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Die Frutiger Geburtenabteilung wird geschlossen

Der Schritt hatte sich abgezeichnet, seit gestern ist er Realität: Das fmi-Spital wird mit Ablauf dieses Monats seine Geburtshilfeabteilung verlieren. Am Donnerstagvormittag wurden Kader und Mitarbeitende des fmi-Spitals informiert, anschliessend werdende Eltern, Partnerinstitutionen und Politik.

MARK POLLMEIER
Zuletzt hatte es noch Bestrebungen gegeben, die Massnahme zu verhindern. Verschiedene Grossrätinnen und Grossräte hatten im Kantonsparlament eine Motion zur Rettung der Geburtenabteilung eingereicht. Noch im Februar war mit demselben Ziel eine Stiftung gegründet worden – vergeblich. An seiner Sitzung vom Mittwoch hatte sich der Berner Regierungsrat mit den Plänen der Spitäler fmi AG befasst und für die Schliessung grünes Licht gegeben. Danach ging alles ganz schnell.

«Niemand schliesst gern eine Geburtenabteilung»
Auch wenn die Massnahme nun sehr kurzfristig umgesetzt werde, ein Schnellschuss sei sie nicht, betonten die fmi-Verwaltungsratspräsidentin Karin Ritschard Ugi und Daniela Wiest, die Vorsitzende der Geschäftsleitung, im Gespräch mit dem «Frutigländer». Die fmi AG sei schon seit Frühling 2024 daran, eine Strategie für das künftige Angebot der Spitalgruppe zu erarbeiten. Man habe seitdem viele Gespräche geführt, Abklärungen gemacht, Workshops organisiert. «Niemand schliesst gern eine Geburtenabteilung», so VR-Präsidentin Karin Ritschard Ugi – aber am Ende sei der Schritt unausweichlich geworden.

Das Problem des Fachkräftemangels
Letztlich habe ein ganzes Bündel von Faktoren zu dem Entscheid geführt. Die finanzielle Situation sei dabei nicht einmal der wichtigste, wie fmi-CEO Daniela Wiest ausführte. Es sei zwar so, dass die Spitäler fmi AG in diesem Geschäftsjahr erstmals keine schwarzen Zahlen mehr ausweisen könne. «Aber selbst wenn wir mehr Geld hätten, würde das allein unsere Probleme nicht lösen», so Karin Ritschard Ugi. Die Aufrechterhaltung der Geburtenabteilung sei vor allem auch wegen des Fachkräftemangels schwierig.

Schon im letzten Sommer sei es fast zu Verlegungen von Geburten und Wochenbett-Aufenthalten ans Spital Interlaken gekommen, weil in Frutigen das nötige Personal fehlte. «Es geht ja nicht nur um Ärzte und Hebammen», so Daniela Wiest. Bei einer Geburtenabteilung müsse im Hintergrund ein ganzer Apparat aufrechterhalten werden, um im Fall der Fälle gewappnet zu sein, zum Beispiel ein Operationsteam samt Anästhesie. «Wenn während der Geburt ein Notfall eintritt, geht es um wenige Minuten, dann müssen alle an Ort und Stelle sein», rief Wiest in Erinnerung. Schon wenn gewisse Laborleistungen wie eine Blutgruppenuntersuchung nicht zeitnah erbracht werden könnten, wackle die gesamte Dienstbereitschaft. Fachkundiges Personal zu rekrutieren, sei aber ausgesprochen anspruchsvoll – auch weil die kurzen Reaktionszeiten im Ernstfall ein hohes Mass an Vor-Ort-Präsenz verlangten. Schon jetzt könne der Geburtshilfebetrieb nur aufrechterhalten werden, weil pensionierte Ärzte weiterhin Dienst täten.

Bedarfsgerechte Angebote gefragt
Zu dem Entscheid, die Geburtenabteilung zu streichen, habe aber auch die langfristige Perspektive beigetragen, sprich: die demografische Entwicklung in der Region. «Es geht bei unserer Strategie auch darum, dass wir bedarfsgerechte Leistungen anbieten müssen», erläuterte Verwaltungsratspräsidentin Ritschard Ugi. Der feste Wille sei, beide fmi-Spitäler, also auch jenes in Frutigen, als Akutspitäler zu erhalten, um weiterhin eine gute Gesundheitsversorgung für Bevölkerung und TouristInnen zu gewährleisten. Man würde natürlich gern so viel wie möglich anbieten, so Ritschard Ugi – aber es müsse eben auch funktionieren. Dass es in der Geburtshilfe langfristig funktionieren kann, diesen Glauben hat die Spielleitung zuletzt verloren.

