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Nationalrat will keine Chip-Pflicht für Katzen

Ist ein Büsi verletzt oder verloren gegangen, dann wird der Halter oder die Halterin kontaktiert. Das geht über einen Chip. Doch dieser ist bei Katzen nicht obligatorisch. Und das soll gemäss Nationalrat auch so bleiben.

ANGELA KRENGER
Schätzungen zufolge leben hierzulande 1,8 Millionen Katzen. Es sind mehr als beispielsweise Hunde. Sie müssen aber nicht in einem Register eingetragen sein.

Eine Motion wollte das ändern. Über zwei Dutzend Ratsmitglieder der Volkskammer hatten die Motion unterschrieben, die eine Chip-Pflicht für Katzen vorsieht. Auch der Bundesrat hatte sie unterstützt. Trotzdem wurde der Vorstoss mit 108 zu 80 Stimmen abgelehnt.

Motionärin Meret Schneider betonte, dass jährlich Tausende herumirrende Katzen in Heimen landen würden, während die Besitzer die Tiere suchten – ohne Erfolg. Damit Katzen nicht einfach ausgesetzt werden, brauche es ebenfalls eine Chip-Pflicht, so die Grünen-Politikerin.

Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider fügte an, dass so statistische Daten gesammelt werden könnten und mehr Kontrolle über streunende Katzen möglich wäre. Beim Chippen könnte auch gleich die Gesundheit des Tiers kontrolliert werden.

Schliesslich liess sich der Nationalrat aber von SVP-Politiker Sylvain Freymond überzeugen. Der Waadtländer ergriff für die Minderheit das Wort und erklärte, dass viele Katzenhalterinnen und -halter ihre Tiere bereits heute freiwillig chippen würden. Eine Pflicht sei unnötig. Zudem seien streunende Katzen herrenlos und es sei unrealistisch, sie zu chippen.

Was für einen Einfluss hat ein Chip auf die Gesundheit der Tiere? Tierarzt Arnold Odermatt hält fest: «Ein Chip schadet dem Tier nicht.» Solche würden bei allen Hunden, bei Pferden und bei Zootieren eingesetzt, so der Tiermediziner der Gemeinschaftspraxis Lindenmatte in Frutigen.

«Ich unterstütze die Forderung, Katzen zu chippen», sagt Odermatt. Für Tierärzte und Tierärztinnen sei der Chip sehr wichtig. «Ist ein Tier verunfallt, können wir so die Besitzer kontaktieren und nachfragen, ob und wie die Katze behandelt werden soll.»

Ohne Chip seien sie in solchen Fällen ziemlich ratlos. Denn gerade bei schweren Verletzungen könnte eine Operation Tausende von Franken kosten. «Ob ein Besitzer das bezahlen möchte oder ob es etwa Vorerkrankungen gibt, wissen wir dann einfach nicht.»

Der Chip stärke auch die Fürsorge. «Durch den Chip weiss eine Person, das ist meine Katze und meine Angaben sind in einer Datenbank hinterlegt. Dadurch steigt das Verantwortungsbewusstsein für das Tier.»

Dennoch, eine Pflicht, Katzen zu chippen, sieht er kritisch. Denn die Personen, deren Katzen ungewollten Nachwuchs hätten, oder jene, die ihre Tiere vernachlässigen würden, würden das wohl trotz Obligatorium tun.

Odermatt gibt ein Beispiel: Letzten Herbst seien zwei acht Wochen alte Büsis bei der Tankstelle in Reichenbach ausgesetzt worden. «Die waren nicht gechippt und wären es wohl auch nicht gewesen, wenn es eine Chip-Pflicht gäbe.»

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