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KOLUMNE – NACHHALTIG

Landschaftsschutz – wieviel verträgt unsere Umwelt?

Die Entwicklung der alpinen Solaranlagen hat die Landschaftsschutzorganisationen aufgerüttelt. Ein breit abgestützter Widerstand versucht, mit allen rechtlichen Mitteln die massvolle Förderung grosser Wind- und Solaranlagen zu sabotieren. Neben dem kategorischen Ballenberg-Erhaltungstrieb gibt es auch differenziertere Ansichten, die eine Interessensabwägung verlangen im komplizierten Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, Energieversorgung, Biodiversität und Landschaftsschutz.

Am 8. Dezember 2023 hat die Gemeindeversammlung von Saanen dem prominentesten alpinen Photovoltaik-Projekt im Berner Oberland fürs Erste den Stecker gezogen. «Obwohl ein Grossteil der Bevölkerung das Potenzial der alpinen Solarenergie erkennt, führten vor allem Bedenken zur optischen Beeinträchtigung der Landschaft […] zur Ablehnung des Projekts», hiess es. Es ist eines von mehreren, die in den letzten Monaten von vereinten Landwirten, Landschaftsschützern und Touristikern beerdigt wurden. Ein prominenter Touristiker aus Surses (GR) meinte: «Die Leute kommen zur Erholung und wegen der Nähe zur Natur. Es ist schlicht eine Illusion zu glauben, dass sie weiterhin kommen würden – nur aus Dank, dass wir hier einen Teil ihres Stroms produzieren.» Dass diese Leute sich allerdings nicht an Bergbahnen und Beschneiungsanlagen stören, sondern gerade wegen diesen mehrheitlich im Winter die Region Savognin besuchen, das scheint hingegen zur akzeptierten Normalität von Einheimischen und Touristen zu gehören. Prominente Wortführerin in diesem Kampf ist die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, die beim Projekt in Saanen folgendes Kriterium als nicht erfüllt ansieht: «Zudem soll die Landschaft (für eine Solaranlage) keine nennenswerten Lebensraumqualitäten aufweisen.» Die Stiftung beurteilt so, Stand Dezember 2023, nur gerade jedes sechste Projekt im Alpenraum als akzeptabel. Da wird der unüberwindbare Widerspruch zwischen Unberührtheit und dem Nutzen der Alpen deutlich. Denn vermutlich gibt es so viele Vorstellungen darüber, was nun «Lebensraumqualität» ist, wie es Skifahrer auf den Pisten in Savognin gibt. Mit der Forderung der Landschaftsschützer «Bau von alpinen PV Anlagen nur in bereits überbauten Gebieten» ist der Widerstand vonseiten Tourismus und Liegenschaftsbesitzern an Gemeindeversammlungen – oder dann mit langjährigen Einspracheverhandlungen – naheliegenderweise programmiert. Die Katze beisst sich da in den Schwanz.

Ich frage: Bei Lawinen- und Steinschlagschutzanlagen wird der Nutzen nicht in Frage gestellt, weil er unmittelbar nachvollziehbar ist. Deren negative Wirkung auf das Landschaftsbild ist mindestens so gross wie die von alpinen Solaranlagen. Wenn Solarstrom aber massgeblich dazu beiträgt, dass auf fossile Energieträger verzichtet werden kann, ist dann dieser Beitrag zum Schutz unserer Umwelt und Menschen langfristig nicht ebenso wertvoll? Stichworte dazu sind Permafrost, Steinschlag, Waldbrände etc.

Jede alpine PV-Anlage von der politisch gewollten Grösse ist zweifellos ein massiver ästhetischer Eingriff in eine Landschaft, die typischerweise oberhalb der Waldgrenze, weitläufig, südorientiert und gleichmässig geneigt ist. Deshalb wird es immer nachvollziehbare emotionale, ablehnende Stimmen gegen solche Projekte geben. Es ist aber nicht erst seit der Energiekrise dringend geboten, Umweltschutz in einer ganzheitlichen Betrachtung zu verstehen und zu betreiben. Damit weitet sich die Sicht über die technische Installation von Solarpanels hin zum Schutz der Umwelt vor Luftverschmutzung, nuklearen Abfällen, Klimaerwärmung und Artensterben. Und weil da rasche und wirkungsvolle Handlungen nötig sind, wird eindimensionaler Widerstand gegen solche Lösungsansätze ein Spiel mit dem Feuer. Sämtliche Blockaden aus dieser engen Betrachtungsweise des Landschaftsschutzes müssen sich gegenüber den zukünftigen Generationen verantworten für die verpassten Chancen, diesen Umweltkrisen rasch und wirkungsvoll zu begegnen.

SAMUEL B. MOSER

NACHHALTIG@BLUEWIN.CH

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