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Regierungrat steht hinter Schliessung

Mit Petition kämpfen 40 000 Unterzeichnende weiter für die Geburtenabteilung.

Der Regierungsrat stellt sich hinter die beschlossene Schliessung der Geburtenabteilung in Frutigen, wobei er sich für die Sicherung des Spitalstandorts Frutigen ausspricht.

BETTINA GUGGER/MICHAEL SCHINNERLING
Am Montag antwortete die Kantonsregierung auf einen parlamentarischen Vorstoss über die Zukunft des Spitals Frutigen der fmi AG. Dieser richtete sich gegen die Schliessung der Geburtenabteilung. Dabei sprach sich die Kantonsregierung deutlich gegen die Erhaltung der Geburtshilfe in Frutigen aus, da diese nicht kostendeckend sei und das Spital Frutigen für dieses Angebot in der jüngsten Vergangenheit nicht genügend Personal habe rekrutieren können.

Eingereicht wurde die Motion am 3. März von Trix Hurni (Frutigen, SP), Kurt Zimmermann (Frutigen, SVP), Anne Speiser-Niess (Zweisimmen, SVP), Jakob Schwarz (Adelboden, EDU), René Müller (Adelboden, EVP), Martin Egger (Frutigen, GLP) und Daniel Studer (Meiringen, SP). Die Unterzeichnenden beauftragten den Regierungsrat

1. in der Zusammenarbeit mit der fmi AG und den betroffenen Gemeinden aufzuzeigen, welche !- nanziellen und strukturellen Massnahmen nötig sind, um den Spitalstandort langfristig zu sichern.
2. das Spital Frutigen in der regionalen Gesundheitsversorgung zu stärken und dessen Bedeutung für die Bevölkerung anzuerkennen.
3. die Geburtshilfe in Frutigen zu erhalten.
Den ersten beiden Punkten stimmt der Regierungsrat zu, will diese aber auch gleich abschreiben; für den dritten beantragt er Ablehnung. Die Behandlung der Motion im Grossen Rat ist für die Sommersession vom 2. bis 12. Juni vorgesehen.

fmi-Strategie wird unterstützt
Die Kantone stellen heute durch die Vergabe von Leistungsaufträgen auf den Spitallisten aufgrund ihrer Versorgungsplanung die Leistungen sicher. Dadurch beeinflussen die Kantone die Spitalstrukturen nur indirekt, beispielsweise über den Entzug von Leistungsaufträgen oder über Beiträge für gemeinschaftliche Leistungen. Seit der KVG-Revision (Bundesgesetz über die Krankenversicherung) 2012 liegt die Strukturplanung bei den Spitalunternehmen und nicht bei den Kantonen. Daher kann auch die fmi AG als Aktiengesellschaft über Angebote und Standorte bestimmen. In diesem Sinne stützt sich der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Strategie der fmi AG. Diese beinhaltet:

• die Verlegung der Geburtenabteilung nach Interlaken per 1. April 2025.
• die Notfallversorgung und Grundversorgung in Frutigen zu stärken.
• eine stationäre und tagesklinische Psychiatrie ab Herbst 2025 aufzubauen.

Der Regierungsrat unterstützt in seiner Antwort die langfristige Sicherung des Spitalstandorts. Er erkennt die Bedeutung von Frutigen, das für die Notfallund Grundversorgung sowie als Ambulanzstandort relevant bleibt. Dabei verweist der Regierungsrat auf die Herausforderungen beispielsweise bei der Personalrekrutierung, welche berücksichtigt worden sei. Auch beziehe das Spitalunternehmen die Gemeinden in die Standortentwicklung mit ein.

Gegen Geburtsabteilung
Der Regierungsrat spricht sich jedoch gegen den Erhalt der Geburtsabteilung in Frutigen aus, da diese eine 24/7-Verfügbarkeit voraussetze und das Spital Frutigen nicht mehr ausreichend Fachpersonal rekrutieren konnte. Um eine Geburtenabteilung rentabel führen zu können, seien 500 bis 1000 Geburten notwendig. In Frutigen sei dies mit 300 Geburten jährlich nicht gegeben. Ausserdem sei mit den Geburtsstationen in Interlaken und Thun, die gemäss seiner Antwort mit dem Auto in 20 bis 30 Minuten zu erreichen sind, das Angebot ausreichend abgedeckt. Ausserdem blieben vor- und nachgeburtliche ambulante Angebote in Frutigen vorhanden, so die Antwort des Regierungsrats.

Petition gegen die Schliessung
Am Mittwoch dieser Woche nun nahm Regierungsrat Pierre Alain Schnegg eine Petition mit 39576 Unterschriften entgegen, die sich gegen die Schliessung ausspricht.

«Am 19. März schockierte die fmi AG mit der Mitteilung, dass die Geburtenabteilung in Frutigen bereits auf den 1. April 2025 geschlossen wird. Ohne Vorwarnung, ohne Gespräch, ohne Übergangsphase», so Nationalrat Thomas Knutti (SVP). Dieser Beschluss, so nüchtern er daherkomme, habe massive Folgen für die Region und für die werdenden Mütter. Hebammen, Pflegepersonal und ÄrztInnen hätten alle in den vergangenen Jahren mit grossem Engagement dafür gesorgt, dass die medizinische Versorgung im ländlichen Raum funktioniere. Die Unterzeichnenden fragen sich: «Wie kann ein solcher Entscheid gefällt werden, ohne dass Alternativen geprüft wurden? Liegt es an mangelndem Wissen über die RegionoOder daran, dass es andere Spitäler ähnlich machen?» Mit der Übergabe der 39576 Unterschriften, hoffen die Unterzeichnenden doch noch auf ein offenes Ohr seitens der Kantonsregierung. «Wir legen ein Konzept vor, wie die Geburtenabteilung zu erhalten ist – konstruktiv und lösungsorientiert. Jetzt erwarten wir, dass unser Anliegen ernst genommen wird», so Knutti im Namen der Arbeitsgruppe. Aus dem Frutigland waren Nadine Wyssen, Ruedi Egli und Marianna Bütschi (SVP) vertreten. Beatrix Hurni, Gemeinderätin Frutigen (SP), war beruflich abwesend.

«Weil uns das Frutigland am Herzen liegt.»
Bei der Übergabe liess die Initiantin Nadine Wyssen wissen: «Wir haben uns als Arbeitsgruppe zusammengeschlossen, weil uns das Frutigland und Berner Oberland am Herzen liegen.» Eine sogenannt wichtige Grundversorgung sei gestrichen worden. Ein Grobkonzept sei bereits mit der Petitionen am 21. Mai überreicht worden. Es seien nicht nur 30 Minuten ab Frutigen bis zum nächsten Spital, sondern 40 Minuten. Vanessa Bieri (Co-Präsidentin SP Frauen Kanton Bern) wertet die Schliessung als Angriff auf die gesundheitliche Selbstbestimmung und Sicherheit von Frauen, auf eine gesicherte Gesundheitsversorgung im ganzen Kanton und auf die Lebensqualität ganzer Regionen. «Geburtshilfe ist kein Luxus. Sie ist kein Marktprodukt. Sie ist Teil der Grundversorgung. Und ein wichtiger Teil für die Zukunft unserer Gesellschaft.» Der Entscheid sei die Folge eines politischen Versagens. Zudem fand Bieri: «Wir übergeben heute gemeinsam mit Nadine Wyssen und der SVP Oberland eine Petition, um zu zeigen, dass das Anliegen über die Parteigrenzen hinaus geht.»

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