Es sticht dem aufmerksamen Beobachter ins Auge, das Haus mit dem grossen Kreuzgiebeldach unterhalb der Strasse Mülenen–Aeschi. Bekannt war es einst als «Doktorhaus» und als «Pension Mülenen». Der langjährige Besitzer David Luginbühl hat dem Gebäude seinen Stempel aufgedrückt.
KATHARINA WITTWER
«Das Haus war ursprünglich zwei Stuben breit», steht im Dossier der kantonalen Denkmalpflege zum Gebäude an der Frutigenstrasse 23 in Mülenen (Gemeinde Aeschi) geschrieben. Südseitig im Parterre und im ersten Stock befinden sich nach wie vor zwei grosse Stuben mit je drei Fenstern. Eine unscharfe Fotografie unbekannten Datums lässt vermuten, dass der bergseitige Anbau etwas später angebracht wurde. Auf diesem Bild scheint der unterste Teil des Daches nämlich neuer und «angesetzt» zu sein. Zudem weisen die aufgenagelten Schnitzfriesen an der Front ein anderes Muster auf.
Möglicherweise hat ein gewisser G. Jaggi das Haus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstellen und durch die westseitige Erweiterung sowie den Anbau der Laubenzone unter dem Querfirst vergrössern lassen. Dies zu bestätigen, bedürfte jedoch intensiver Recherchen. Sicher ist, dass der gebürtige Aeschiner und frisch ausgebildete Arzt David Luginbühl ab 1875 dort eingemietet war und später seine Praxis im Untergeschoss führte. Patienten nutzten die Tür beim Kastanienbaum zwischen den beiden weissen Stühlen (grosses Foto, heute Studiowohnung).
Berufliche Diversifikation, um über die Runden zu kommen
Drei Jahre später konnte «Pülverli-Dävi», wie David Luginbühl wegen seines Interessens an Homöopathie scherzhaft genannt wurde, das Haus kaufen. Zum Familienbesitz gehörten auch mehrere Gebäude in unmittelbarer Nähe sowie Land und eine Alp im Kiental. Für die landwirtschaftlichen Arbeiten stellte der Besitzer einen Knecht an. Wahrscheinlich reichte das ärztliche Einkommen nicht aus, um die stets wachsende Familie zu ernähren. Denn im Nebenerwerb (oder Haupt-?) führten weibliche, ledige Familienmitglieder wahrscheinlich bis in die 1950er-Jahre hinein einen Gastbetrieb unter dem Namen «Pension Mülenen». Die Mahlzeiten für Gäste und für die Familie wurden in der geräumigen Küche im bergseitigen Erdgeschoss zubereitet. Waren im Haus sämtliche Betten mit Urlaubern belegt, wichen die zahlreichen Kinder zum Schlafen ins Nebengebäude aus.
Zum Lagern von Kohle und für Vorräte wie Kartoffeln oder Obst wurde in den Hang direkt unterhalb der Strasse Aeschi–Mülenen ein Keller gegraben, der heute als Abstellfläche genutzt wird.
Grössere bauliche Veränderungen wurden in den letzten Jahren weder im noch am Haus vorgenommen. Heute befinden sich auf den verschiedenen Stockwerken insgesamt fünf unterschiedlich grosse Wohnungen, von denen zwei als Ferienwohnung vermietet werden.






zufälligerweise bin ich heute auf diesen Artikel von Doktor Luginbühl „Pülverli-Dävis“ alte Praxis von Mülenen gestossen, das Haus meines Urgrossvaters und seiner Familie.
dieser Artikel würde mich sehr interessieren. Könnten sie mir diesen zustellen ohne dass ich Abonenntin bin?
Das wäre sehr nett!
mit herzlichem Dank und freundlichen Grüssen, Madeleine Willi-Streun