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Grünes Licht per Post-it-Zettel

Nach einem ersten Infoabend zur geplanten Luftseilbahn Kandersteg-Elsigenalp Anfang April war nun die Bevölkerung am Zug: Letzten Freitag konnte sie sich in verschiedenen Workshops einbringen. Das erste Fazit des Abends fiel positiv aus.

GERHARD KAPPHAHN
Das Luftseilbahnprojekt Kandersteg-Elsigenalp sorgt in der Bevölkerung für einigen Gesprächsstoff. Bereits der erste Informationsanlass war gut besucht gewesen (der «Frutigländer» berichtete). Drei Wochen später fanden sich rund 90 Personen erneut im Gemeindesaal Kandersteg ein.

Die Anwesenden wurden an vier Workshop-Posten aus erster Hand informiert und waren eingeladen, ihre Meinungen und Kritikpunkte zum Bahnprojekt zu äussern. Es ging dem Projektteam darum, den Puls zu spüren und Verbesserungsvorschläge zur möglichen Realisierung der Luftseilbahn zu erhalten.

Die drei zentralen Fragen
Der Hotelier Lukas Eichenberger und Christian Zenger, Geschäftsführer der Elsigenalpbahnen AG, moderierten und leiteten auch diesen Anlass. Unterstützt wurden sie von VertreterInnen der TALK AG, der BLS und der Seilbahnfirma Garaventa.

Projektleiter Eichenberger präsentierte zu Beginn noch einmal die schon bekannten Projektfakten und wechselte dann rasch zum Eingemachten. «Nun steht die Machbarkeitsstudie im Fokus. Diese muss drei Fragen beantworten: Ist die Bahn technisch machbar? Ist die Bahn bewilligbar und können die unterschiedlichen Verträglichkeitsprüfungen erfüllt werden? Und natürlich müssen die Kosten und die Finanzierbarkeit geklärt sein, sonst wird sich kein Investor finden.» Danach begannen an den vier Posten die Diskussionen zwischen den Projekt-Interessenvertretern und der Bevölkerung zu folgenden Themen:
• die Talstation mit ihrer Verkehrsanbindung
• mögliche Seilbahnsysteme
• Bergstation Elsigenalp mit Skigebietsfolgeausbauten
• Marketing und Namensgebung der Seilbahn

Rasch verteilten sich die Anwesenden, die Inputs wurden auf Flipcharts notiert. Visualisierungen der Tal- und Bergstation mit ihren möglichen Standorten und die unterschiedlichen Bahnsysteme sorgten für Gesprächsstoff, von Ablehnung bis Begeisterung war die gesamte Meinungspalette vorhanden. Auch das Thema «direkte Anbindung der Talstation an den Bahnhof Kandersteg» interessierte, denn die Kandersteger wünschen keinen zusätzlichen Autoverkehr im Dorf. Der Klimawandel mit seinen direkten Folgen für den Wintersport sorgte für engagierte Voten.

Talstation auf der Bahnhofmatte fällt durch
Die vier Workshop-Leitenden informierten danach im Plenum über die Ergebnisse des Abends. Olivier Knobel, Leiter Studien & Bestvarianten bei der BLS, fasste zusammen: «Der mögliche Standort der Talstation auf der Bahnhofmatte wurde unisono abgelehnt. Die Standortvariante im Bereich Autoverlad stiess jedoch auf breite Akzeptanz. In jedem Fall muss das Umsteigen von der Eisen- auf die Luftseilbahn kurz und bequem sein, damit der öffentliche Verkehr verstärkt genutzt wird», führte er aus.

Hannes Roth, Projektierungsingenieur bei der Firma Garaventa, hatte zuvor mögliche Bahnsysteme erklärt. Eine Umlaufbahn mit mittelgrossen Gondeln sei einer Pendelbahn mit Grossraumkabinen klar vorgezogen worden, fasste er zusammen. Die Diskussionen hätten zudem gezeigt, dass sich kleinere Kabinen aus Orts- und Landschaftsbildgründen besser eignen. «Technisch ist eine Umlaufbahn durchaus machbar, zwei Tragseile erfordern zudem weniger Masten im Gelände», so Roth.

Christian Zenger betreute den Schwerpunkt Bergstation und Folgeausbauten im Skigebiet. Die Bergstation soll aus Holz gebaut und möglichst «unsichtbar» sein, war einer der Wünsche in seinem Workshop. «Die notwendige und berechnete Kapazitätssteigerung von 40 Prozent der Anlagen im Skigbiet Elsigen-Metsch ist unterschiedlich aufgenommen worden», so Zenger. In Zeiten des Klimawandels stelle sich rasch die Frage, ob Ausbauten wirtschaftlich noch zu rechtfertigen seien.
An Posten vier war Kreativität gefragt: Dominique Lüthy, Geschäftsleiter der TALK AG, sowie Silvia Nüesch von der Unternehmenskommunikation waren auf Namensuche für die neue Luftseilbahn. Eine interessante Präzisierung habe er gehört, so Lüthy schmunzelnd: Das Elsighorn gehöre nicht zu Kandersteg, weshalb ein Name wie «Elsigexpress» nicht möglich sei. Es seien aber einige Ideen für Bahnnamen zusammengekommen, etwa «Frutigland-Panoramabahn».

Gute Grundstimmung am späten Abend
Die gesammelten Eingaben werden nun bewertet, geprüft und vertieft und anschliessend in die Machbarkeitsstudie einfliessen. Zum Schluss bat Lukas Eichenberger alle Anwesenden, mit einem Post-it-Zettel an der Saaltür ihre Grundeinstellung zu erkennen zu geben: rosarot stand für Projektablehnung, gelb für Unentschlossenheit und grün galt als Zustimmung zur Weiterverfolgung. 61 Post-its klebten schliesslich an der Tür: 8 rosarote, 18 gelbe und 45 grüne.

Der neuen Luftseilbahn wurde an diesem Abend also keineswegs der Stecker gezogen.

Die Abschlusspräsentation zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie findet am Mittwoch, 26. Juni 2024, um 19 Uhr im Gemeindesaal Kandersteg statt.

Diese Visualisierung zeigt eine Variante, bei der die Talstation mit Umlaufbahn hinter dem Bahnhof Kandersteg angesiedelt ist – so wie die meisten TeilnehmerInnen es bevorzugten. BILD: ZVG
Diese Visualisierung zeigt eine Variante, bei der die Talstation mit Umlaufbahn hinter dem Bahnhof Kandersteg angesiedelt ist – so wie die meisten TeilnehmerInnen es bevorzugten. BILD: ZVG
Die Visualisierungen und Skizzen zu den Standorten der Bahnstationen fanden viel Beachtung. BILDER: GERHARD KAPPHAN
Die Visualisierungen und Skizzen zu den Standorten der Bahnstationen fanden viel Beachtung. BILDER: GERHARD KAPPHAN

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