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«Immer mehr Restaurants schliessen»

Schon manch einem Frutiger ist das Schild «A-la-carte-Restaurant geschlossen» beim Restaurant «Zum Leist» aufgefallen. Was hat dazu geführt, was sind die Hintergründe? Der «Frutigländer» suchte das Gespräch mit Inhaber Peter Schmid.

Auf dem Grill brutzelten Steaks und Bratwürste, vor dem Restaurant Leist spielte Livemusik. Im Leist hatte das Team alle Hände voll zu tun. Die vielen Gäste wollten bedient werden.

«Das war einmal. Wir hatten immer wieder neue und zufriedene Gäste. Nur eben über das Jahr verteilt zu wenige. Dazu kommt, dass es immer schwieriger wird, Fachpersonal zu rekrutieren», erklärt Inhaber Peter Schmid gegenüber dem «Frutigländer». Schmid bewirtschaftet neben dem Leist in Frutigen auch die Sattelkammer mit ihren Stallungen im Western-Style, das Hotel Landhaus Adler und das Hotel Alpenhof in Unterbäch im Wallis.

Das Restaurant «Zum Leist» ist der zweitälteste Gastrobetrieb in Frutigen und besteht seit 1830. Ist die Entscheidung zur Schliessung endgültig? «Der Entscheid zur definitiven Schliessung fiel uns schwer», sagt Schmid. Jedoch hätten die wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen bei den Gästen, Entwicklungen wie das schnelle Wachsen des Hotels im Wallis sowie die personelle Situation diesen Schritt leider unumgänglich gemacht.

«Für die frei werdenden Geschäftsräume suchen wir nun geeignete Mieter», erklärt Schmid. «Mit grosser Wehmut schauen wir zurück auf die schönen Begegnungen und die geschätzten Gäste, die unser A-la-carte-Restaurant besuchten», erzählt er.

Wo soll die Reise hingehen?
Wo führt der Weg der Gastrobetriebe in Frutigen wohl hin? «Seit Längerem machte ich mir mit meinem Team darüber Gedanken. Ich bin 66 Jahre alt und wollte eigentlich etwas kürzertreten», erklärt Inhaber Schmid. Seit Corona habe sich das Verpflegungsbedürfnis der Gäste stark verändert. Homeoffice hat für die Gastwirtschaft eine bedeutende Wende gebracht, was sich in den Betrieben vor allem im A-la-carte-Bereich stark auswirkte. Ebenfalls hätten mehrere Firmen eigene Verpflegungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Kantinen für ihre Mitarbeitenden geschaffen.

Mit der Verlagerung des Dorfkerns in Frutigen verringerte sich die bisherige Laufkundschaft im Oberdorf erheblich. Dazu kommt die Schliessung des Tropenhauses, die das Tagesgeschäft zusätzlich schwächte. «Wir suchten und hofften lange, eine Führungsperson für das Restaurant ‹Zum Leist› zu finden.» Doch leider meldete sich niemand. «Da wurde es für uns zunehmend nicht mehr tragbar, neben dem Alpenhof und dem Landhaus Adler mit der Sattelkammer den Betrieb im Leist weiterzuführen», sagt Schmid und fügt hinzu: «Ob als Restaurant oder als Gewerbe, wir sind offen und gesprächsbereit, was die Nutzung der Räumlichkeiten anbelangt.»

Gäste, die noch Gutscheine besitzen, dürfen diese weiterhin im Landhaus oder in der Sattelkammer einlösen. Die Gutscheine sind zusätzlich auch im Hotel Alpenhof in Unterbäch gültig und können dort im Restaurant oder im Hotel eingelöst werden.

Ein grosser Teil des Kernteams arbeitet nun im Wallis. «Das starke Wachstum im Hotel Alpenhof in Unterbäch VS führte dazu, dass diejenigen, die im Landhaus Adler ihre Ausbildung absolvierten, alle ausser meiner ältesten Tochter Andrea voll im Wallis tätig sind und dort ihren Platz jeweils während der Sommer- und Wintersaison gefunden haben», so der Chef. Im Wallis erfreue sich das Hotel Alpenhof grosser Beliebtheit. «Wir sind zuversichtlich, dass der Betrieb dort in den nächsten Jahren weiterhin rentabel geführt werden kann.»

