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ING.EDANKEN – Mehr «weniger» bitte!

ING.EDANKEN

Schreiben ist für mich eine Art Kunstform. Wenn ich mir Gedanken zu einem Thema mache, bringe ich erst einmal alles zu Papier – oder auf den Bildschirm. Ähnlich einem Bildhauer beginne ich danach, durch gezieltes Wegtragen überflüssiger Elemente, immer mehr eine Skulptur zu formen. Es ist erstaunlich, wie viele Teile am Ende gar keinen Mehrwert zum Resultat beitragen und deshalb unterwegs ausradiert werden. Als Perfektionist kommt mir diese Art der Kommunikation sehr entgegen. Ich könnte stundenlang hinter meinem Computer sitzen und an einer Passage feilen, bis sie – meiner Meinung nach – perfekt ausgereift ist. Da meine Zeit jedoch begrenzt ist, möchte ich mich an dieser Stelle bereits entschuldigen, dass die vorliegende Kolumne nicht noch kürzer geraten ist.
Was beim Schreiben einfacher ist, wird mündlich zur deutlich grösseren Herausforderung. Wie oft verlieren wir dabei den eigentlichen Fokus aus den Augen und schweifen weit ab. So endet die harmlose Hecken-Diskussion mit dem Nachbarn ungewollt in einem Austausch persönlicher Beleidigungen. Von solch unüberlegten «Schnellschüssen» bleibt leider auch die schriftliche Welt durch die sozialen Medien nicht mehr verschont. Heutzutage ist es scheinbar «normal», wenn dort ein Präsident seinem Frust über andere Personen freien Lauf lässt. Dennoch würde ich mit gutem Gewissen argumentieren, dass der Weg bis zum Drücken der Enter-Taste deutlich länger ist als derjenige bis zur Zunge. Letzterem fehlt es vor allem an der Delete-Taste.
Wer sich etwas mit der Bibel auskennt, weiss, dass Jesus ein Meister der Kommunikation war. Im Johannesevangelium liest man von einer Frau, die nach dem Gesetz hätte gesteinigt werden müssen. Ihre Ankläger bringen sie vor Jesus, um ihn zu testen. Anstatt sich auf eine Debatte einzulassen, sagt er lediglich zu den Anwesenden: «Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.» Daraufhin verlässt einer nach dem anderen das Geschehen. So simpel – und doch so brillant. Es gibt viele weitere Geschichten, in denen er mit seinen gut durchdachten, kurzen und schlagfertigen Antworten das Gegenüber zur Reflexion gezwungen hat. Kürzlich ist der älteste «Frutigländer»- Mitarbeiter, Fritz Inniger, verstorben. Ich kannte Fritz noch aus meiner Zeit als Teil des Redaktionsteams. Beim Lesen seines Nachrufs habe ich mir gedacht: Wie schön wäre es, wenn man diese Dinge irgendwann einmal über mich schreiben würde. Fritz war unter anderem ein Macher. Dieses Talent ersetzt oftmals Worte – ganz egal, ob schriftlich oder mündlich! An Fritz möchte ich mir ein Beispiel nehmen. Trotz meiner Leidenschaft fürs Schreiben werde ich mich in naher Zukunft dem Machen widmen und die Arbeit als Kolumnist mit dem letzten Schliff an dieser Skulptur vollenden. Danke Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für Ihre Treue und die zahlreichen Rückmeldungen während der letzten Jahre.

BENJAMIN HOCHULI

BENI_HOCHULI@GMX.CH

REDAKTION@FRUTIGLAENDER.CH

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