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Autobahnausbau – wieso nicht!

Eine frisch von der Leber geschriebene Wahlanalyse. Oder: Was die «Frutigländer»-Redaktion sich nicht, ich mir als Kolumnist aber schon erlauben darf.
Die «Plattform J» behauptete in ihrer ersten Analyse: «Das Oberland: ein grosser Flickenteppich mit teils stockbürgerlichen Gemeinden, die mehrheitlich Nein sagten zum Autobahnausbau.» Tatsächlich aber haben die drei Oberländer Verwaltungskreise mit insgesamt 50,5 Prozent knapp Ja zum Ausbau der Autobahnen gesagt – gegen den schweizweiten Trend.
Die Schweiz, aber auch der Kanton Bern, geben kein einheitliches Bild ab. Zu einfach ist der Ansatz: Wer profitiert, stimmt Ja; wer nicht betroffen ist, eher Nein. Denn das westliche Berner Oberland sagt klar Ja zum Ausbau, das östliche nicht. Erstaunlicherweise hat Bundesrat Albert Rösti selbst Verständnis für eine ablehnende Haltung von ländlichen Regionen gezeigt, die «direkt weniger auf den Ausbau der Autobahnen angewiesen sind».
Weitere Erklärungsansätze lassen mich mit Fragen zurück.
Bauern zweifelten am Sinn, noch mehr guten Ackerboden dem Beton zu opfern, wurde öfter festgestellt. Zumindest deuteten Umfragen und Reaktionen auf diese Haltung im Kanton Bern hin. Wieso zog dieses Argument für das stark landwirtschaftlich geprägte Oberland nicht? Zuwanderung führt zu mehr Verkehr, wiederholt eine Partei mantraartig. Teure Autobahnen für die wachsende (ausländische) Bevölkerung zu unterstützen, sei eng gefasst eine Kapitulation gegenüber der Zuwanderung. Gab’s deshalb auch in vielen bürgerlichen Agglo-Gemeinden ein Nein zum weiteren Ausbau der Schweiz – nicht aber bei uns, die wir eher aus- als zuwandern?
Klimabeschützer gibt es im Oberland, gestützt auf mehrere vergangene Umwelt-Abstimmungen, nach wie vor nicht viele, trotz Steinschlag und Überschwemmungen. Ist das Ja zu Autobahnen gar eine Trotzreaktion getreu dem Motto: Wenn schon Klimawandel, dann richtig? Gehen weniger Frauen im westlichen Oberland mit eigener Meinung an die Urne? Das wäre eine weitere Schnellschuss-Interpretation, denn dass Frauen mehrheitlich gegen den Autobahnausbau sind, wurde bei den Umfragen schweizweit deutlich.
Autobahnausbau kostet alle – ob über Benzinabgaben oder Steuergelder. Ein Volk des eigenen Geldbeutels? Ja, das zeigt sich immer wieder an der Urne. Zeitweise besonders ausgeprägt im Oberland. Und das, meinte Albert Rösti weiter, habe einige wachstumskritische Stimmbürgerinnen und -bürger von einem Ja zum Nationalstrassenausbau abgehalten. Erstaunlich also wiederum, dass ein guter Teil der Oberländer für Autobahnen spendierfreudiger zu sein scheint und dabei keine Konkurrenz zu den landwirtschaftlichen Subventionen befürchtet.
Es gibt den «Bergler-Effekt», der vom Bünderland über das Wallis bis zu uns immer wieder spürbar wird. Dieses Mal scherten wir aus der Reihe der Konservativen aus. Das Bündnerland und das Wallis waren klar gegen neue Autobahnen. Im Wallis dürfte es allerdings aufgrund der 50-jährigen A9-Ausbaugeschichte zu lokalen Abweichlern gekommen sein.
Könnte es gar sein, dass einzelne Köpfe im Berner Oberland ausschlaggebend waren? Die Flut an Pro-Autobahnausbau-Inseraten mit mehrheitlich SVP-Absendern war in den letzten Wochen eindrücklich. Und auch der Grossteil der Beilagen warb für das Projekt. Auf den ersten Blick vermutete ich eine Art Personenwahl. Doch eine klare Unterstützung lieferten nur die Simmentaler und Saanenländer für Albert Rösti, der sich an vorderster Front landauf, landab für den Ausbau eingesetzt hatte – nicht aber das Kandertal. Weht in diesem klaren Ja im Simmental zuletzt eventuell noch ein Hauch Hoffnung, dass eine Autobahn im Tal und unter dem Rawil einst zur Abstimmung kommen könnte? Ich weiss es nicht.

SAMUEL B. MOSER

NACHHALTIG@BLUEWIN.CH

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