Rachel Arkin ist für viele das Gesicht des Tourismusortes: Als Leiterin des Tourist Centers ist sie oft die erste Ansprechperson für Anliegen aller Art. Nach 100 Tagen auf dem neuen Posten zieht sie eine vorläufige Bilanz.
JULIAN ZAHND / MARIA STEINMAYR
Wenn Rachel Arkin nach Adelboden zur Arbeit fährt, muss sie beim Anblick der Berggipfel manchmal schmunzeln. Es ist eine langjährige Beziehung, welche die gebürtige Bolligerin mit dem Lohnerdorf führt: «Als Kind kam ich jeweils hierher zum Skifahren. Ich erinnere mich an einen Esel, der unser Material gelegentlich mit einem Karren bis zum Lift im Ausserschwand zog. Wir Kinder liefen hinterher.» Rund fünf Jahrzente später ist Arkin wieder regelmässig in Adelboden unterwegs. Seit Anfang Oktober 2023 leitet sie hier das Tourist Center. «Meine Anstellung im Lohnerdorf fühlt sich ein bisschen an wie eine Rückkehr zu den Wurzeln.»
Bis zu 100 direkte Gästekontakte pro Tag
In der Zeit zwischen Kindheit und heute liess sich Rachel Arkin an einer Walliser Tourismusfachschule ausbilden. Anschliessend war sie an verschiedenen Orten im Tourismusbereich tätig, unter anderem in Israel, wo sie während acht Jahren einen Standort des Reiseveranstalters TUI leitete. In den Nahen Osten zog es die damals frischgebackene Touristikerin, weil sie bereits im jungen Erwachsenenalter zwei mehrmonatige Arbeitseinsätze in einem Kibbuz, einer ländlichen Kollektivsiedlung, absolviert hatte. In Israel lernte sie viel Neues, auch Hebräisch. «Der Zugang zu den Leuten ist ein anderer, wenn man deren Sprache spricht.»
Das gilt im übertragenen Sinne auch für Adelboden: Auf die Menschen vor Ort zuzugehen, ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und offen zu sein ist für die 56-Jährige essenziell. In ihrer neuen Funktion gibt sie dem Tourismusort ein Gesicht. Sei es wegen des neuen Dynamic Pricings, wegen Tipps für Unterkünfte oder der jüngst verschütteten Adelbodenstrasse: Nicht selten sind Rachel Arkin und ihr siebenköpfiges Team die erste Anlaufstelle für Gäste, die Informationen benötigen. An Spitzentagen besuchen gegen 100 Personen das Tourist Center, hinzu kommen rund 80 Anrufe. Diese «Hotline» ist unter anderem deshalb attraktiv, weil sie während der Hauptsaison sieben Tage die Woche in Betrieb ist. Auch der Austausch mit den touristischen Leistungsträgern, den Einheimischen und den ZweitwohnungsbesitzerInnen gehört zu den Kernaufgaben der Tourist-Center-Leiterin.
Im Zentrum des Geschehens
In den ersten rund 100 Tagen im neuen Amt machte sich Rachel Arkin mit dem Team, mit den Arbeitsprozessen und mit dem Angebot vor Ort vertraut. Von Letzterem zeigt sie sich beeindruckt: «Die Palette ist äusserst breit – sie reicht von ‹Aabäsitzen› über den Vogellisilauf und die Oldtimer-Treffen bis hin zum Klassikfestival.» Auch das «Workation»-Konzept, also die Möglichkeit für Gäste, vor Ort Ferien zu machen und zugleich in dafür bereitgestellten Räumlichkeiten zu arbeiten, erachtet sie als lukrativ. Die Vielfalt zeige sich auch in der Natur: «Berge, die mit der Bahn bequem erreichbar sind, stehen neben solchen, die man zu Fuss erklimmen muss. Daraus ergeben sich völlig unterschiedliche Erlebnisse.»
Die Einarbeitungsphase liegt somit bereits hinter Rachel Arkin – und auch der erste Grossanlass im neuen Jahr: Am Weltcup 2024 war sie als Volontärin im Gastrobereich tätig. «Ich bin ein Fan des alpinen Skirennsports und fand diesen Einsatz grandios.» Vor Ort faszinierte sie die makellose Organisation, die bereits beim Shuttletransport ab Reichenbach begann. Im «Schlösslizelt», wo sie für die Essensausgabe zuständig war, arbeitete sie mit weiteren Freiwilligen zusammen. «Wir waren ein bunt zusammengewürfelter Trupp, kein eingespieltes Team. Daher mussten wir flexibel sein, um uns rasch zurechtzufinden. Das Ganze gelang nur, weil sich alle zusammen für eine Sache einsetzten.»
Rachel Arkin möchte auch im nächsten Jahr wieder am Chuenisbärgli im Einsatz stehen – um dort ähnlich wie im Tourist Center mitten im Geschehen zu sein.



