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Schlusspunkt

Das Wort ist in aller Munde: Übertourismus. Egal ob Kandersteg, Lauterbrunnen, Iseltwald, Jungfraujoch – das Oberland wird regelmässig von Touristenströmen geflutet. Patrick Scherrer von der kantonalen Tourismusorganisation erklärte gegenüber SRF, Overtourism sehe man überall auf der Welt und er habe damit zu tun, dass es einerseits immer mehr Menschen gebe, andererseits spielten Social Media und Serien eine wichtige Rolle bei der Stilisierung eines Ortes zum Touristen-Hotspot. Und zweifellos dürfte das Fliegen, das erschwinglich wurde, das Reise- und Urlaubsverhalten massgebend geprägt haben.
Die Leidtragenden dieser Entwicklung sind Mensch und Natur: Die Infrastruktur gerät ans Limit, die Natur wird beansprucht – Littering und hohes Verkehrsaufkommen sorgen für Ärger und die Einheimischen fühlen sich in ihrer Ruhe gestört.
Es ist schmerzhaft, wenn sich ein liebgewonnener Ort unter den Touristenströmen zu verändern beginnt. Wenn der ursprüngliche Ort für immer verloren scheint. Ich stelle mir vor, Tausende von Menschen strömten plötzlich täglich in mein Heimatdorf, blockierten den Verkehr, setzten sich in Vorgärten zum Picknick. Ich empfände eine grosse Traurigkeit. Ein Anflug dieser Traurigkeit befiel mich letztes Jahr im Rosenlaui. Ich staunte über den Verkehr und die arabischen Gäste, die aus ihrem Fahrzeug Campingstühle herausholten und ihren Imbiss lautstark genossen. Und ich dachte mir, dass man doch nicht einfach mit dem Auto ins Rosenlaui fährt, um vor dem Gletscher einen Campingstuhl aufzustellen, und dass man bitte schön die Natur ehrfürchtig und still zu geniessen hat. Ich fühlte mich um einen Kraftort beraubt. Meine Kritik ist kleinlich. Was ist denn schon schlimm an einem Campingstuhl? Und sehr wahrscheinlich bin ich als Touristin auch schon unzählige Male negativ aufgefallen, weil ich unwissentlich Dinge getan habe, die Einheimische nicht tun. Es ist diese stille Vereinnahmung eines Ortes durch andere, die uns traurig stimmt. Würden die Gäste tatsächlich schwerwiegende Regeln verletzen, käme unser Gesetz zum Tragen und Ordnungshüter kümmerten sich um dessen Durchsetzung. Aber meist tun die Gäste nichts Verbotenes. Sie tun Dinge nur anders und nehmen in Anspruch, was wir zur Verfügung stellen. Und sie greifen dafür in die Tasche: Der Tourismus ist ein Wirtschaftsfaktor.
Es ist auch unsere eigene Ambilvalenz, die uns beschämt: Einerseits verzichten wir ungern auf die Einnahmen, die uns der Tourismus beschert, und selber nehmen wir die Gastfreundschaft anderer Länder gerne in Anspruch. Andererseits möchten wir das, was uns lieb ist, exklusiv für uns in Anspruch nehmen.
Mit dieser Kolumne verabschiede ich mich von Ihnen, liebe LeserInnen, als Redaktorin vom «Frutigländer». Ich bedanke mich herzlich für die schönen Begegnungen in den letzten drei Monaten und wünsche Ihnen eine schöne Zeit an exklusiven Orten.

BETTINA GUGGER

B.GUGGER@FRUTIGLAENDER.CH

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