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Von Pinguinen und «Pinogglen»

Ein Erzählabend mit André Lüthi und dem Fernsehmoderator und Werber Frank Baumann bot unterhaltsame Reisegeschichten aus aller Welt. Nebenbei erhielten die rund 50 Gäste am Donnerstag im Restaurant Blausee Einblick in eine erstaunliche Karriere.

THOMAS FEUZ
Mit einem Stück Karton mit der Aufschrift «San Francisco» und dem Ersparten aus der Lehrzeit fuhr der junge Ändu Lüthi per Autostopp nach London und flog von dort in die USA. Er schlief unter freiem Himmel oder in Scheunen und verbrachte einen Monat bei den Navajo-Indianern. «Hey Ändu… heute sagt man American Natives!», korrigierte Frank Baumann umgehend.

Unvergesslich blieb Lüthi der Moment, als sich China 1984 für den Westen öffnete. Er wolle per Bahn durch den damaligen Ostblock ins Reich der Mitte reisen, erklärte er einem verdutzten SBB-Beamten. Dieser habe nur ungern eine Verbindung nach Fernost herausgesucht. Und tatsächlich wartete dort die eine oder andere brenzlige Situation auf den Weltreisenden – etwa ein Beinahetod-Erlebnis oder eine Zollkontrolle «mit zwänzg Pinoggle im Schlepptou», die dann alle als «Bodyguards» durch den Seiteneingang geschleust wurden.

Vom Reisenden zum Reiseanbieter
Seine Erfahrungen in aller Welt halfen Lüthi später, das Reiseunternehmen Globetrotter mitaufzubauen. Dessen Angebot sprach bald nicht mehr nur «Langhaarige in Strickpullis und Birkenstock-Sandalen» an: Globetrotter fokussierte sich auch auf Geschäftskunden. Die organisierten Individualreisen – manche von ihnen führten bis zu den Pinguinen in der Antarktis – kamen gut an. 400 Mitarbeitende zählte das Unternehmen zu Spitzenzeiten (heute rund 350). Von 2013 bis 2022 war Lüthi Verwaltungsratspräsident des Globetrotter Travel Service und CEO der Holding Globetrotter Group.

Was Reisen ihren Wert gibt, warum Vorfreude wichtig ist und wieso Fliegen teurer werden sollte – auch solche Themen besprach André Lüthi mit Frank Baumann. Dass Fernweh und Reiselust «in jedem von uns steckt», sei eine gute Sache, gab sich Lüthi am Blausee überzeugt. Allerdings sprach er sich gegen die Schnäppchen-Mentalität und für Reisen mit nachhaltigen Erlebnissen und Begegnungen aus. Nicht alles, was machbar sei, sei auch gut. Als mögliches Mittel gegen den «Overtourism» nannte Lüthi digitale Ticketsysteme. Mit einem solchen Steuerungsinstrument könne man auch die Anliegen von Natur und Einheimischen berücksichtigen.

Mit einer offerierten Erfrischung ging ein interessanter Abend im Blausee-Restaurant zu Ende. Beim einen oder anderen hat der Anlass vielleicht die Lust auf eine Reise abseits der grossen Touristenströme geweckt. Und wer sich lieber literarisch auf Reisen begibt, konnte sich das Buch «Karma» signieren lassen, in dem Gespräche zwischen André Lüthi und Frank Baumann niedergeschrieben sind (der «Frutigländer» berichtete).

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