Die kantonale Arbeitsmarktkommission und die Arbeitsmarktkontrolle Bern haben ihre Jahresberichte 2024 vorgelegt. Interessant ist das Zahlenmaterial vor allem im Vergleich mit der gesamtschweizerischen Statistik.
MARK POLLMEIER
Im Sommer 2023 hatte die Arbeitslosenquote im Kanton Bern ein historisch tiefes Niveau erreicht. Im Jahr 2024 stieg sie – parallel zur konjunkturellen Abkühlung – leicht an. Im Jahresdurchschnitt stieg sie von 1,4 Prozent (2023) auf 1,8 Prozent (2024). In der Schweiz stieg sie im geichen Zeitraum von 2,0 auf 2,4 Prozent. Trotzdem blieb die Arbeitslosenquote im Kanton Bern wie auch in der Schweiz im Jahresverlauf unter dem Zehnjahres-Durchschnitt.
Stabile Verhältnisse bei den über 50-Jährigen
Betrachtet man die Arbeitslosigkeit im Kanton Bern unter dem Aspekt des Alters, so war sie in den mittleren Jahrgängen am höchsten. Die Jüngsten und die über 50-Jährigen schnitten im Vergleich besser ab. So betrug die Arbeitslosenquote bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15- bis 24-Jährige) im Jahresdurchschnitt 1,8 Prozent (2023: 1,4 Prozent). Bei den 25- bis 29-Jährigen stieg die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote auf 2,0 Prozent (2023: 1,5 Prozent). Zum Vergleich: Bei den über 50-jährigen ArbeitnehmerInnen lag diese Quote mit 1,4 Prozent (2023: 1,2 Prozent) sogar unter dem gesamtkantonalen Jahresdurchschnitt (Total BE: 1,8 Prozent).
Die wirtschaftliche Grosswetterlage
2024 verzeichneten sowohl die Schweizer als auch die Berner Wirtschaft aufgrund der schwachen internationalen Nachfrage ein unterdurchschnittliches Wachstum. Lediglich im zweiten Quartal 2024 zeigte sich dank der Exporte der chemisch-pharmazeutischen Industrie ein robustes Wachstum. In der zweiten Jahreshälfte ging die Dynamik dann deutlich zurück, insbesondere aufgrund des Abschwungs der internationalen Konjunktur und der Aufwertung des Frankens. Während das verhaltene Wachstum durch die Nachfrage im Inland gestützt wurde, gingen die Investitionen und die Wertschöpfung im Industriesektor zurück.
Die Inflationsrate schwächte sich im Verlauf des Jahres – im Gegensatz zu jener im Euro-Raum und in den USA – deutlich ab. Dementsprechend senkte die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins viermal, letztmals im Dezember 2024 auf 0,5 Prozent.
Rekordjahr im Tourismus
Die Berner Warenexporte entwickelten sich 2024 sehr unterschiedlich. Jene der Pharma- und Chemiebranche gewannen zunehmend an Bedeutung. Die konjunktur- und wechselkursanfällige Maschinen- und Metallbranche litt dagegen unter der Rezession der deutschen Industrie. Wie in der Uhrenindustrie waren hier Exportrückgänge zu verzeichnen.
Im Tourismus nahmen die Logiernächte im Kanton Bern gegenüber dem Vorjahr zu (6,37 Millionen Übernachtungen,+ 2,8 Prozent). Im Sommer 2024 übertrafen sie sogar das bisherige Rekordjahr 2023 – eine Entwicklung, die man auch in der Region spürte. Der positive Verlauf der Sommersaison war auf den starken Anstieg der Gästezahlen aus Amerika und Asien zurückzuführen.
Besonders betroffene Branchen
Betrachtet man die Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Branchen, so führte insbesondere die gesunkene Nachfrage in der Uhrenindustrie zu einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Kanton Bern. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote nahm in dieser Branche von 2,8 Prozent im Jahr 2023 auf 4,5 Prozent im Jahr 2024 zu. Auch im Gastgewerbe sowie in der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) war im vergangenen Jahr ein überdurchschnittlicher Anstieg der Arbeitslosenquote zu beobachten.
Vergleich der Verwaltungskreise
2024 nahm die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt in allen zehn Verwaltungskreisen zu. Die höchste Quote im Jahresdurchschnitt verzeichnete mit 3,7 Prozent der Verwaltungskreis Biel / Bienne, die tiefsten die Verwaltungskreise Obersimmental und Interlaken-Oberhasli mit 0,8 Prozent. Dank des starken Anstiegs der Logiernächtezahlen erhöhte sich die Nachfrage nach Arbeitskräften im Gastgewerbe. Deshalb wuchs die Arbeitslosigkeit in den Tourismusregionen des Oberlands nur leicht.
Die stärkste Zunahme der Arbeitslosenquote verzeichneten die Verwaltungskreise Jura bernois und Biel / Bienne, in denen die Nachfrage nach Arbeitskräften insbesondere im zweiten Halbjahr 2024 im Baugewerbe und in der MEM-Industrie sank. Die beiden Verwaltungkreise bilden gewissermassen eine Ausnahme: Im Gegensatz zum übrigen Kanton liegt die Arbeitslosenquote hier über dem Schweizer Durchschnitt.
609 Sanktionen verhängt
Die Arbeitsmarktkontrollen werden im Rahmen der flankierenden Massnahmen zum freien Personenverkehr sowie zur Bekämpfung der Schwarzarbeit durchgeführt. Die Arbeitsmarktkontrolle Bern (AMKBE) nahm im Jahr 2024 insgesamt 3140 Kontrollen zur Einhaltung von Lohn- und Arbeitsbedingungen vor. Der Kanton Bern klärte danach 973 Fälle vermuteter Schwarzarbeit sowie Verstösse gegen das Entsendegesetz ab und verhängte 609 Sanktionen. Als Sanktionen gelten Verwarnungen, Bussen, Dienstleistungsverbote und Strafanzeigen. Diese werden von der Meldestelle und anderen zuständigen Stellen ausgesprochen. Dazu gehören nebst dem Amt für Wirtschaft auch Ausgleichskassen, Steuerbehörden und die Kantonspolizei.
PRESSEDIENST WIRTSCHAFTS-, ENERGIE- UND UMWELTDIREKTION



