Am Samstag fand zum dritten Mal das «Summerfescht» statt. Zu Gast war der Bluesmusiker Marc Amacher. Der Finalist des «The Voice of Germany»- Wettbewerbs 2016 blieb indes nicht alleine auf der Bühne.
RETO KOLLER
Wenn Marc Amacher in die Saiten greift und seine raue Stimme den Raum vor der «Revier Mountain Lodge» füllt, ist dies Blues, der von innen kommt. Woher aber stammt die Nähe des Brienzers zur uramerikanischen Musik der Schwarzen? Die Antwort könnte in seiner Familiengeschichte liegen. Amachers Urgrossvater wanderte in den 1850er-Jahren in die USA aus: ein Hungerflüchtling, den die Missernten in die Neue Welt getrieben hatten. 30 Jahre später liess er seine Wahlheimat hinter sich und kehrte zurück in sein Dorf. «Wildwest» wurde der Heimkehrer genannt. Was er im «Wilden Westen» genau getrieben hatte, blieb sein Geheimnis. Doch er scheint seinem Urenkel Marc das melancholische Lebensgefühl der schwarzen Südstaaten-Sklaven vermacht zu haben. Amacher zieht Parallelen: «Unseren Vorfahren war es verboten, zu musizieren. Sie trafen sich heimlich zu Hause zur ‹Stubete›, wo sie auf einer einfachen Halszither und mit Holzlöffeln Klänge erzeugten. Das war der Blues der armen Bauern im Berner Oberland. Das Gleiche taten die schwarzen Sklaven in ihren armseligen Hütten in den Baumwollfeldern der Südstaaten Amerikas.»
Der Blueser hat es sich alleine auf der Bühne bequem gemacht, nur begleitet von seiner Soundanlage. Er tritt, je nach Bedarf, auch im Quartett auf. «Ich richte mich nach den Bedürfnissen und den Möglichkeiten meiner Gastgeber», meint er.
«Musik soll Menschen zusammenbringen»
Die bisweilen harten und schnellen Beats, verbunden mit Storys aus seinem Leben, kommen beim Publikum gut an. «Musik war immer das Wichtigste in meinem Leben, alles andere blieb liegen. Trotz aller Umwege und Stolpereien hat meine Musik eine gewisse Akzeptanz gefunden, und ich kann mittlerweile von meiner Leidenschaft leben», lässt er wissen. Der Brienzer nennt sich selbst einen Traditionalisten, der lieber an seiner Gitarre herumwerkelt, als der Selbstdarstellung auf Facebook und Instagram zu frönen. Nach seinem grossen Erfolg in der deutschen TV-Show ist er wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Der Blues ist seit frühester Jugend seine musikalische Welt; er hat ihm immerzu die Treue gehalten. Das ist an diesem Abend auch in Adelboden sicht- und noch viel mehr hörbar.
Als sich sein Auftritt dem Ende nähert, geschieht etwas Überraschendes. Der südafrikanische Gitarrist François, der immer wieder im Revier-Hotel auftritt, gesellt sich zu Amacher. Die beiden Musiker greifen zusammen in die Saiten, obwohl sie sich noch nie zuvor gesehen, geschweige denn zusammen musiziert haben. «Musik soll Menschen zusammenbringen. Das gilt nicht nur für die Zuhörenden, sondern ebenso für die Musizierenden», meint Amacher. «François gefiel meine Musik, und er klinkte sich einfach bei mir ein. So muss es sein. Ich trete gerne mal ins zweite Glied, wenn ein anderer Musiker mich ergänzen kann», sagt Amacher nach dem Auftritt.
Das Publikum dankt ihm, und das kurzzeitig und spontan entstandene Duo freut sich über den frenetischen Beifall. Der Südafrikaner François bestreitet anschliessend das zweite Set des Abends und heizt allen gehörig ein, die der kühlen Witterung getrotzt haben. Sein breites Repertoire aus allen Epochen der Rockmusik, überragend gespielt auf der E-Gitarre, schliesst das kleine, aber feine «Summerfäscht» ab. Es ist ein gemeinsames Projekt einiger Adelbodner Hotels. Sie haben sich zusammengetan, um das kulturelle Leben im Lohnerdorf zu bereichern.