«Alle sind willkommen»
Wie geht es nun weiter? Innerhalb der fmi AG wird es zu einer Konzentration des Geburtshilfeangebots am Standort Interlaken kommen. Die dortige Geburtenabteilung wird also ausgebaut, entsprechende Schritte wurden bereits eingeleitet. Gespräche mit dem Frutiger Personal über eine mögliche Weiterbeschäftigung wurden gestern schon geführt. «Alle in Frutigen angemeldeten Mütter und Beleghebammen sind im Spital Interlaken herzlich willkommen», hiess es in einer Medieninformation der fmi AG, die am Donnerstagmittag versandt wurde.

Was in Frutigen bleibt
In Frutigen werden mit Ablauf des Monats März die Bereiche Geburt und Wochenbett wegfallen. Viele der bisherigen Angebote bleiben am Frutiger Spital aber erhalten, etwa die Informationsanlässe für werdende Eltern, Geburtsvorbereitungskurse, Voruntersuchungen wie ambulante Betreuung durch Beleghebammen («ambulantes Wochenbett») sowie Rückbildungskurse.

Ausbau der Frutiger Notfallstation
Die Hausarztdichte im Frutigland liege aktuell deutlich unter der Empfehlung von einer Vollzeitstelle pro 1000 EinwohnerInnen, informierte die fmi-Spitalleitung. Diese Versorgungssituation werde sich in den nächsten Jahren weiter verschlechtern. Parallel dazu steige die Zahl der Notfall-Konsultationen am Spital. Der fmi-Verwaltungsrat habe deshalb entschieden, die Notfallstation am Spital Frutigen zu stärken und die Zusammenarbeit mit den Hausarztpraxen zu intensivieren. Auch die stationäre Grundversorgung werde weitergeführt und -entwickelt, insbesondere mit dem Fokus auf ein wohnortnahes Angebot für die ältere Bevölkerung.

Erweiterung des psychiatrischen Angebots
Ebenfalls reagieren will die Spitäler fmi AG auf die stark gewachsene Nachfrage nach psychologischer und psychiatrischer Betreuung. In Frutigen soll neu ein stationäres und teilstationäres Angebot aufgebaut werden, das die heute bestehenden ambulanten Therapiemöglichkeiten ergänzt. Der wenig genutzte 1. Stock des Spitalanbaus wird dafür umgestaltet und für die neue Frutiger Psychiatriestation zur Verfügung stehen. Diese soll im Herbst 2025 eröffnet werden und wird sich vor allem auf die Therapie und die Unterstützung älterer Menschen (Gerontopsychiatrie) sowie auf die Krisenbegleitung spezialisieren. Zusätzlich wird angestrebt, ein Mutter-Kind-Angebot aufzubauen, das auf die psychischen Herausforderungen rund um die Geburt fokussiert, zum Beispiel die Behandlung von Wochenbettdepressionen.

Ab Herbst 2025 werden mit dem Ausbau in Frutigen zehn psychiatrische Betten für einen stationären Aufenthalt von Menschen ab 18 Jahren zur Verfügung stehen. Gleichzeitig soll mittelfristig eine Tagesklinik aufgebaut werden.

Die Spitäler fmi AG hat auf ihrer Website weitere Informationen zur Verfügung gestellt, u. a. ein Interview mit Karin Ritschard Ugi und Daniela Wiest: www.spitalfmi.ch/de/aktuell

