Entstanden ist er 1946 zur Abwehr eines monströsen Vorhabens; der Verein, der in den vergangenen 79 Jahren noch manch anderes bewirkt hat, existiert nun nicht mehr.
Die Engstligenfälle verschwinden lassen, um mit dem herabströmenden Wasser Strom zu produzieren: Dieses heute undenkbare Projekt der Bernischen Kraftwerke AG rief in den Vierzigerjahren eine grosse Gegnerschaft auf den Plan und führte unter anderem zur Gründung des Adelbodner Natur- und Heimatschutzvereins.
Immerhin missfiel die Idee auch der Berner Kantonsregierung, die das Gebiet um den Wasserfall 1948 unter Naturschutz stellte; damit war das Kraftwerksvorhaben gestoppt.
In den Sechzigerjahren versuchte es die Licht- und Wasserwerk Adelboden AG nochmals mit einer abgespeckten Variante – diese scheiterte aber schon an der Aktionärsversammlung.
Biodiversität und Baukultur
Doch für Natur- und Heimatschützer gab es auch so noch genug zu tun. Während damals wie heute die übergeordneten Verbände «Schweizer Heimatschutz» und «Pro Natura» – trotz Zusammenarbeit und weitgehender Übereinstimmung – getrennt auftraten, kümmerte sich der Lokalverein zugleich um beide Tätigkeitsfelder.
So organisierte er etwa Aufklärungskampagnen, die Touristen und Einheimische vom Pflücken seltener und geschützter Pflanzen abhalten sollte. Auch lieferte er bei Bauvorhaben natur- und heimatschützerische Gutachten für die Behörden. Bis in die Gegenwart unterhielt der Verein mit finanzieller Unterstützung der Bergbahnen den Blumenweg zwischen Sillerenbühl und Hahnenmoos. (Einige bisherige Vereinsmitglieder werden sich weiterhin um den Blumenweg kümmern.)
Im Bereich des Heimatschutzes machte sich der Verein stark für den Erhalt der ortsüblichen Bauweise, welche er im Jahresbericht 1951 als «heimelig und bodenständig» umschrieb – und erhob gelegentlich Einsprache gegen «krasseste bauliche Geschmacksverirrungen».
Zum bewussten Schutz des Orts- und Landschaftsbilds förderte der Verein finanziell die Bedachung von Landwirtschaftsbauten mit Schindeln.
In der Baukommission der Gemeinde und beim Ökofonds der Licht- und Wasserwerk AG war der Verein bis zum Schluss mit einem Mitglied vertreten.
Nachwuchsmangel
Doch eben: Nun ist Schluss. Roland Teuscher (79), früherer Sekundarlehrer in Adelboden, gibt nach langen 39 Amtsjahren das Vereinspräsidium ab.
Da sich trotz ausgedehnter Suche bis zur kürzlich erfolgten Mitgliederversammlung keine Nachfolge für die Führung des Vereins fand, beschloss die Versammlung seine Auflösung.
Vom Vereinsvermögen von rund 20 000 Franken fliessen 10 000 an den Ökofonds des Licht- und Wasserwerks mit der Auflage, das Geld für den Bau von Schindeldächern einzusetzen. Je 5000 Franken gehen an das Adelbodner Dorfarchiv und das Heimatmuseum.
«Es macht mich wehmütig, denn wir waren ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens», sagt Roland Teuscher zum Ende «seines» Vereins – und wirkt dabei dennoch irgendwie erleichtert.
Schützer im Zielkonflikt
Während seines ganzen Bestehens war der Verein mit einem Dilemma konfrontiert: Wie entschlossen versuchen wir die Anliegen von Natur- und Heimatschutz durchzusetzen? Und wie weit beugen wir uns – zähneknirschend oder aus Einsicht – den Erfordernissen der örtlichen Tourismuswirtschaft? Roland Teuscher zur Frage, wie diese Gratwanderung gelungen ist: «Ich musste lernen, jeweils nicht zu scharf ‹dreinzufahren›. Es galt stets auf Schönes hinzuweisen – und darauf, dass man Bauprojekte auch anders, schonender umsetzen kann. Aber klar: Ausschliesslich nur ‹schön› sein kann ein Tourismusort nicht.»
TONI KOLLER



