalische Bereicherung des Abends war die Familie Leuenberger.
RUTH STETTLER
Ein sichtlich stolzer Vater begleitet am Örgeli seine Frau und die drei mittlerweile erwachsenen Kinder. Bei Leuenbergers erfüllte Musik schon seit eh und je die Emmentaler Stube. Seit 2012 treten sie gemeinsam als Örgeli- und Jodlerfamilie auf. In Adelboden wurde gejodelt. Für die Familie hat fast jedes Lied aus ihrem Repertoire eine spezielle Bedeutung und wird mit einer Geschichte verbunden. Ihren Eröffnungsjodel «Es tönt jetz für di» von Ruedi Rot haben sie quasi den Grosseltern gewidmet. Sonntagabend ist bei Leuenbergers Probezeit – «da sind alle da», meint Mutter Marianne. Eine Voraussetzung für das Jodler-Quintett ist, dass man das Musikgehör im Blut hat. Selten kann ein Stück einfach so eins zu eins übernommen werden. Eine besondere Herausforderung war die Übergangszeit mit den Stimmbrüchen der Söhne Lukas und Mathias. Da war viel Improvisation gefragt.
Mucksmäuschenstill war es in der Turnhalle, als die Familie zu singen begann. Man wollte keinen Ton verpassen.
Das Publikum musste die Ohren spitzen
Ebenso war es bei den Gästen aus Ausserberg. In den hinteren Rängen hörte sich der Walliser Gesang fast wie ein Echo aus den Bergen an. Um den Dialekt zu verstehen, musste das Oberländer Publikum aber die Ohren spitzen. Die Frauen traten in ihrer traditionellen Sonntagstracht mit dem typischen Trachtenhut auf, während die Männer sich in den Werktagstrachten zeigten. Der Jodlerklub Noger Ausserberg ist der älteste Jodlerklub im Oberwallis und zählt total 38 Mitglieder. In Ausserberg hat das Vereinsleben eine grosse Bedeutung. «Auf 700 Einwohner gibt es 30 Vereine», berichtete ein Walliser stolz. Unter der Leitung von Amadé Leiggener sang sich der Klub der Südrampe in die Herzen des Publikums.
Herbstliche Klänge bei Wintereinzug
Während draussen der Winter Einzug hielt, wurde am Samstag in der Turnhalle Adelboden der Herbst von allen Formationen besungen: Die Jodlergruppe Engstligtal mit «Herbstfarbe» von Max Huggler, die Jodlerfamilie Leuenberger mit «Dr letscht Summervogu» von Jürg Wenger / Beat Jäggi und der Jodlerklub Noger Ausserberg mit «Es treichelet heizue» von Alfons Gugler liessen sich vom sonnigen Herbst 2018 offensichtlich inspirieren. Das Ländlertrio Ächt Bodeständig spielte in den späten Nachtstunden auf und sorgte für einen gemütlichen Ausklang des Abends. Wie es sich für einen Jodlerabend gehört, kamen auch die Witzeerzähler nicht zu kurz. Diesbezüglich bewegte man sich mehrheitlich im Tierreich.
Gastfreundschaft auf der Jodlerbühne
Adelbodens Präsident Bruno Josi und der Dirigent Marcel Kipfer legen Wert darauf, dass der Berner Jutz in die Schweiz hinausgetragen wird. So war die Jodlergruppe vergangenes Wochenende in Ebikon beim Jodlerklub Rotsee zu Gast, wo sie laut luzernischen Medien in den hohen Tönen glänzte. Meistens ist es so, dass man sich gegenseitig besucht, erzählen die Jodler. Also dürfte demnächst eine Reise ins Wallis anstehen. Den Gastgebern ist es gelungen, eine bunte Durchmischung an Formationen auf die Bühne zu bringen und einen rundum gemütlichen Abend auf die Beine zu stellen. Die Gäste aus dem Wallis sind nicht mit leeren Händen gekommen. Josi durfte Walliser Wein entgegennehmen. Im Hintergrund waren die Jodlerfrauen in der Küche und im Service tätig. Besonders viele weisse Hemden zu bügeln gibts jeweils Ende Sommer, wenn die Jodlergruppe Engstligtal zahlreiche Auftritte im Dorf hat und die Gäste unterhält. In Jodlerkreisen ist man froh, dass man sich in der Hauptsaison mit dem Jodlerklub Adelboden abwechseln kann.
Die Jodlergruppe Engstligtal lädt traditionellerweise am letzten Oktoberwochenende zum Konzert ein. Aufgrund der Zeitverschiebung und der gewonnen Stunde bleiben die Besucher jeweils gerne etwas länger sitzen und frönen der Tanzmusik der Ländlerkapelle.




