Umweltschützer und die BKW Energie AG haben sich geeinigt: Das umstrittene Wasserkraft-Projekt am Eingang des Gasterntals ist final vom Tisch. Andere Bauvorhaben bleiben im Gegenzug bestehen.
BIANCA HÜSING
Während zehn Jahren war die Kraftwerke Kander Alp AG (KKA) mehr oder weniger intensiv mit einem Projekt beschäftigt: dem Wasserkraftwerk im Gasterntal. Nach einer ersten Machbarkeitsstudie im Jahr 2008 liess die KKA zahlreiche Abklärungen und Messungen durchführen. Den grössten Aufwand dürfte die Gesellschaft, bei welcher die BKW Mehrheitsaktionärin ist, aber mit der Kommunikation gehabt haben. Wegen der heiklen Lage der geplanten Wasserfassung und des Stollens an der weitgehend naturbelassenen Kander Klus bezog die KKA diverse Interessengruppen in die Planung mit ein und informierte die Bevölkerung. Genutzt hat das letztlich wenig: Kaum wurde die Projektidee bekannt gegeben, traf sie auf den Widerstand von Umweltschützern. Für ein Kraftwerk mit vergleichsweise geringem Energieertrag dürfe man nicht einen der letzten Wildbäche opfern, schrieb etwa WWF Schweiz. Dieser Widerstand war es wohl auch, an dem das Projekt nun endgültig scheiterte.
Grünes Licht für Hondrich
Wie die BKW am Dienstag mitteilte, wird sie das Vorhaben an der Kander Klus nicht weiter verfolgen. Dies sei Teil einer Einigung zwischen der BKW und den Umweltverbänden WWF, Pro Natura, Aqua Viva und der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz. Jahrelang habe man diverse Wasserkraftprojekte miteinander diskutiert und dabei letztlich einen Kompromiss gefunden. So haben die Kraftwerke am Sousbach und in Hondrich grünes Licht bekommen. In einer Begleitgruppe werden diese Vorhaben laut BKW «ökologisch optimiert und gleichzeitig schneller umgesetzt». Im Gegenzug liess man Projekte an «ökologisch wertvollen Gewässern» fallen – etwa das ebenfalls seit vielen Jahren geplante «Schattenhalb 4» im Haslital. Auch der gesamte Oberlauf des Kientals und einige Gewässer im Saanenland sollen unbebaut bleiben.
«Projekt nicht konsensfähig»
Dass das Kraftwerk Kander Klus nun ebenfalls gebodigt wird, hatte sich im Grunde schon 2016 abgezeichnet, als das 30-Millionen-Franken-Projekt ins Stocken geriet (der «Frutigländer» berichtete). Obwohl das UNESCO-Weltnaturerbe nach Angaben der KKA nicht beeinträchtigt worden wäre und die Klus kein Fischgewässer sei, war das Kraftwerk offenbar nicht konsensfähig. Nebst dem Umweltschutzaspekt gab es auch ästhetische Bedenken – schliesslich verläuft neben der Klus ein beliebter Wanderweg.
LWK äussert sich im neuen Jahr
Betroffen ist von dem Entscheid jedoch nicht nur die BKW. Auch die Licht- und Wasserwerk AG Kandersteg (LWK) war in das Projekt involviert. Dem Unternehmen gehören 40 Prozent der 2005 gegründeten Kander Alp AG. Was die LWK vom Projektstopp hält, ist allerdings noch nicht bekannt. Sie will sich erst im neuen Jahr gemeinsam mit der BKW dazu äussern.
Die Umweltverbände jedenfalls triumphieren. «Gute Nachrichten für Berner Gewässer», verkündeten sie am Dienstag in einem gemeinsamen Communiqué. Der Titel der BKW-Mitteilung klingt dagegen nüchtern: «Einigung mit Umweltverbänden bei Wasserkraftprojekten.»



