Das Landschaftstheater Ballenberg verspricht auch diesen Sommer bewegende Theaterstunden in der einmaligen Umgebung des Freilichtmuseums. Mit «Der Geltstag» fand gestern die Premiere einer weiteren Gotthelf-Inszenierung statt.
Die fünfte Gotthelf-Inszenierung des Landschaftstheaters Ballenberg sorgt für heitere, aber auch für ernste Momente. Die Premiere am 2. Juli bestätigte einmal mehr, warum der Ballenberg Bühne eines der bekanntesten Freilichttheater der deutschsprachigen Schweiz bietet. Die Museumslandschaft mit original historischen Bauernhäusern ist wie geschaffen für ein Gotthelf-Theater. Das rund 30-köpfige regionale Laienensemble unter der Regie von Ueli Blum begeisterte das Premierenpublikum. Auch Tristan Jäggi, Geschäfts- und Produktionsleiter des Landschaftstheaters Ballenberg, zeigte Emotionen: «Wir haben uns lange auf den heutigen Abend vorbereitet und freuen uns riesig, dass es nun endlich losgeht.» Etwas mulmig war ihm allerdings wegen des Wetters: «Es stellt sich immer die Frage, ob uns das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung macht.»
Plötzlich dreht sich der Wind
Jeremias Gotthelfs Geschichte «Der Geltstag oder die Wirtschaft nach der neuen Mode» erzählt von einem lebenslustigen Wirtepaar, dessen grossen Träumen und harten Realitäten. Mit Eisi, seiner lustigen und sorglosen Frau führt Steffen das Wirtshaus «Gnepfi». Das Geschäft floriert und die beiden leben in Saus und Braus. Der Wind dreht sich, als in der Nachbarschaft das Wirtshaus «Kreuz» eröffnet wird. Das angesessene Wirtepaar verschuldet sich und als Steffen plötzlich stirbt, verlieren Eisi und ihre Kinder nicht nur die Existenzgrundlage, sondern auch ihre Würde. Es kommt zum Konkurs und zum Geltstag, der Versteigerung ihres gesamten Vermögens.
Ein bewegender Moment
Im Freilichttheater Ballenberg spielt die Hauptrolle der Eisi die bekannte Schauspielerin Anne Hodler. Sie ist wie der Theaterautor Paul Steinmann, der Gotthelfs sozialkritische Erzählung in ein packendes Freilichtspiel übertragen hat, mit dem Landschaftstheater Ballenberg seit vielen Jahren verbunden. Wie in allen Texten Gotthelfs führt auch dieses Drama mit starken Bildern zurück in eine vergangene Zeit. Wer allerdings genau hinsieht, vermag darin durchaus auch die Gegenwart wieder zu erkennen. Die auftretenden Figuren veranschaulichen die sozialen Schichten der damaligen Zeit. Musikalische Begleitund Zwischenspiele des Akkordeonisten Dejan Škundic sowie gesangliche Untermalung sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Nach der nicht ganz ausverkauften Premiere meinte Tristan Jäggi am Bühnenrand, während er erste Gratulationen entgegennahm: «Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Es ist ein bewegender Moment – es steckt so viel Herzblut drin.»
HANS HEIMANN
Alle Infos zum Ballenberg-Theater: Bis zum 16. August 2025 finden insgesamt 26 Vorstellungen statt, jeweils Mittwoch bis Samstag ab 20 Uhr. Der Spielort beim Bauernhaus aus Therwil BL befindet sich rund 15 Gehminuten vom Eingang West Hofstetten des Freilichtmuseums Ballenberg entfernt und bietet Platz für 700 Personen.
Vorverkauf und Infos: unter 033 952 10 44 sowie im Internet unter www.landschaftstheater-ballenberg.ch



