GESCHICHTE «Man soll die Feste feiern, wie sie fallen», lautet eine Redensart. Für den 14. Februar gilt eher: «Man muss die Feste erfinden, wie man sie braucht.» Und wenn noch jemand daran verdienen kann: umso besser.
MARK POLLMEIER
Heute ist Valentinstag. Warum? Schon diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. In der frühen Kirchengeschichte gab es mehrere Figuren, die den Namen V alentinus trugen. Ob sie tatsächlich existierten oder was ihre Rolle war – all das ist weitgehend ungeklärt bzw. lässt sich historisch nicht belegen. Möglicherweise wurden auch die Biografien mehrerer «Valentins» miteinander vermischt – ein Vorgang, der im Volksglauben gar nicht so selten ist.
Sicher ist: Um 500 n. Chr. führte der damaligen Papst Gelasius den 14. Februar als Gedenktag ein. Wahrscheinlich – aber auch hier ist Vorsicht geboten – war er Valentin von Terni gewidmet, einem Bischof, der im dritten Jahrhundert in Umbrien lebte.
Spekulativ geht es weiter. Jener Valentin von Terni soll in Rom durch eine Krankenheilung für Aufsehen gesorgt haben. Weil er damit für das (damals noch verbotene) Christentum warb, habe er den Zorn der Römer auf sich gezogen, so die Legende. Im Jahr 268 oder 269 soll man ihn deswegen hingerichtet haben, womit Valentin zum Märtyrer wurde.
Wie gesagt: Alle diese Angaben stehen auf wackeligen Füssen. Das merkte irgendwann wohl auch die katholische Kirche: 1969 wurde Valentin aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Seitdem spielte er im liturgischen Leben eigentlich keine Rolle mehr.
Das Volksbrauchtum lässt sich mit einem solchen Schritt natürlich nicht ändern. Die Traditionen, die sich in vielen Ländern rund um den 14. Februar gebildet haben, gibt es also weiterhin. Mancherorts gilt Valentin als «Frühlingsheiliger», so etwa in Slowenien. Verbreiteter ist allerdings die Annahme, dass Valentin irgendetwas mit Verliebten oder Verliebtsein zu tun habe.
«Sei immer mein»
Um es vorwegzunehmen: Auch dieser Bezug liegt weitgehend im Dunkeln. Eine mögliche Erklärung geht auf einen anderen Valentin zurück: Valentin von Rom, der ebenfalls den Märtyrertod starb. Während der Zeit der Christenverfolgung soll er ein Herz für Verliebte gehabt und sie entgegen den Vorschriften getraut haben. Auch werden ihm Heilungswunder zugeschrieben. Gemäss einer Legende heilte er die blinde Tochter seines Gefängnisaufsehers von ihrem Leiden. Kurz vor seiner Hinrichtung habe er ihr zum Abschied einen Brief geschickt, der mit «Dein Valentin» unterschrieben war.
Das würde zumindest den Brauch erklären, Liebesbekenntnisse am 14. Februar quasi anonym zu verschicken. Sprüche wie «Always be mine, Valentine» («Sei für immer mein, Valentin») sind im englischsprachigen Raum bis heute verbreitet.
Der Tag, um den Partner zu wählen
Erstes Zwischenfazit: Es gibt mindestens zwei Valentine. Der eine ist für das Datum des 14. Februar verantwortlich, der andere (vielleicht) für das Thema Liebe. Beides zusammen ergibt dann den Valentinstag.
Vielleicht ist das Ganze aber viel einfacher. Brauchtumsforscher verweisen auf ein paar Verse aus dem Mittelalter. 1382 schrieb der englische Schriftsteller Geoffrey Chaucers ein Gedicht, in dem es heisst: «Es geschah am Valentinstag, als jeder Vogel kam, um seinen Partner zu wählen.» Wahrscheinlich wird in diesen Zeilen erstmals die romantische Liebe mit dem 14. Februar verknüpft – und nicht nur die von Vögeln. Das Datum war auch der Verlobungstag des damaligen englischen Königs Richard II. mit Anne von Böhmen. Der Valentinstag, so konnte man Geoffrey Chaucers interpretieren, war also der Tag, um einen Liebesbund zu schliessen.
Fortan nahm der 14. Februar als Jahrestag der Liebenden immer mehr Gestalt an. Der englische Adel veranstaltete Wettbewerbe, in denen Minnesänger auftraten und romantische Verse vorgetragen wurden. Spätestens im 15. Jahrhundert hatte sich das Genre des Valentinsgedichts etabliert. Auch in Shakepeares «Hamlet» findet sich der «Saint Valentine’s day». Die Heiligen sind in dem «Saint» noch erkennbar, spielten zu jenem Zeitpunkt aber schon keine grosse Rolle mehr.
Von Grusskarten bis «Valentierstag»
Um das Jahr 1800 herum brachten die ersten Druckereien zum Tag der Verliebten vorgefertigte Karten heraus. 50 Jahre später war das Geschäft mit den Grusskarten schon eine Massenproduktion geworden. Die Kommerzialisierung war nun nicht mehr aufzuhalten. Vor allem in England und den USA entstand eine regelrechte Valentinsindustrie, zunächst mit kleinen Schokoladenpräsenten, später mit Blumen, Schmuck, besonderen Angeboten der Gastronomie und vielem mehr. Im englischsprachigen Raum ist der Valentinstag seit Jahrzehnten ein Millardengeschäft; viele andere Länder sind dabei, nachzuziehen. Wie weit man hierzulande schon ist, zeigt die Werbeaktion einer Berner Zoohandlung. Dort wirbt man derzeit mit besonderen Angeboten zum: «Valentierstag».



