Um diese Jahreszeit ist es normalerweise ruhig im Unteren Suldtal. Doch derzeit begegnen Spaziergänger dort schwerem Gerät: Mit viel Aufwand wird für die Sicherheit gearbeitet.
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Im kanalisierten Bachbett der Suld stehen Bagger, die seitlichen Dämme sind bis zu den Fundamenten freigelegt. Im Endausbau sollen die Mauern erhöht und verstärkt werden, die Funktion bleibt dieselbe: Sie werden auch künftig das Wasser und allenfalls mitgeführtes Schwemmmaterial im Zaum halten. Weiter hinten im sonst so beschaulichen und stillen Tal sind die grossen Maschinen am Werk. Noch sind die mächtigen Betonfundamente tief im Bachbett sichtbar, diese werden bald wieder von Erde bedeckt und vom Wasser überspült. Die dicken Armierungseisen deuten darauf hin, was geplant ist: Der Holzrückhalt ist bereits fertig betoniert. Der eigentliche, das Tal querende, Geschiebesammler lässt sich vorerst nur erahnen. 42 000 Kubikmeter Schutt und Geröll wird er einst zurückhalten können.
Fussgänger haben trotz Baustelle freien Durchgang
Peter Bettschen, Präsident der Schwellenkorporation Reichenbach, und in dieser Funktion zusammen mit der Gemischten Gemeinde Aeschi auch Bauherr, erklärt, was in der schattigen Abgeschiedenheit des Unteren Suldtales aktuell passiert: «Die bestehenden Ufer werden neu untermauert und mit massiven Steinblöcken verstärkt. Im Bereich des Holzrückhalts schliessen wir die seitlichen Böschungen mit Steinblöcken ab. Die verschiedenen Fundamente sowie die Bodenplatte des Geschiebesammlers werden betoniert, bevor nach der Ufersanierung Raum für das zurückgehaltene Geschiebe geschaffen werden muss.» Wichtig für Bettschen: «Der Fussweg in den Suld ist auch während der Bauzeit durchgehend benutzbar – und gebaut wird bis in den Herbst hinein. Künftig wird der Weg dann über die Dammaufschüttung führen.»
Die Baustelle liegt dauernd im Schatten und oftmals herrschen Temperaturen wie im Gefrierschrank. Das macht das Betonieren schwierig. Diese Arbeiten müssen aber jetzt erledigt werden, da die Suld kaum Wasser führt. Für die Umleitung des Bachs reicht derzeit ein Rohr von gut einem Meter Durchmesser. Kosten- und terminmässig sei man auf Kurs, betont der Schwellenpräsident. Und: «Bisher gab es nur positive Rückmeldungen, dies ist zum grossen Teil der Baufirma zu verdanken.»
Schutz für Gewerbegebiet und Transitstrecke
Ab Mitte 2020 ist man dann besser vorbereitet, sollten Unwetter im Suld den Bach anschwellen und entlang der Gemeindegrenze von Reichenbach und Aeschi ins Tal rauschen lassen. Das Dörfchen Mülenen und das Gewerbegebiet Chappelengand werden durch einen zusätzlichen Überlastkorridor und die Ableitung des Wassers in die Kander durch die bestehenden betonierten Kanäle geschützt. Bei einem alle 300 Jahre stattfindenden Ereignis wurden im Suld-Perimeter potenzielle Schäden von 17,5 Millionen Franken berechnet. Mit Gesamtinvestitionen von 5,6 Millionen Franken – inklusive Ersatz der Strassenbrücke zur Niesenbahn – können diese weitgehend verhindert werden. Bund und Kanton übernehmen gut 4,5 Millionen Franken, beteiligt sind weiter nebst den Gemeinden auch BLS, BKW und Niesenbahn. Der Bau hat auch übergeordnete Bedeutung: Der Schutz dient nicht nur den lokalen Infrastrukturen, sondern ebenfalls den auf engstem Raum nebeneinanderliegenden Strassen- und Bahnverbindungen ins Wallis.




