Mit einem prominenten Fussballcoach und Schweizer Militärbläsern erweitert die Niesenbahn AG ihr Event-Repertoire. Doch auch die klassischen Songwriter-Abende kommen dieses Jahr nicht zu kurz. Im Mai startet die neue Saison im umgebauten Berghaus.
BIANCA HÜSING
Ob er Leute zum Klatschen motiviert, Spieler als «Gränni» beschimpft oder sich mit BVB-Coach Lucien Favre zofft: Hanspeter «Pudi» Latour hat ein kräftiges Organ und ist dafür noch bekannter als für seine fussballerische Karriere. Dabei kann die sich durchaus sehen lassen. Als Junior schaffte es der Goalie immerhin in die Nationalauswahl und lief unter anderem in den Trikots der Young Boys und seines Heimatvereins Thun auf. Letzterem verhalf er später als Trainer in die Nationalliga A und in den UEFA Intertoto Cup. Auch in Köln, Zürich, Solothurn und Basel machte er Station. Was ihm zum Erfolg verhalf und woher der Motivationstrainer seinerseits Energie bezieht, wird er am 26. September seinem Publikum auf dem Niesen verraten. «Pudis» Vortrag stellt eines der Highlights der diesjährigen Kulturreihe dar.
Burri und Burri «verschlungen»
Auch sonst bleiben die Veranstalter ihrer neuen Linie treu, vermehrt Künstler und Experten ausserhalb der Musikszene auf die Bühne des Berggipfels zu bringen. Ein gleichermassen redseliges wie humorvolles Beispiel dafür ist der Bündner Kabarettist Flurin Caviezel, der sich für sein Programm und für seine SRF-
«Morgengeschichten» gern von Dialogen in Bus und Bahn inspirieren lässt und bei seinen Vorträgen mitunter zum Akkordeon greift.
Auf die Kraft der Sprache setzt auch der Berner Autor Walter Däpp – und bringt seinem Publikum zum Beispiel die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten des völlig unterschätzten Wörtchens «so» näher. Seine gesammelten «Morgengeschichten» unter dem Titel «Langsam pressiere» wurden letztes Jahr für den Kurt-Marti-Literaturpreis nominiert. Auf dem Niesen wird Däpp vom Bluesmusiker Ronny Kummer begleitet.
Einen regelrecht verschlungenen Doppelauftritt legen Nils und Nina Burri hin. Während die Berner «Schlangenfrau» für abenteuerliche Verrenkungen bekannt ist, trumpft der gebürtige Frutiger Songwriter vor allem gesanglich auf. Was die beiden nebst ihrem Namen noch eint, lässt sich wohl nur während ihrer Show am 25. Juli herausfinden. Ganz neu ist diese Kombination übrigens nicht: Bereits letztes Jahr waren Burri und Burri zusammen zu sehen.
Überraschungsgast vom Seaside
Wer reine Musikkonzerte bevorzugt, ist bei der Bielerin Brigitte Marolf gut aufgehoben. Sie wird auf dem Niesen ihren «Mix aus Mundartchansons und Musikcabaret» zum Besten geben. Besonders viel Bühnenerfahrung bringt der Thuner Bluesmusiker Philipp Fankhauser mit. Seine raue Stimme und sein geschicktes Saitenzupfen waren schon am Montreux Jazz Festival und bei «The Voice of Switzerland» zu hören, wo er zweimal als Juror und Coach amtete. Doch auch auf dem Niesen kennt sich Fankhauser aus: Schon 2010 gab er hier ein Gastspiel.
Um das Schweizer Militär von seiner musikalischen Seite zu erleben, muss man dieses Jahr nicht unbedingt ans Basler Tattoo reisen. Am 1. Juni tritt das Schweizer Armeespiel mit einer Kleinformation seines symphonischen Blasorchesters auf – und wie die Niesenbahn AG ankündigt, überraschen die Armeebläser mit einem eigens für diesen Abend arrangierten Konzert.
Überraschend soll übrigens auch der Gast am 12. September sein: Wer an jenem Abend spielt, ist noch ein Geheimnis. Er oder sie soll aber «aus dem Fundus des Seaside-Festivals» kommen. Dort treten unter anderen Bonnie Tyler, Herbert Grönemeyer und Troubas Kater auf. Ob der 14. Kultursommer also eine rein schweizerische Veranstaltung bleibt, hängt vom Überraschungsgast ab.
Das neue Berghaus als Tagungsort
Weil sie offenbar so gut angekommen sind, werden auch die Geschichtenfahrten mit dem ehemaligen Jagdinspektor Peter Juesy wieder angeboten. Diesmal werden die Fahrten allerdings um Häppchen und um einen Blick hinter die Kulissen des Betriebs erweitert.
Neu ist dieses Jahr vor allem die Lokalität. Ende April wird der 6,7-Millionen-Franken-Umbau des Berghauses Niesen Kulm fertiggestellt. Die Küche befindet sich dann nicht mehr innerhalb des Glaspavillons, sondern in einem separaten Gebäude (der «Frutigländer» berichtete). «Konzerte, Lesungen und Vorträge werden nicht mehr durch Geräusche aus der Küche gestört», verspricht die Niesenbahn AG in ihrer Medienmitteilung. Ausserdem will sie das Berghaus künftig für Tagungen und Feiern vermieten.
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