KI – dieses Kürzel hat mittlerweile wohl jede/r schon einmal gehört. Was kann Künstliche Intelligenz leisten? Welche Begleiterscheinungen bringt sie mit sich? Wie wird sich dieser Bereich künftig entwickeln? Mehrere Referent Innen werden sich in den kommenden Wochen mit solchen Fragen auseinandersetzen. Die Vortragsreihe beginnt am kommenden Mittwoch.
MARK POLLMEIER
In der Welt der Technik findet Künstliche Intelligenz schon lange Anwendung, oft unbemerkt im Hintergrund. Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit sickert der Begriff aber erst allmählich ein. Dafür verantwortlich ist auch das Aufkommen sogenannter Chatbots: Nachdem im November 2022 eine verbesserte Version von ChatGPT kostenlos zu haben war, registrierten sich innert fünf Tagen eine Million Nutzer weltweit.
Für Schülerinnen und Studenten gehören ChatGPT und Co. seitdem zum Alltag – sehr zum Leidwesen von Bildungsverantwortlichen und Unternehmen. Seit solche KI-Programme passable Ergebnisse abliefern, ist es für Lehrpersonen und Ausbildner schwierig geworden, die Leistung von Lernenden zu beurteilen. Was ist Eigenleistung, was hat der Chatbot zu einer Arbeit oder Bewerbung beigetragen? Und wenn jemand mithilfe von KI passable Ergebnisse abliefert: Ist das verwerflich oder vielmehr schlau und effizient?
Eine virtuelle Person mit Millionen Fans
Auch in den Medien sind mittlerweile KI-Programme im Einsatz. Beliebige Bilder können einfach am Computer generiert werden, Texte lassen sich aus dem Nichts erstellen. In den klassischen Medien gibt es (noch) eine gewisse Hemmschwelle, die neuen Möglichkeiten voll auszuschöpfen – ganz anders in den nahezu unkontrollierten sozialen Medien, wo mittlerweile eine Vielzahl von Bildern und Videos technisch manipuliert sind. Inzwischen gibt es sogar schon Influenzer, die keine realen Personen mehr sind, sondern komplett aus der Retorte stammen. Lil Miquela beispielsweise ist eine komplett digital erzeugte Persönlichkeit. Sie hat auf Instagram 2,7 Millionen AbonnentInnen und gibt sogar Interviews.
Schon diese wenigen Beispiele verdeutlichen: Künstliche Intelligenz hat nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftliche Dimension. Es ist also kein Wunder, dass man sich verstärkt mit den ethischen und juristischen Begleiterscheinungen von KI auseinandersetzt.
Hochkarätige Voträge
In nächster Zeit haben auch Interessierte im Frutigland Gelegenheit, das Thema von verschiedenen Seiten zu betrachten. Gleich zwei Vorträge finden am Mittwoch, 15. Januar, statt.
Für die VHS Frutigland wird Peter Fries neue, revolutionäre und zum Teil zwiespältige Entwicklungen im Bereich der KI präsentieren (nähere Angaben dazu: siehe Kasten rechts). Er wird spannende und hilfreiche Anwendungen für Unternehmen und Private vorstellen und dazu zahlreiche praktische Beispiele liefern. Ausserdem wird er grundlegende Themen aus seinem ersten Vortrag im letzten Jahr vertiefen.
Eine ganze Vortragsreihe bietet die Ökumenische Erwachsenenbildung Frutigland-Spiez an. Wie gewohnt werden hochkarätige ReferentInnen aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen sich mit dem Schlagwort «KI» auseinandersetzen und ihre Erfahrungen einfliessen lassen. Den Anfang macht am Mittwoch, 15. Januar, Prof. Dr. Sarah Dégallier Rochat, Leiterin des Bereichs Humane Digitale Transformation an der Berner Fachhochschule (Infos zum Vortrag und zu den weiteren Anlässen: siehe Kasten rechts). Unter dem Titel «Was ist eigentlich KI? Mythen und Realitäten» wird sie zunächst einen Überblick dazu geben, was Künstliche Intelligenz ist und was sie in der Realität leisten kann.
Die ReferentInnen und ihre Themen
Peter Fries
Künstliche Intelligenz heute – und wie weiter?
