Die Gemeindeversammlung vom letzten Freitag dauerte erheblich länger als üblich. Verantwortlich dafür waren die beantragte Steuererhöhung und die gemeinsame Bauverwaltung mit Aeschi – beides wurde lebhaft diskutiert.
KATHARINA WITTWER
Im Budget 2025 stehen im Allgemeinen Haushalt 5 427 740 Franken Aufwand einem Ertrag von 5 264 170 Franken gegenüber. Das Defizit in der Höhe von 163 570 Franken gab an der Gemeindeversammlung vom letzten Freitag kaum Anlass zu Diskussionen. Die Budgetzahlen wurden bereits mit der noch zu beschliessenden Steuererhöhung um 0,05 Einheiten berechnet.
Am Ende hiess es dann deutlich «Ja»
In der Periode des Finanzplans 2024 bis 2029 stehen Investitionen von rund 6 Millionen Franken an. Ein grosser Teil davon ist für die Heizungssanierung sowie die Vorstudie und die spätere Gesamtsanierung des Mehrzweckgebäudes eingestellt. Weitere grosse Brocken betreffen die Kredite für die Softwareablösung der Verwaltung, für die Ortsplanung 2023+ und für Infrastrukturprojekte im Bereich Wasser und Abwasser. Damit die Neuverschuldung «bloss» auf 3 Millionen Franken steigt, sieht sich der Gemeinderat gezwungen, ein voraussichtlich mit 1,5 Prozent zu verzinsendes Darlehen aufzunehmen.
«Wird die Steuererhöhung von 1,7 auf 1,75 Einheiten gutgeheissen, können wir mit den rund 75 000 Franken an jährlichen Mehreinnahmen gerade mal die Zinsen begleichen», erläuterte Ressortvorsteher Daniel Kummer. Doch der Antrag der Gemeinde erntete Kritik: In der heutigen Zeit, in der viele jeden Franken zweimal umdrehen müssten, sei der Zeitpunkt für eine Steuererhöhung unangebracht, hiess es etwa. Besser, als die Einnahmen zu erhöhen, wäre es, die Ausgaben im Griff zu haben.
«Hätte der Gemeinderat mit der Firma Vigier nicht lukrativere Verträge aushandeln können?» «Wäre die neue Heizung für die Gemeindegebäude nicht kostengünstiger zu haben gewesen?» Solche Fragen stellte die Gemeindeversammlung zudem im Anschluss. Auch wurde bemängelt, dass das präsentierte Budget 2025 nur mit dem erhöhten Steuersatz vorgelegt worden war. Gemeindepräsident Stephan Luginbühl gab den Votanten teilweise recht, erläuterte jedoch die Hintergründe. So flössen für den Gipsabbau «handelsübliche» Einnahmen in die Gemeindekasse. Alle Liegenschaftsbesitzer wüssten zudem, dass es irgendwann ein böses Erwachen gebe, wenn viele Jahre nichts in Gebäude investiert werde. Die Hoffnung auf einen Beitrag vonseiten der Patenschaft für Berggemeinden und auf ein zinsloses Darlehen aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes für die neue Heizung mochte vielleicht einige GegnerInnen beruhigt haben.
Am Ende votierten bloss 18 der insgesamt 75 Anwesenden gegen die Erhöhung der Gemeindesteuern. Die Liegenschaftssteuern verbleiben bei 1,5 ‰ (fünf Gegenstimmen). Das Budget 2025 wurde schliesslich mit drei Gegenstimmen angenommen.
Bauverwaltung wird nach Aeschi verlegt
Fast gleich lang wie die Budgetdebatte dauerte die Diskussion zum Traktandum 2. Man ist sich einig, dass die in den vergangenen Jahren notgedrungene Lösung, die Bauverwaltung im Mandatsverhältnis zu vergeben, zu kostspielig ist. Eine Zusammenarbeit mit Aeschi als Sitzgemeinde ab dem 1.1.2026 stand ebenfalls ausser Diskussion. Was jedoch von verschiedenen Seiten bemängelt wurde, ist die vorgesehene Zusammenlegung der Bau- und Planungskommission sowie der Tiefbau- und Umweltkommission. Jede Kommission soll aus je zwei Mitgliedern jeder Gemeinde plus den Gemeinderäten des Ressorts zusammengesetzt sein. «Was interessiert es einen Krattiger, ob Aeschi im Suld ein Bächlein verbauen will?», wurde etwa gefragt. Zudem wurde kritisiert, dass es blosse Zeitverschwendung sei, «wenn an einer Kommissionssitzung drei Projekte von Krattigen und doppelt so viele von Aeschi traktandiert sind». Man habe unterschiedliche Baureglemente. Aeschi solle und dürfe Krattigen nicht reinreden, lautete zudem ein Votum.
Die zahlreichen Einwände gegen diesen Passus im teilrevidierten Organisationsreglement ähnelten sich. Schliesslich stellte ein ehemaliges, langjähriges Baukommissionsmitglied den Gegenantrag, jede Gemeinde solle ihre eigene Baukommission behalten. Der Gegenantrag wurde mit 27 Ja-Stimmen abgelehnt. Den Antrag der Gemeinde hiessen 35 Personen gut. Ohne Gegenstimme wurde der Änderung des Organisationsreglements und damit der Aufgabenübertragung an Aeschi am Ende zugestimmt. Der Weg zur Annahme war in Krattigen daher deutlich steiniger als in Aeschi (siehe Artikel auf der Seite 2).
Kurze Wahlen und Verabschiedungen
Schon länger ist bekannt, dass Daniel Kummer Nachfolger von Stephan Luginbühl als Gemeinde- und Gemeinderatspräsident wird. In ihrem Amt für eine weitere Legislatur bestätigt wurde Silvia Luginbühl. Neu Einsitz im Gemeinderat nehmen Angela Baumann, Alfred Brügger und Dominik Luginbühl. Alle wurden mit grossem Applaus in ihr (neues) Amt aufgenommen oder bestätigt. Zu den Bisherigen Adrian Burn und Daniel Riesen wurde neu Mario Burkhalter in die Rechnungsprüfungskommission gewählt. Niklaus Frei, Sibylle Hiltbrand, Stefanie Rubin und Nathalie Studer wurden in die Schulkommission wiedergewählt und Monika Grüter Reichen und Gabriela Voramwald Zurbrügg verbleiben weiterhin in der Oberstufenkommission Aeschi-Krattigen.
Nach insgesamt zwölf Jahren aktiver Gemeindepolitik – davon fünf als Präsident – wurde Stephan Luginbühl verabschiedet. Per Ende Jahr geben auch Lukas Bühler und Martina Gfeller ihre Mandate ab. Alle wurden mit grossem Applaus und einem Geschenk verabschiedet. «Im Vergleich zu anderswo herrscht bei uns noch heile Welt. Nie wurde ich persönlich angegangen. Ich durfte zu jeder Tages- und Nachtzeit alleine durchs Dorf gehen. Das schätze ich sehr und dafür bin ich dankbar!» Mit diesen Worten schloss Stephan Luginbühl seine zum letzten Mal geführte Gemeindeversammlung.
Traditionell werden an der Herbstversammlung erfolgreiche KrattigerInnen geehrt. Einmal mehr kam Jungschütze Simon Morgenegg zu Ehren, diesmal für den 2. Rang am kantonalen Jungschützenfinal. Die abwesende Maëlle Amherd schloss ihre Lehre als Kaminfegerin als schweizweit Beste ab – mit der Gesamtnote 5,5.