2 Kommentare

  1. Ein Schlag ins Gesicht für werdende Eltern – und für die ganze Region. Mit erschütternder Kälte wurde gestern offiziell besiegelt, was viele befürchtet hatten: Die Geburtenabteilung in Frutigen wird geschlossen – innerhalb von zwei Wochen! Die Entscheidung wurde hinter verschlossenen Türen gefällt, und die Betroffenen – Eltern, Hebammen, Ärztinnen und Ärzte – mussten es als vollendete Tatsache hinnehmen. „Niemand schliesst gern eine Geburtenabteilung“, sagt die Verwaltungsratspräsidentin. Doch genau das ist passiert – und zwar in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Verantwortlichen betonen, dies sei kein Schnellschuss, sondern eine wohlüberlegte Entscheidung. Aber was nützen monatelange „Strategieprozesse“, wenn am Ende das Wichtigste gestrichen wird? Wenn ausgerechnet die Geburtshilfe, die essenziell für junge Familien und das Leben in einer ländlichen Region ist, geopfert wird? Es wird von Fachkräftemangel gesprochen – aber warum hat man nicht früher gehandelt? Warum wurden nicht bessere Bedingungen geschaffen, um Personal zu halten oder neues zu gewinnen? Warum gibt es für eine solch drastische Massnahme keinen ernsthaften Plan B? Stattdessen wird uns eine angeblich „bedarfsgerechte“ Zukunft verkauft – eine Zukunft, in der schwangere Frauen im Notfall längere Wege in Kauf nehmen müssen und in der die Sicherheit für Mutter und Kind aufs Spiel gesetzt wird. Und während hier eine essenzielle medizinische Versorgung gestrichen wird, wird uns die „Aufwertung“ der Notfallstation und der Ausbau der Psychiatrie als Kompensation präsentiert. Ist das der Deal? Weniger Geburtshilfe, aber mehr Notfälle? Keine Wochenbettstation mehr, aber dafür eine neue Einrichtung für Wochenbettdepressionen? Wie zynisch kann man sein? Diese Entscheidung ist nicht nur eine Ohrfeige für werdende Eltern, sondern für die gesamte Region. Sie zeigt, dass ländliche Gebiete zunehmend abgehängt werden, dass Profit und Kostenoptimierung über die Grundversorgung gestellt werden. Wir dürfen das nicht hinnehmen! Diese Schliessung ist kein unausweichliches Schicksal – sie ist eine politische Entscheidung. Und Entscheidungen können geändert werden, wenn genügend Menschen laut genug dagegen protestieren.

  2. Randregionen Schwächen -Spitalbetrieb wird abgebaut!

    Der Zentralisierung Wahn geht weiter, in unserer Spitallandschaft des Simmental/Saanenland und des Frutigtals. Die Spital STS AG hat noch vor kurzer Zeit angekündigt, dass sie den Spitalbetrieb in Zweisimmen nun nach langem hin und her selber weiterführen wollen. Weil sie in der Medaxo AG eine zu große Konkurrenz gesehen hat. Auch der neue Geschäftsführer hat sich offen zu einem Spital mit Operationsbetrieb und 24/7 Notfallversorgung , hinter das Spital gestellt. Man dachte jetzt, dass unser Spital von den Schliessungs Gelüsten des ehemaligen Geschäftsführers und des Verwaltungsrats endlich befreit sei.Doch nun kommt einige Monate danach der Hammer. Personal Engpässe führen zu der Einstellung des Operations Betriebs in der Nacht und am Wochenende. Diese Patienten müssen ins Spital Thun gehen. Wenn wir die Medaxo AG gehabt hätten , wäre der operative Betrieb sichergestellt und bei Überlastung gingen die Patienten ins Hohmad Thun.. Das ist der Grund warum die Spital STS AG sich für das Spital Zweisimmen ausgesprochen hatte, weil sie angst hatten zu viele patienten ans Hohmad Thun zu verlieren vom Spital Thun.
    Was schon der grundsätzlich falsche ansatz ist in der Gesundheitsdirektion des Kantons Bern,das sie der Ansicht ist, dass die Spitäler rentieren sollten oder noch Gewinn erwirtschaften. Deshalb ist auch die Geburtenabteilung des Spital Frutigen der FMI geschlossen worden. Es geht darum, Geld einzusparen auf dem Rücken der Bevölkerung in den Berner Oberländer Tälern, um die Spitäler Thun und Bern mit den ersparten Kantons Geldern rentabel aufrechtzuerhalten. Ich denke es wäre an der Zeit für einen neuen Gesundheitsminister! Und die STS AG muss anfangen, auf unsere regionalen Volksvertreter zu hören und transparent die Bevölkerung zu informieren.
    Es ist schon Interessant dass wir im heutigen Wohlstand keine Spitäler mit Geburtenabteilungen mehr vermögen und früher in schlechteren Zeiten waren mehr Spitäler und die konnte man wirtschaftlich aufrechterhalten. Etwas stimmt da nicht, wo versiegt wohl das Geld ?? Lorenz Gobeli St.Stephan, Mitglied SVP Schweiz

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