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Eine Visitenkarte für das Dorf

Im kommenden Jahr wird die BLS mit dem Umbau des Bahnhofs beginnen. Im Vordergrund stehen dabei der barrierefreie Zugang zu den Zügen und die Erneuerung der Technik. Die Gemeinde bringt jedoch weitere Ideen ins Spiel – zum Beispiel ein Hotel.

HANS RUDOLF SCHNEIDER
Das Osterwochenende war verkehrsintensiv, auf der Strasse wie auf den Schienen. Um das Bahnfahren für die Gäste angenehmer zu machen, werden Bahnhöfe im ganzen Land umgebaut. Meist geht es dabei um bessere Zugänglichkeit. In Kandersteg sollen diese Anpassungen im nächsten Jahr in Angriff genommen werden (siehe Text unten). Das Projekt der BLS geht aber darüberhinaus – vor allem was die künftige Nutzung des Bahnhofgebäudes angeht. Aus diesem Grund hat man auch die Gemeinde in die Planungen mit einbezogen.

Ein einfaches «Bahnhofshotel»?
Ratspräsident René Maeder legt die Überlegungen dar, die nicht nur den eigentlichen Bahnhof umfassen. Ein traditionelles Buffet scheint keine Option mehr zu sein. «Da der erweiterte Kiosk ebenfalls ins Hauptgebäude integriert werden soll, wird es dort Snacks oder heissen Kaffee geben», erläutert Maeder. «Die Gewohnheiten der Reisenden haben sich geändert, und Restaurants haben wir innert weniger Gehminuten genug.» Ihm schwebt in den Obergeschossen des Bahnhofgebäudes eher ein günstiges Hotel vor als Wohnungen. «Der Bedarf wäre sicher da», sagt der Hotelier, «wenn ich an die Fans der Trendsportarten wie Eisklettern, Sportklettern und Downhill-Biken denke, an die Arbeiter im Lötschbergtunnel oder an Eltern, die ihren Nachwuchs im Pfadizentrum besuchen.» Solche Gäste bräuchten einfache, aber moderne Unterkünfte im Ein- oder Zweisternbereich, die mit wenig Personal zu betreiben seien. «Die Reinigung und den Wäscheservice müsste man auslagern, Self-Check-in wäre wohl ideal», meint Maeder. Entsprechend habe sich die Gemeinde der BLS gegenüber bereits geäussert und schon Kontakte zu möglichen Betreibern aktiviert, verrät der Ratspräsident. «Am Ende entscheidet aber die BLS, was für das Unternehmen passt.» In der Zwischenzeit bis zum Baubeginn könnte die bestehende Wohnung allenfalls für ukrainische Flüchtlinge genutzt werden. Die Abklärungen dafür laufen noch.

Wieso nicht «das geilste WC»?
Der Gemeinderat will aber den Augenblick nutzen und denkt weiter – vor allem an die vielen Tausend Autos, die jährlich den Verlad nutzen, dem Dorf aber (zu) wenig bringen. «Warum nicht an der Umfahrungsstrasse respektive der Zufahrt die geilste WC-Anlage zwischen Hamburg und Rom bauen, die man einfach gesehen haben muss?» sagt der Ratspräsident lachend. Und etwas ernster gemeint: «Oder eine zeitgemässe Möglichkeit, während den Wartezeiten etwas zu konsumieren oder einzukaufen – möglichst auch regionale Produkte? Das Elektroauto rasch aufladen? Vielleicht kann man sogar die uns fehlende Benzin-Tankstelle dort realisieren?» Die Ideen sprudeln nur so aus René Maeder heraus. Es wird deutlich, dass er und die politische Behörde bei diesem Projekt nicht untätig bleiben wollen. Maeder gibt freimütig zu, dass am Ende oft die eigenen finanziellen Möglichkeiten gute Ideen stoppen würden. «Das müssen wir neu denken und starke Partner suchen. Kandersteg hat definitiv noch Potenzial.»

Die Bahnhofmatte im Fokus
Realistisch ist sicher das Anliegen, rund um den Bahnhof gleichzeitig mit dem BLS-Projekt einige Anpassungen zu machen. Auf der Bahnhofmatte ist ein gedeckter Pavillon mit Bühne angedacht, in dem beispielsweise Musiker auftreten können oder der von der Concours-Jury genutzt werden kann. Entsprechende Studien sollen in der laufenden Legislatur vertieft geprüft werden. Die Attraktivität des ideal gelegenen Veranstaltungsplatzes würde damit wachsen, sodass dieser öfter genutzt werden könnte.

Maeders Überlegungen umfassen auch die weitere Nachbarschaft: Die Tennisplätze – nur in der warmen Jahreszeit in Betrieb – könnten eigentlich in spielfreien Zeiten anderweitig zur Verfügung stehen. Die Kunsteisbahngenossenschaft hegt zudem den Wunsch, im Winter jeweils eine Natureisbahn anbieten zu können, am liebsten auf einem Hartplatz, der im Sommer ebenfalls für sportliche Betätigungen genutzt werden könnte. «Ich denke, wir finden für all unsere Ideen an dieser strategisch wichtigen Stelle des Dorfes eine Lösung», meint der Kandersteger Gemeinderatspräsident. Er jedenfalls möchte sich bald über eine neue «Visitenkarte» für das Dorf freuen.

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