Zum Artikel «Neues Gemeindehaus: klarer, heller – und mehr Platz», Ausgabe vom 25. November 2025
Ich hatte das Privileg, 40 Jahre im bisherigen Frutiger Gemeindehaus zu arbeiten. Das Erscheinungsbild mit Blick gegen das «Rüggerhaus» und gegen die Kirche war von bescheidener Schönheit passend in der Umgebung. Wohl war der 75-jährige Bau heute nicht mehr zeitgemäss, zu enge Platzverhältnisse, fehlende Rollstuhlgängigkeit und punkto Isolation nicht mehr verantwortbar. Ein Ausbau war nötig und unaufschiebbar, umsomehr im Dachstock noch Ausbaumöglichkeiten bestanden.
Nun haben die Architekten hier einen «Fremdkörper» hingestellt, der unpassender nicht erscheinen mag! Schade, dass die Fronten so unbedacht wirken und das früher gewohnte Bild endgültig zerstört ist. Dass an den Aussenwänden überhaupt kein Holz angebracht wurde, ist eine offensichtliche Missachtung unseres im Tal durch vorbildliche und zeitgemässe Arbeit sich auszeichnenden Holzgewerbes. Weiss ist bekanntlich die Farbe der Unschuld. Dass sie hier gewählt wurde, ist meines Erachtesn unverständlich. Soll dies etwa bedeuten, dass die Bauherren «unschuldig» sind? Mit gewissen Holzverschalungen wäre möglicherweise noch etwas zu retten – eventuell könnte ein spezieller Farbanstrich eine Alternative bieten, Wir haben im Ort mit der Firma von Thomas Rösch ja einen diesbezüglichen Preisträger mit Auszeichnungen. Jedenfalls bin ich froh, nicht mehr alltäglich diesen Palast zu betreten…
Auch beim Bau der neuen Raiffeisenbank, immerhin unter schöner Holzverwendung, war die Formgestaltung eher unpassend. Als letzten Punkt bedaure ich dann gleichwohl, dass der Bürger erst Mitte März nächsten Jahres die Gelegenheit zur Besichtigung des neuen Palastes erhält. Das Innere würde vielleicht meinen Frust etwas dämpfen.
Als ehemaliger Finanzverwalter überlege ich mir daher, wie die Kosten von Verschönerungsmassnahmen berappt werden könnten: Im 2026 wird eine 13. AHV-Rente ausbezahlt. Bei jedem davon betroffenen Rentenbezüger wird die Steuertaxation 2026 entsprechend höher ausfallen, Davon profitieren Bund, Kanton und die Gemeinden durch höhere Steuereinnahmen – bis heute habe ich noch keinen Hinweis darauf gelesen!
Ferdinand Schneider, ehemaliger Finanzverwalter, Frutigen



