Einst war das Kiental ein Ort pulsierenden Lebens. Das zeigt der Dokumentarfilm «Wundersames Kiental», gedreht in den 1950er-Jahren. Nun präsentiert die Kulturgutstiftung Frutigland eine gestraffte Filmversion, angereichert mit Kommentaren und Musik.
JULIAN ZAHND
In der Nachkriegszeit verbrachte Albert Landtwing seine Ferien im Kiental. Die Gegend faszinierte ihn so sehr, dass er immer wieder dorthin zurückkehrte. Landtwing war mit Sicherheit nicht der Einzige, den das Kiental nicht mehr losliess – aber vielleicht der Einzige, der seine Eindrücke filmisch festhielt.
Der 16-mm-Farbfilm dauert im Original fast 100 Minuten. Er ist tonlos, jedoch reich an Eindrücken. Zu sehen sind viel unberührte Natur sowie Szenen aus dem dörflichen und bergbäuerlichen Alltag, der nach klammen Kriegsjahren wieder zu erwachen beginnt. Landtwing präsentierte den Film auch öffentlich, das stumme Zeitdokument fand einigen Anklang: «Der sehenswerte Film schildert in wohlgelungenen Sequenzen das Kiental, wie es leibt und lebt», schrieb beispielsweise die Zeitung «Bund» am 22. Januar 1956.
Nach Landtwings Tod kehrten die Filmrollen zurück ins Kiental, wo sie das Interesse der einheimischen Christina Zurbrügg weckten. Die nach Wien ausgewanderte Musikerin und Filmemacherin nahm die bewegten Bilder als Grundlage für einen neuen Dokumentarfilm. «Bleiben oder gehen» erzählt die persönliche Geschichte Zurbrüggs – die Geschichte einer Frau mit zwei Heimaten.
«Lebendiger und griffiger»
Im Auftrag der Kulturgutstiftung Frutigland bearbeitete die Künstlerin den Originalfilm, deren Rechte sie besitzt. Sie komponierte die Musik und schrieb Texte, gemeinsam mit ihrem Partner Michael Hudecek kreierte sie eine rund 50-minütige Filmversion, die mit Poesie und Humor von Erinnerung und Jetzt erzählt. Die Neufassung ist nun auf DVD erhältlich, am 28. September wird sie in Reichenbach öffentlich gezeigt. «Durch die kürzere Dauer wirkt das Werk griffiger und lebendiger», sagt Urs Gilgien von der Kulturgutstiftung Frutigland. «Man erfährt beispielsweise, dass die Gegend für mehrere Geschichten von Friedrich Dürrenmatt Pate stand und wo der Buchautor nach Feierabend jeweils seinen Schnaps trank.» Der Film sei ein wichtiges Zeitdokument, das die Erinnerungen an die 1950er-Jahre und den folgenden Zeitenwandel für die Einheimischen wachhalte, findet Gilgien. «Die neue Filmversion weist gegenüber dem Original zwar etwas weniger Lokalkolorit auf, spricht dadurch aber womöglich ein breiteres Publikum an.»
Filmpremiere «Wundersames Kiental» am Samstag, 28. September, um 20 Uhr im Kirchgemeindehaus Reichenbach



