Ins ehemalige «Bad» ist wieder Leben eingekehrt. Doch was treibt Reto Stoller an, in der aktuellen Situation einen Gastrobetrieb zu eröffnen?
HANS RUDOLF SCHNEIDER
Die Nervosität hat sich ein bisschen gelegt: Die ersten Gäste waren da, das Haus voll. Die Eröffnung am Mittwoch ist gelungen, auch wenn noch nicht jedes Bild an der richtigen Wand hing. Für Reto «Stülpä» Stoller ist diese Situation neu, erstmals führt er in Alleinverantwortung ein Pub. «Stülpä’s Pub» ist im früheren Restaurant Bad beim Märitplatz zu Hause. Und fast wie Zuhause sollen sich bei ihm alle fühlen. Mit viel Altholz, einer offenen Bartheke, angepasster Beleuchtung, Musikanlage, TV-Bildschirmen, Dartscheibe, Tischfussball und diversen anderen Spielangeboten ist nach einigen Wochen hektischer Arbeit aus dem seit 2019 leerstehenden Restaurant ein gemütliches Pub entstanden. Dies wurde möglich, weil das Lokal letztes Jahr von Einheimischen gekauft und Stoller als möglicher Pächter angefragt wurde.
Ausbauen nach Bedarf
Die Erfahrung hat sich der 44-jährige Schreiner durch sein Engagement mit Kollegen im «Rustico Music Pub» in Frutigen und der «Bernabar» in Adelboden geholt. Nun stemmt er den neuen Betrieb selbst. Deshalb lässt er es auch vorsichtig angehen: Die Öffnungszeiten sind aktuell Dienstag bis Samstag von 17 bis 00.30 Uhr, sonntags von 13 bis 21 Uhr. «Ich muss zuerst merken, was gefragt ist und wie es läuft. Ausbauen kann ich immer noch, dann muss ich natürlich statt Aushilfen fix Personal anstellen.» Ihm ist klar, dass seine Tage lang werden, doch das kennt er ja. Für den eigenen Betrieb nehme er das in Kauf.
«Lieferdienst» für die Gäste
Dass er offen für verschiedene Ideen ist, zeigt die geplante Türöffnung bei Viehschauen morgens schon um 6 Uhr, um die Landwirte und Viehhändler auf dem benachbarten Märitplatz bedienen zu können. Obwohl in der Küche derzeit kein Essen zubereitet wird, ist sie funktionsfähig. Auch das ist eine mögliche Option, die er sich offen lässt. Wer in «Stülpä’s Pub» Hunger kriegt, kann sich beim Personal beispielsweise eine Pizza bestellen, die dann aus dem «Falken» geliefert wird. Stoller führt auch mit anderen Restaurants Gespräche, um so einen «Lieferdienst» für seine Gäste anbieten zu können. Der Wirt will schrittweise vorwärts machen. Fix eingeplant sind Fondueabende mit volkstümlicher Musik. Der kleine Saal ist aktuell noch abgetrennt durch eine heimelige Altholzwand. Für die Nutzung als Fumoir ist die Bewilligung noch ausstehend, bis dahin wird auf der Terrasse geraucht.
Es bleibt die zentrale Frage an Reto Stoller: Warum wagt er ausgerechnet jetzt einen Neuanfang in der gebeutelten Gastroszene? «Leicht ist mir die Entscheidung nicht gefallen. Aber ich habe einfach Lust, in Frutigen für jung und alt etwas zu bewegen. Wenn man nichts wagt, weiss man nie, ob es gut gekommen wäre.»




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