Ende August gibt der katholische Pfarrer Stefan Signer frühzeitig sein Amt ab – und begründet dies mit einem Bedeutungsverlust der Kirche, den er bedauernd feststellt.
MARTIN NATTERER
Er ist ein freundlicher Mensch, nachdenklich, tiefgründig und entgegenkommend. Der «Frutigländer» trifft Stefan Signer an jenem Ort, dem er nun fast 40 Jahre seines Lebens gewidmet hat: In der Kirche. Hier schlug der Puls seines Berufslebens, und hier lebte er einen wichtigen Teil der Berufung aus, die ihn bis heute begleitete: Stefan Signer ist Pfarrer der katholischen St. Mauritius-Gemeinde in Frutigen. Doch nun geht er vorzeitig in Rente und stellt nachdenklich fest, dass es buchstäblich keine Nachfrage mehr nach seiner Arbeit gibt.
Künftig möchte er Pilger begleiten
Noch nie hat Signer den Dialog gescheut – weder mit den immer weniger und immer älter werdenden GottesdienstbesucherInnen noch mit seinen meist reformierten oder freikirchlichen Amtskolleginnen und -kollegen. Seine vielfältigen Gedanken zum Pensionierungsentscheid hat er in einem Text zusammenfasst, der auf der Website der Pfarrei zu lesen ist. Dazu ergänzend stellt er fest: «Viele Menschen betrachten die Kirche nicht mehr als kompetent in einer säkularen Welt.» Das heutige Leben sei seltsam banal geworden. Die Menschen meine er damit nicht, stellt er auf Nachfrage klar, aber die Wahrnehmung unseres Lebens insgesamt sei nichtssagender geworden. Das meine er mit «banal».
Und so würden auch der Glaube und die Heilige Schrift, die die Kirche zu vermitteln sucht, «irgendwie als nichtssagend» wahrgenommen. Darin finde er sich als Gemeindepfarrer nicht mehr wieder. Für sehr viele Menschen sei auch das Gottesdienstfeiern seltsam bedeutungslos geworden. Und damit habe er das Gefühl, als Pfarrer letztlich seine Berechtigung zu verlieren. «Es braucht mich nicht mehr.» In einer «gelebten Ökumene» lägen zwar noch viele Chancen – aber nur dann, wenn die Gemeinden «einander suchen und vermehrt eine gemeinsame Stimme haben». Einen der wesentlichen Gründe der heutigen «Beliebigkeit» sieht Signer unter anderem im Internet: Dies böte eine solche Dichte von Deutungen und Weltinterpretationen und sei derart schnell und unabhängig von gemeindlicher Verpflichtung verfügbar, dass man sich schon frage, wozu es noch Gemeinden brauche. Jeder habe heute seinen eigenen Glauben, bedauert Signer.
Aus dem sesshaften Pfarrer werde nun ein wandernder, der in Zukunft während eines Teils seiner Tätigkeit Pilger begleiten möchte. «Dabei kann man mit Menschen suchen, fragen und feiern», ist er überzeugt.
Pfarrer Stefan Signer hält am Sonntag, 27. August, in der Frutiger St.Mauritius-Kirche seinen letzten Gottesdienst und zieht danach in die Innerschweiz. Seinen Begründungstext finden Sie unter www.frutiglaender.ch im Bereich Web-Links.




Danke