Der Fachkräftemangel – das Top-Thema des Jahres 2023 – spielt im fünften Berner KMU-Barometer immer noch eine wichtige Rolle. Dieses Jahr ist es aber vor allen die Bürokratie, die den Firmen zu schaffen macht.
Gemäss dem neuen Stimmungsbarometer des Gewerbeverbands Berner KMU sind es insbesondere die wachsende Formularflut und die zeitaufwendigen Bewilligungsverfahren, welche die Unternehmen am meisten Zeit und Nerven kosten. Zwei Drittel der befragten Firmen geben an, aktuell sehr stark von der wachsenden Bürokratie betroffen zu sein.
«Wünschen uns eine Vereinfachung»
Verschiedene Inhaber äussern sich persönlich zum Thema – darunter auch Christian Wyssen, CEO von Wyssen Avalanche Control (Reichenbach): «Die Bürokratie nimmt in unserem Betrieb immer mehr Zeit in Anspruch. Dies ist eine Belastung, welche die Ressourcen von produktiven Aufgaben abzieht. Zudem hemmt sie die Ausbildung, da durch den zusätzlichen Verwaltungsaufwand weniger Zeit bleibt, sich intensiv um die Lehrlinge zu kümmern. Dies erschwert es auch, neue Fachkräfte zu gewinnen und auszubilden. Wir wünschen uns eine Vereinfachung der Prozesse – etwa durch digitalisierte und zentralisierte Verwaltungsplattformen, welche die Abläufe beschleunigen und den administrativen Aufwand reduzieren.»
«Die Bürokratie nimmt zu», klagt auch Patrick Balmer von der Carrosserie Spiez AG. «Wir müssen regelmässig Statistiken, Belege oder Abrechnungen liefern. Trotz leistungsfähiger IT-Systeme müssen wir viel Zeit für Dinge aufwenden, die unserem Unternehmen keinerlei Mehrwert bringen. Wenn ich meine Zeit mit dem Ausfüllen von Formularen verbringe, anstatt mich um meine Jugendlichen zu kümmern, führt dies auch zu einem Defizit in der Ausbildung.» Besonders bei Statistiken für Daten über Ökologie, Lohngleichheit oder Arbeitssicherheit müssten Lösungen gefunden werden, um die Unternehmen zu entlasten, so Balmer.
KI und Betriebsnachfolge
Die Digitalisierung – insbesondere der Umgang mit der Künstlichen Intelligenz – gewinnt im aktuellen Barometer ebenfalls weiter an Bedeutung und ist damit neu auf dem dritten Platz der Themen gelandet. «Mit mehr Digitalisierung und mit stark gesteigerten Investitionen in die ‹Informatik inhouse› beweisen die Berner Unternehmen einmal mehr ihre Resilienz», kommentiert der Gewerbeverband Berner KMU. Daneben beschäftigt die Berner Unternehmen auch zunehmend die aktuelle Auftragslage.
Ein KMU-Dauerbrenner ist und bleibt die Nachfolgeregelung. Immerhin: 2024 sind wieder deutlich mehr Betriebe zuversichtlich, eine geeignete Nachfolgelösung zu finden: Knapp sechs von zehn KMU (57 Prozent) sind (sehr) zuversichtlich, während nur knapp drei von zehn (überhaupt) nicht zuversichtlich sind.
An der Umfrage zwischen dem 22. August und dem 10. September 2024 haben 734 Betriebe teilgenommen. Unter der Projektleitung der Choffat&Co. GmbH und neu unterstützt durch die Valiant Bank AG war den Mitgliedern des Gewerbeverbands Berner KMU, des Berner Arbeitgeberverbands und des Handelsund Industrievereins des Kantons Bern ein Online-Fragebogen der gfs-zürich zugestellt worden.
REDAKTION / PRESSEDIENST BERNER KMU
Mehr Infos: kmu-barometer.gfs-zh.ch




