An den Special Olympics World Games Berlin und an den nationalen Winterspielen in Brienz starteten auch AthletInnen der Stiftung Bad Heustrich. Letzten Freitag teilten sie ihre Erfahrungen mit einem interessierten Publikum. Was viele noch nicht wussten: Die Schweizer Special-Olympics-Bewegung nahm ihren Anfang im Emdtal.
MICHAEL SCHINNERLING
Im März 2024 gingen 18 Athleten vom Team Bad Heustrich in den Kategorien Unihockey, Langlauf und Alpin Ski an den Start der Winter Games Haslital in Brienz. Mit Moral und Teamgeisten holten die Emdtaler dreimal Gold und achtmal Bronze. Bereits im Juni 2023 waren die beiden Athletinnen Ramona Beutler und Charlotte Wyss zu den Special Olympics World Games nach Berlin gereist und hatten ebenfalls mit Bestleistungen geglänzt.
Dass dies heute so möglich ist, hat die Stiftung Bad Heustrich nebst der Finanzverwalterin Susanna Rodel auch dem ehemaligen Heimleiter Eugen Walther zu verdanken. Dieser war schon bei den Special Olympics 1990 in Schottland (Glasgow) mit einem Fussball-Team vertreten. «Die Schweiz war nicht offiziell dabei, da die Strukturen hierzulande noch nicht anerkannt waren. Wir waren aber als Gastland eingeladen», erinnert sich Walther. «Als die Special Olympics Schweiz langsam Form annahmen, fanden alle Sitzungen im Bad Heustrich statt. Behindertensport bot sich nicht für uns an. Die Special Olympics waren aber das richtige für uns.» Eugen Walther ist heute Mitglied im Circle of Honor und war eine prägende Persönlichkeit für die Bewegung Special Olympics in der Schweiz. Somit wurde in den 90er-Jahren im Emdtal Geschichte geschrieben.
«Es gibt so viele Emotionen wie sonst nirgends»
Letzten Freitag war auch Bruno Barth zu Gast, Direktor von Special Olympics Switzerland. «Das Engagement der Stiftung Bad Heustrich ist für Bewegung und Sport seiner Klienten sehr gross. Das ist für Institutionen keine Selbstverständlichkeit», führte Barth aus. Die Emdtaler Institution sei insofern sehr aktiv, als sie in verschiedenen Sportarten an Special-Olympics-Events teilnehme. «Das bedingt immer einen grossen Aufwand, und dafür sind wir sehr dankbar.» Diese sportlichen Anlässe vereine die Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen. «Das Ambiente, das so entsteht, ist einmalig, offen, ehrlich und direkt. Es gibt so viele Emotionen wie sonst nirgends», schwärmte Barth.
Wer davon ein Lied singen kann, ist Reto Lauber. Der Cheftrainer des Heustrich-Teams erlebt an den Events ein Wechselbad der Gefühle: «Je nachdem feiern wir mit den Athleten oder wir sprechen ihnen gut zu und trösten sie. Im Vorfeld verbringen wir viel Zeit mit den Sportlern und wissen, was es nach einem Erfolg oder nach einer nicht erreichten Medaille braucht.» Natürlich sei es einfacher, Medaillen feiern zu können. Seit acht Jahren ist Lauber Coach und begleitet die Athleten regelmässig an regionale, nationale und internationale Spiele. «Die Anlässe bereiten mir grosse Freude und viel Spass. Ich freue mich immer, wenn viele Besucher da sind, wenn die Stimmung richtig gut ist und die Athleten über sich hinauswachsen. Das sind Hühnerhautmomente, die ich allen sehr empfehlen kann.»
«Ich kann immer wieder etwas lernen»
Charlotte Wyss ist 23-jährig. Ihren ersten Wettkampf absolvierte sie 2018 in Balgach. Sie startet in den Kategorien Schwimmen (Sommer) und Langlauf (Winter.) «Es bedeutet mir sehr viel, an den Wettkämpfen teilzunehmen, weil ich immer wieder etwas lernen kann. Von mir selbst und von anderen Wettkämpfern», sagte Wyss. «Die Spiele sind immer ähnlich, aber dafür deine Gegner nie – dass macht es interessant.»