Im Januar 2024 hat Peter Fries in Frutigen einen ersten Vortrag zum Thema KI gehalten. Ein Jahr später wird er über die epochalen und sogar dramatischen neuen Entwicklungen sowie über attraktive innovative Anwendungen orientieren und diese diskutieren. Aus Rücksicht auf Erstteilnehmende wird Peter Fries eingangs auf Grundsätzliches zu KI (Entwicklung und Techniken) eingehen.
Mittwoch, 15, Januar, 19.30 Uhr, Aula des Schulhauses Widi, Schulhausstrasse 1, 3714 Frutigen. Eintritt: 20 Franken.
Anmeldung erbeten bis zum 15. Januar, 12 Uhr, an info@vhs-frutigland.ch. Bei weniger als 10 Anmeldungen wird der Vortrag möglicherweise abgesagt. Über die Durchführung wird auf der Startseite von ww.vhs-frutigland.ch informiert.
Sarah Dégallier Rochat
Was ist eigentlich KI? Mythen und Realitäten
Wahrscheinlich sind wir alle schon Künstlicher Intelligenz begegnet, ohne es zu merken. Wo wird also heute schon KI eingesetzt? Was kann KI? Soll sie einfach die Produktivität steigern oder soll sie menschliches Leben bereichern? Wenn es Künstliche Intelligenz gibt, gibt es dann auch so etwas wie «Künstliche Dummheit»? Die Referentin Prof. Dr. Sarah Dégallier Rochat kommt von der Mathematik, Robotik und Psychologie her und hat die Schnittstelle von Mensch und Maschine zum Forschungsschwerpunkt. Sie gibt einen guten Überblick über Mythen rund um KI und darüber, was diese Technologie in der Realität leisten kann.
Mittwoch, 15. Januar 2025, 19.30 Uhr, Gemeindesaal Aeschi. Eintritt frei.
Kerstin Denecke
KI in der Medizin
Was kann KI in der Medizin? Wo wird sie bereits erfolgreich und zum Wohl der Patienten eingesetzt? Was sind die Vorteile? Gibt es Nachteile? Welche Chancen und Ängste sind mit dem medizinischen Einsatz verbunden, welche Auswirkungen haben KI-basierte Eingriffe auf Patienten, Ärzte und Spitäler? Wo und wie wird geforscht? Prof. Dr. Kerstin Denecke, Co-Leiterin Patientcentered Digital Health an der Berner Fachhochschule, gibt Antworten.
Dienstag, 21. Januar 2025, 19.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Reichenbach. Eintritt frei.
Jürgen Vogel
Wie verändert Künstliche Intelligenz die Gesellschaft?
In welchen Bereichen werden KI und maschinelles Lernen bereits jetzt und in naher Zukunft eingesetzt? Wie verändert KI dadurch unsere Ausbildung, unsere Arbeitswelt und unseren Alltag? Welche gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen sind zu erwarten? Werden sich soziale Ungleichheiten verschärfen? Stützt oder gefährdet KI die Demokratie? Welche Regulierungen sind für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI nötig? Prof. Dr. Jürgen Vogel, Dozent für Informatik mit Schwerpunkt Data Engineering und Maschinelles Lernen an der Berner Fachhochschule, beschäftigt sich schwerpunktmässig mit der technischen Umsetzung von maschinellem Lernen und KI, ohne dabei die Auswirkungen auf Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft ausser Acht zu lassen.
Mittwoch, 29. Januar 2025, 19.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Frutigen. Eintritt frei.
Stephan Jütte
Das theologische Menschenbild im Kontext zur Herausforderung der KI
Künstliche Intelligenz kann einerseits neue Möglichkeiten eröffnen, andererseits aber auch Unsicherheiten und Ängste hervorrufen. So oder so stellt sie uns vor grosse Herausforderungen. Doch welches Menschenbild vermittelt die Bibel, und wie können biblische Perspektiven als Orientierung für den ethischen Umgang mit KI dienen?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des letzten Abends der Vortragsreihe, den Dr. theol. Stephan Jütte bestreiten wird. Er ist Leiter der Kommunikation und des Kompetenzzentrums Theologie und Ethik der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz.
Dienstag, 4. Februar 2025, 19.30 Uhr, Kirchgemeindehaus Kandersteg. Eintritt frei.
POL
Ein Überblick über die Vortragsreihe der Ökumenischen Erwachsenenbildung und Infos zu den jeweiligen ReferentInnen findet sich bspw. unter www.ref-frutigen.ch/erwachsenenbildung.