Wichtige Kontakte knüpfen
«Mein eigenes Musikschaffen und meine Sendung ‹Wir leben Musik› im TV Oberwallis geben mir weiterhin die Möglichkeit, wertvolle Kontakte zu knüpfen und mit viel Freude meine Betriebe in Frutigen und im Wallis zu bereichern», freut sich Peter Schmid. Auch künftig werden im «Landhaus Adler» Hotelzimmer mit Frühstücksbuffet angeboten. Ebenfalls können Interessierte Zimmer im Wohnbereich in Langzeitvermietung, Tagungen, Gruppenverpflegung und Bankette buchen sowie das Kultur- und Musikbistro mit regelmässigen Musikanlässen geniessen. Die Räumlichkeiten in der Sattelkammer können zudem für Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstage oder Konfirmationen mit hauseigenem oder externem Catering gemietet werden. Hinzu kommen die geplanten Outdoor-Anlässe wie Open Mics, Musik-, Kulinarik- und Linedance-Events. «Auch lädt eine grosse Aussenbühne zum Tanzen ein», erklärt Schmid.

Schwierigkeiten der Gastrobranche
Dass das Lokal «Zum Leist» kein Einzelfall ist, zeigt sich jedem, der durch das Frutigland fährt. Immer mehr Restaurants schliessen ihre Türen oder reduzieren ihre Öffnungszeiten deutlich. Woran liegt das? Der «Frutigländer» bat René-François Maeder, Hotelier und Gemeinderatspräsident von Kandersteg, um eine Stellungnahme.

«In den letzten Monaten ist im Frutigland ein klarer Trend erkennbar: Immer mehr Restaurants schliessen ihre Türen ganz.» Die Gründe dafür seien vielfältig, würden sich jedoch auf einige zentrale Herausforderungen zurückführen lassen. «Ein Faktor ist der aktuelle Fachkräftemangel in der Gastronomie. Viele Betriebe finden kaum noch qualifiziertes Personal – insbesondere für Abendoder Wochenendschichten», erklärt der Hotelier.

Vergleichsweise tiefe Löhne
Zwar seien die Löhne im Gastgewerbe kontinuierlich angepasst worden, doch im Vergleich seien sie nach wie vor zu tief. «Als Gemeinderatspräsident kenne ich die Löhne in der öffentlichen Verwaltung gut – und zwischen diesen und jenen im Gastgewerbe liegen Welten», berichtet Maeder. «Hinzu kommt der zunehmende wirtschaftliche Druck. Die Betriebskosten – von den Löhnen bis hin zu den Energieausgaben – sind in den letzten Jahren stark gestiegen.» Für kleinere Betriebe in ländlichen Regionen wie dem Frutigland werde es dadurch immer schwieriger, wirtschaftlich zu arbeiten.

«Viele Restaurants stehen zudem vor dem Problem, dass sie ihre Speisen nicht kostendeckend verkaufen können, weil die real kalkulierten Preise von den Konsumentinnen und Konsumenten oft nicht akzeptiert werden.» Das zwinge sie dazu, mit sehr knappen Margen zu wirtschaften.

Verändertes Konsumverhalten
Der traditionelle Sonntagmittag mit der Familie im Restaurant, das Geschäftsessen, das Feierabendbier oder der Stammtisch – all das wird zunehmend seltener. Für die Betriebe bedeutet das eine schwierigere Planbarkeit der Auslastung. Nicht zuletzt erschwert die Saisonalität des Tourismus in der Region eine durchgehende Auslastung. In der Hochsaison floriert das Geschäft, doch in ruhigeren Monaten ist es für viele Restaurants kaum möglich, kostendeckend zu arbeiten.

Das führt dazu, dass einige nur noch zeitweise öffnen – oder ganz schliessen. Diese Entwicklungen zeigen deutlich: Die Gastronomie im Frutigland steht vor grossen Herausforderungen. Wer weiterhin bestehen will, muss flexibel bleiben, neue Konzepte entwickeln – und hoffen, dass sich die Rahmenbedingungen künftig wieder verbessern.

MICHAEL SCHINNERLIUNG

1 Kommentar

  1. Hallo,
    der Bericht im Frutigländer über Schmid Peter ist durchaus gelungen. Es ist interessant, dass du 2 Gastronomen interviewt hast, die ihre Erfahrungen in mehreren Betrieben gesammelt haben und quasi „auf mehreren Hochzeiten tanzen“. Dennoch bleibt die Wahrheit bestehen, dass das Herz oft nur an einem Betrieb hängt – einem Ort, der Leidenschaft und echte Hingabe fordert.
    Wenn man sich an einem Betrieb erfreut, dort mit Motivation arbeitet und sich ins Geschehen einbringt, kann man auch etwas erreichen und verdienen. Es ist diese Identifikation mit der Arbeitsstätte, die nicht nur Erfolg bringt, sondern auch das Gefühl von Zufriedenheit und Erfüllung. Ein Betrieb ist mehr als nur eine Einkommensquelle; es ist ein Raum, der von persönlichem Einsatz und Engagement lebt.
    Vielleicht wäre es spannend, die Perspektiven derjenigen zu beleuchten, deren Fokus auf einem einzigen Betrieb liegt und wie diese Hingabe ihre beruflichen und privaten Erfolge beeinflusst.
    Viele Grüße!

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