Am Mittwochabend herrschte reger Betrieb im Seilbahnmuseum Schweiz. Über 30 Kunstschaffende und Veranstalter Innen trafen sich am Kulturstammtisch zum dritten Austausch 2024. Eingeladen hatte der Kulturrat Volkswirtschaft Berner Oberland.
GERHARD KAPPHAHN
Der ungewöhnliche Aufenthaltsraum im Seilbahnmuseum – wer wollte, nahm in alten Seilbahnsesseln Platz – regte zum Gedankenaustausch an. «Ihr seid gekommen, um miteinander über Kultur zu reden», begrüsste Kulturratspräsidentin Beatrice Fridelance die Anwesenden. Das Gremium setzt sich für die Vernetzung von Kultur, Tourismus und Wirtschaft ein. Auf den Punkt gebracht: «Das Berner Oberland ist nur so gut, wie sich seine Kultur weiterentwickeln kann», ergänzte Fridelance.
An der Gesprächsrunde nahmen VertreterInnen von Gemeinden und vor allem von unterschiedlichen Kulturinstitutionen teil – beispielsweise Rolf Maurer, Vorstand der Bachwochen Thun, oder Adrian Erni, Präsident des Vereins Belle Époque Kandersteg. Auffallend gut vertreten waren diesmal die Museen.
Andreas Zenger, Vizepräsident des Seilbahnmuseums Schweiz und an diesem Abend Gastgeber, erläuterte kurz die Situation seines Museums. «Auch wir sind auf regelmässige Einnahmen angewiesen. Heute stellen wir fest, dass wir mit unserem Angebot Jugendliche sowie jüngere Erwachsene zu wenig ansprechen.» BesucherInnen erwarteten zunehmend Interaktion, beispielsweise Hintergrundgeschichten zu den Exponaten. Ansonsten finde die jüngere Generation den Bezug zur Seilbahngeschichte nicht, sie habe diese nicht selbst miterlebt. «Welche neuen Wege ergeben für notwendige Anpassungen Sinn, wo hilft die Digitalisierung – und wie finanzieren wir das?», fragte Zenger.
Auf der Suche
Damit nahm die Diskussion Fahrt auf, und rasch wurde anhand der Voten klar, dass alle Kulturinstitutionen mit ähnlichen Fragestellungen konfrontiert sind. Die Finanzen sind immer eine Herausforderung, auch weil die Kulturförderung vom Kanton gekürzt worden ist. Mehrfach hörte man als Lösungsansatz das Crowdfunding, Kulturprojekte können damit über verschiedene kleinere Geldgeber finanziert und realisiert werden.
In diesem Zusammenhang ergänzte Faustus Furrer, Präsident des Vereins Freilichtspiele Tellenburg: «Wichtiger als kleine Geldgeber sind mir E-Mail-Adressen. Versendet regelmässige Newsletter an euren interessierten Personenkreis, das ist Marketing und Multiplikator pur und ist für wenig Geld zu haben.»
Ein weiterer Ansatz war die Idee, dass Kunst vermehrt zu den Leuten gehen solle. Als Beispiel diente das Konzert auf dem Bauernhof. Solche Anlässe würden Aufmerksamkeit wecken, aus dem gewohnten Rahmen fallen und seien vor allem zeitlich begrenzt. Kürzere Engagements würden insbesondere die junge Generation ansprechen.
Die Personalressourcen sind auch immer Thema. Adrian König, Vereinspräsident des Museums für Uhren und mechanische Musikinstrumente Oberhofen, umriss das so: «Jüngere Mitarbeitende sind bei uns Leute über 60 Jahre.» Freiwillige sowie Fachkräfte für die Wartung der Exponate zu finden, sei zunehmend schwierig.
Rundgang mit Praxisbezug
Beatrice Fridelance führte pünktlich um 19 Uhr die Diskussion zum Abschluss. Spannend sei für sie, immer wieder erleben zu dürfen, in welche Richtung sich die Themen am «Stammtisch» entwickeln würden, und wie spontan die Vernetzung funktioniere. «Dies wird stark davon geprägt, aus welcher Kulturecke die TeilnehmerInnen stammen», präzisierte sie. Abschliessend führte das Team Seilbahnmuseum Kandersteg mit Witz und Charme durch seine Ausstellung. Dabei wurde gleich weiterdiskutiert und die eine oder andere kreative Umsetzungsidee geboren.




