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Eine Generation im Selfie: Leticia Josi

Diese Selfie-Reihe öffnet ein Fenster ins Leben junger Menschen im Frutigland. Zehn junge Erwachsene erzählen, was sie beschäftigt, freut, stresst oder hoffen lässt. Sie zeigen, wie es ist, heute jung zu sein. Heute erzählt Leticia Josi.

«Ich bin 18 Jahre alt, wohne mit meiner Familie in Adelboden und bin im letzten Jahr am Gymnasium Thun. In meiner Freizeit bin ich in der FMG Adelboden aktiv, helfe bei den Kindergottesdiensten und bei der Jugend. Im Sommer spiele ich gerne Tennis mit meinem Bruder und im Winter bin ich so oft wie möglich mit Freunden auf der Piste. Skifahren ist mein Highlight hier.

Wir sind vor drei Jahren von Deutschland in die Schweiz gezogen. Mein Grossvater ist in Adelboden geboren und aufgewachsen, darum hatten wir schon eine Verbindung hierher. Ich freute mich auf Adelboden, obwohl hier einiges anders ist: der Dialekt, das Schulsystem, die Leute. Aber ich habe mich relativ schnell eingelebt. Ich bin bereits zwei-Mal in meinem Leben umgezogen und habe gemerkt, dass das gar nicht so schlimm ist. Man findet überall neue Freunde und mit den alten kann man ja Kontakt behalten. Die Menschen hier sind mega herzlich und doch distanziert auf ihre eigene Weise. Eine gesunde Distanz wie ich finde.

Die Schule gehe ich entspannt an. Ich versuche mich nicht mit anderen zu vergleichen. Es heisst: «Me versus Me.» Manchmal denke ich, ich könnte früher zu lernen anfangen, um noch bessere Noten zu haben. Aber Schule definiert mich nicht. Ich habe daneben so viele andere Dinge, die mir wichtig sind.

Im Moment beschäftigt mich das aktuelle Weltgeschehen, insbesondere der Israel-Gaza-Konflikt. Wir reden in der Schule viel darüber, in Geschichte hatten wir sogar einen ganzen Block dazu. Durch mein vielseitiges Umfeld bekomme ich Einblick in verschiedene Perspektiven.

Ich finde, miteinander zu diskutieren ist wichtig. Man soll einander zuhören und verschiedene Meinungen anhören, danach aber trotzdem noch in der Lage sein, zusammen Kaffee trinken zu gehen. Wir werden täglich mit so vielen Nachrichten konfrontiert, dass ich mir manchmal eine Grenze an Informationszufuhr setzen muss. Die wichtigsten Informationen bekomme ich meistens über den SRF-Kanal auf Instagram mit. Wenn mich ein Thema dann so richtig interessiert oder sehr aktuell ist, recherchiere ich weiter und lese unterschiedliche Artikel und Meinungen. Hoffnung geben mir Rausgehen in die Natur, Weglegen des Handys, Beten und Reden mit Gott. Manchmal höre ich Worship-Musik – das ist christliche Musik, so in Richtung Rap oder Indie Folk. Das hilft mir, herunterzufahren und mich daran zu erinnern: Gott hat einen Plan und man soll darauf vertrauen, dass es trotzdem gut wird. Ich würde mich als fröhlich beschreiben. Ich versuche, die Dinge positiv zu sehen, auch wenn’s mal stressig ist. Am häufigsten benutze ich das Emoji mit den drei funkelnden Sternen. Man kann es in jeder Nachricht benutzen und es gibt einfach so einen «fancy sparkle».

AUFGEZEICHNET VON SARAH WNUK

Sarah Wnuk
Sarah Wnuk
Bei einem Schnuppertag beim Frutigländer im Jahr 2021, damals noch in der achten Klasse, entfachte sich in Sarah Wnuk das Interesse am journalistischen Schreiben. Seitdem schrieb sie regelmässiger und wurde 2022 zur freien Redakteurin, ein Jahr später schliesslich auch zur Kolumnistin. Mit dem Frutigländer als Sprungbrett in den Journalismus möchte sie auch nach dem Gymnasium der Medienwelt treu bleiben. Möglicherweise sieht man sie in ein paar Jahren als Redaktorin beim Frutigländer, als Auslandskorrespondentin oder auch als medienorientierte Psychologin.

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