StartArchiv«Der ganze Abend ein einziger Höhepunkt»

«Der ganze Abend ein einziger Höhepunkt»

60 herausgeputzte Kühe von 46 Züchterfamilien aus dem ganzen Tal, 6 stolze Miss-Besitzer, weit über 1000 BesucherInnen, ungezählte Portionen Pommes frites und Schweinesteaks sowie Feierlaune und Barbetrieb bis in die Morgenstunden – so lässt sich die zehnte Frutigtaler Eliteschau zusammenfassen. Stattgefunden hat sie am Samstag in der Kanderarena.

KATHARINA WITTWER
Bereits ab 18 Uhr strömten am Samstag BesucherInnen in die Kanderarena, viele Bauernfamilien hatten die Stallzeit extra vorverlegt und zu Hause aufs Abendessen verzichtet, damit sie sich auf der Tribüne einen Platz sichern oder sich vor Beginn der Vorführung in der Festwirtschaft verpflegen konnten. Gleichzeitig fuhren Landwirte mit ihren Viehanhängern vor, banden ihre herausgeputzten Kühe an die Kette der jeweiligen Kategorie, griffen zu Bürste, Spraydose oder Reinigungstuch und wechselten ihr Stallgewand gegen den Kühermutz.

Richter – eine ehrenvolle Aufgabe
Im ersten Teil des Abends führten die Züchter 60 an den Herbstschauen höchstprämierte Kühe jeder Alterskategorie und Rasse – Simmental (SI), Swiss Fleckvieh (SF) und Red Holstein / Holstein (RH / HO) – in den Ring. Viehschauexperte Toni Perren amtete als Richter. Gewöhnlich nimmt der Richter einen jungen, fachkundigen Helfer, genannt «Ringman», mit. Diesmal assistierte ihm eine junge Frau. Niemand wusste so recht, ob die Zweisimmerin Sabrina Brönnimann nun «Ringgirl», «Ringlady» oder «Ringwoman» genannt werden sollte. Für die beiden bedeutete die Aufgabe eine grosse Ehre: «Ich wurde vom OK angefragt und sagte sofort zu. Eine solche Chance erhält man höchstens einmal im Leben», meinte der Simmentaler Reinzüchter aus St. Stephan.

Die Melkanlage wurde für Kühe, die ihren Auftritt hinter sich hatten und sich nicht für den grossen Final qualifiziert hatten, rege genutzt. Da sie an diesem grossen Tag zu ungewohnter Zeit gemolken worden waren, drückte die Milch im einen oder anderen Euter. Der für die Melkanlage zuständige Beat Lörtscher erklärte, er werde am Sonntag mit dem Milchtank ins Burgholz fahren, um Laborproben entnehmen zu lassen. Falle das Resultat negativ aus – was in diesem Fall positiv wäre –, bringe er den Inhalt zurück nach Frutigen in die Annahmestelle.

Sechs vierbeinige Missen
Gespannt warteten die weit über tausend ZuschauerInnen auf den Höhepunkt des Abends – auf das Küren der Missen. «Bei so vielen schönen und topgezüchteten Tieren ist der ganze Abend ein einziger Höhepunkt!», verkündete Perren. Als die Finalistinnen rassenweise erneut in den Ring geführt wurden, stieg die Stimmung. Der Richter forderte das Publikum zum Klatschen auf, das Licht wurde gedämpft, und aus den Lautsprechern ertönten mystisch anmutende Melodien. Zur «Miss RH / HO» erkor er Amy-Chiara von Bernhard Gertsch aus Frutigen. Der Titel «Miss Schöneuter» ging an Lavinja von Toni Reichen aus Adelboden. Bei der Rasse Swiss Fleckvieh standen mehr als doppelt so viele Tiere zur Auswahl. Das Rennen als «Miss» machte Hirz von Hansueli von Känel aus Frutigen, und «Miss Schöneuter» wurde Bella aus der Zucht des Aeschiners Christian Berger. Volata von Peter Brügger aus Frutigen erhielt den Titel «Miss Simmental» und Rosalie von Ueli Schärz aus Aeschi wurde «Miss Schöneuter» in ebendieser Rasse.

Toni Perren begründete jede Wahl in viehzüchterischem Fachjargon und sparte nicht an Superlativen. Die Ehrendamen Katja und Julia Brügger überreichten den Besitzern eine Plakette und legten den Missen ein Band um dem Leib. Ein Landwirt aus Österreich war mit drei Kollegen angereist und zeigte sich beeindruckt von der hohen Zuchtqualität. Er habe im Berner Oberland schon mehrmals Zuchtstiere gekauft, um das Blut seiner Herde aufzufrischen, liess er verlauten.

Insgesamt eine Woche Auf- und Abbauen
Hinter der gut organisierten Show steckt freilich viel Arbeit. «Wer eine oder gar mehrere Kühe aufführen darf, muss beim Vorbereiten der Kanderarena Hand anlegen. Das funktioniert sehr gut», erklärte Peter Brügger. «Wir fangen dienstags vor dem Anlass mit dem Abmontieren der ständigen Einrichtung an», informierte der für Bau und Infrastruktur Zuständige. Tags darauf wird die Tribüne geliefert und aufgebaut. Während vieler freiwilliger Einsatzstunden wird die Halle in Ställe, Restaurationsbereich, Melkecke und Vorführraum unterteilt und mit allem Notwendigen bestückt. Für die Licht- und Tontechnik sowie fürs Führen des Restaurationsbetriebes werden einheimischen Firmen verpflichtet. «Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team. Am Freitag müssen wir uns meistens nur noch mit ‹Finessen› beschäftigen – zum Beispiel die Bar einrichten, Festtischgarnituren aufstellen, Werbeplakate aufhängen, in den Ställen die Kategorientafeln befestigen und natürlich den von unseren Frauen hergestellten Blumenschmuck anbringen.»

Irgendwann richtet Beat Lörtscher die Melkanlage ein. Abgeräumt und geputzt wird am Montag. Bereits am folgenden Dienstagnachmittag steht die Arena wieder für die nächste Schlachtviehannahme bereit.

https://www.frutiglaender.ch/2024111/frutigtaler-eliteschau-2024?gallery=1

Dem kritischen Blick des Viehschauexperten Toni Perren entgeht nichts.
Dem kritischen Blick des Viehschauexperten Toni Perren entgeht nichts.
«Miss Swiss Fleckvieh» wurde Hirz (r.) und die «Miss Schöneuter» in derselben Kategorie heisst Bella (l.).
«Miss Swiss Fleckvieh» wurde Hirz (r.) und die «Miss Schöneuter» in derselben Kategorie heisst Bella (l.).
Die Ehrendamen legten den Missen ein Band um.
Die Ehrendamen legten den Missen ein Band um.

Zuletzt erschienen

Ähnliche Artikel

Mehr von diesem Autor