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Ein musikalisches Familienprojekt

Kirchenlieder gelten oft als verstaubt und altbacken. Diesem Vorurteil will der Kirchenchor mit einer neuartigen Idee entgegenwirken.

MONYA SCHNEIDER
48 Jahre lang wurde der Kirchenchor Frutigen von Willy Heger dirigiert. Seine Nachfolge trat 2018 Sandra Tosetti an. Diese hatte während der Pandemie eine schwierige Zeit zu bewältigen. Das Singen mit Masken und das Abstandhalten gestaltete sich als äusserst schwierig. Tosetti konnte ihren Auftrag nicht so erfüllen, wie sie es sich vorgestellt hatte und gab die Leitung 2022 wieder ab. Obwohl die Mitgliederzahl auf demselben Level blieb, stand es eine Zeitlang zur Diskussion, ob der Chor weitergeführt oder gar aufgelöst werden sollte. Doch der neue Vorstand unter der Präsidentin Margrit Hari – die im März 2023 ihr Amt angetreten hatte – beschloss, jetzt noch einmal durchzustarten. Inzwischen sind fünf neue Mitglieder eingetreten.

Als im letzten Jahr nicht ganz klar war, ob man das traditionelle Konzert Ende November überhaupt würde durchführen können, fragte der Kirchenchor Thun-Strättligen für ein gemeinsames Konzert an. So wurde Elena Shchapova, die Dirigentin von Thun-Strättligen, Gastdirigentin von Frutigen. Die Zusammenarbeit lief so gut, dass der Chor Shchapova per Anfang 2024 als Dirigentin gewinnen konnte. Die neue Leiterin bringt viele gute Ideen mit, eine davon ist das Muttertagsprojekt. Es geht darum, Leute für Kirchenmusik zu interessieren und Kinder einzubinden. Sie ist sehr bemüht, Generationen zusammenzubringen.

Nur drei Proben
Mitte März suchte der Kirchenchor Frutigen mittels Inserat Schulkinder und Jugendliche, die gemeinsam mit ihren Eltern am Chorprojekt teilnehmen. Präsidentin Margrit Hari war sehr gespannt, ob dieses überhaupt zustande kommen würde. «Irgendwie muss man ja einen Anfang machen», so Hari. Natürlich haben auch die Kirchenchormitglieder Werbung gemacht, sodass sich nun sechs Erwachsene und sieben Kinder aus Frutigen zusammengefunden haben – darunter sogar eine Mutter und ihr Sohn aus Bern. Es ist vorgesehen, dass der Bub das «Ave Maria» in der Predigt singen wird.

Drei Proben standen für den Auftritt am 12. Mai an der Muttertagspredigt auf dem Programm. Einstudiert wurden «Dona nobis pacem», «Herr segne mich» und «Look at the world». Das sehr melodiöse Stück des bekannten englischen Komponisten und Dirigenten John Rutter wird abwechselnd vom Familienund vom Kirchenchor vorgetragen.

Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen zeigten sich bei der Probe äusserst engagiert und konzentriert. Dabei ging die Dirigentin Shchapova auf die Kinder ein, motivierte und begeisterte sie. Was man mit nur drei Proben auf die Beine stellen kann, wird man am kommenden Sonntag hören können. Und wer weiss: Vielleicht ist dies ein erster Schritt in eine neue Zukunft, in der sich auch junge Menschen für Kirchenmusik begeistern werden.

Auftritt Chorprojekt: Sonntag, 12. Mai, um 10 Uhr in der reformierten Kirche Frutigen

Monya Schneider
Monya Schneider
Für die gebürtige Frutigerin Monya Schneiders war während der Schulzeit ganz klar Deutsch das Lieblingsfach. Für sie war es das Schönste einen Aufsatz schreiben zu dürfen. Sie absolvierte eine KV-Lehre und das Schreiben spielte dann für lange Zeit keine Rolle mehr in ihrem Leben. Ausser natürlich das regelmässige Tagebuchschreiben… Als der Frutigländer 2005 ins Leben gerufen wurde, begann sie über Anlässe der Schule Hasli zu schreiben und diese einzusenden. Diese Texte fanden offenbar Anklang und sie wurde von der Redaktion angefragt, ob sie nicht Lust hätte Freie Mitarbeiterin zu werden. Und so schreibt sie seit fast zwanzig Jahren regelmässig Berichte für den FRUTIGLÄNDER.

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