Der Wildeinfluss im Kanton Bern nimmt weiter zu, so das Amt für Wald und Naturgefahren des Kantons Bern. Während das neue Wildeinflussgutachten 2025 den Handlungsbedarf klar bestätigt, fordern die Berner Waldbesitzer eine konsequente Umsetzung der kantonalen Strategie. Zwischen Schutzwald, Jagd und gesellschaftlicher Verantwortung spitzt sich die Lage zu.
Das alle zwei Jahre erstellte Wildeinflussgutachten zeigt eine klare Entwicklung: Der Druck von Wildtieren auf den Wald nimmt weiter zu. Der Anteil der Flächen, auf denen sich der Wald ausreichend verjüngen kann, ist in den letzten Jahren markant gesunken. Während 2015 noch 63 Prozent der Waldflächen als tragbar galten, sind es 2025 nur noch 41 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil kritischer Flächen auf ebenfalls 41 Prozent gestiegen. Untragbare Flächen machen kantonsweit rund 18 Prozent aus Besonders ausgeprägt ist die Situation regional. Im Oberland nehmen die untragbaren Flächen weiter zu, während im Mittelland vor allem die kritischen Gebiete wachsen. In Jura und Voralpen bleibt die Lage gegenüber 2023 weitgehend stabil.
Handlungsbedarf aus Sicht der Waldbesitzer
Für die Berner Waldbesitzer (BWB) bestätigt das Gutachten, was Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer seit Jahren beobachten. Auf über 100 000 Hektaren Waldfläche des Kantons Bern kann sich der Wald nicht oder nur ungenügend verjüngen. Die Kosten für Schutzmassnahmen gegen Wildeinfluss belaufen sich auf jährlich über 1 Mio. Franken und werden grösstenteils von den Waldbesitzenden selbst getragen – zugunsten von Schutz vor Naturgefahren, Holzproduktion, Biodiversität und Erholung für die gesamte Gesellschaft. Der Verband begrüsst, dass mit der kantonalen Strategie Wald-Wild-Lebensraum erstmals eine Grundlage geschaffen wurde, um aktiv gegenzusteuern. Entscheidend sei nun die Umsetzung.
Jagd als Schlüssel zur Zielerreichung
Ein zentrales Instrument der Strategie ist die gezielte Jagdsteuerung. 2025 wurden im Kanton Bern 1323 Rothirsche erlegt, rund ein Viertel mehr als 2023. Damit konnten die jagdplanerischen Ziele grösstenteils erreicht werden. Besonders im Fokus stehen Tiere, welche das Wachstum der Population bestimmen. Der Anteil weiblicher Tiere an der Gesamtstrecke stieg in den letzten zwei Jahren um 11 Prozent auf 63 Prozent.
Aus Sicht des BWB ist jedoch entscheidend, ob diese Massnahmen tatsächlich zu einer Reduktion der Bestände führen. Solange die Population trotz Zielsetzungen weiter wachse, müsse nachjustiert werden. Der Verband kündigt an, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und nötigenfalls erneut politischen Druck auszuüben.
Wald braucht Bewirtschaftung
Neben der Wildregulierung betont die Strategie auch die Bedeutung einer aktiven Waldbewirtschaftung. Entgegen der verbreiteten Annahme, diese sei defizitär, werden im Kanton Bern jährlich rund 1 Mio. Quadratmeter Holz vermarktet. Möglich ist dies durch effiziente Bewirtschaftungsstrukturen und gebündelte Holzvermarktung. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Wald nachwachsen kann. Bleibt die Verjüngung aus, verlieren auch gezielte Fördermittel – etwa für die Schutzwaldpflege – ihre Wirkung, weil junge Bäume dem Wildverbiss zum Opfer fallen.
Balance zwischen Wald und Wild bis 2040
Mit der Strategie Wald-Wild-Lebensraum verfolgt der Kanton Bern das Ziel, bis 2040 ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen Wald und Wildtieren zu erreichen. Dazu werden Massnahmen in Jagd, Waldbewirtschaftung und Wildschadenverhütung aufeinander abgestimmt. Das Wildeinflussgutachten 2025 macht deutlich: Der Weg dorthin ist anspruchsvoll. Für Waldbesitzer steht fest, dass ohne konsequente Umsetzung der Strategie die vielfältigen Leistungen des Waldes langfristig gefährdet sind – mit Folgen weit über den Wald hinaus. PD / JR
Erweiterte Methode trägt dem Klimawandel stärker Rechnung
Die erweiterte Methode für das Wildeinflussgutachten deckt ein breiteres Spektrum von Baumarten ab als bisher. Damit trägt sie den sich durch den Klimawandel verändernden Bedingungen für Bäume und Wälder stärker Rechnung. Ein breites Baumartenspektrum hilft, die Widerstandsfähigkeit der Wälder gegenüber Stürmen oder Schädlingen zu stärken. Aufgrund des Klimawandels ist von einer Veränderung der Baumartenzusammensetzung wie auch von einer Verschiebung der Waldstandorte und -grenze auszugehen. Stabile Wälder, welche auch in Zukunft ihre Funktionen wahrnehmen können, benötigen eine Erhöhung der Baumartenvielfalt mit klimaangepassten Arten. Diese Arten werden in der neuen Methode mitberücksichtigt.
PD



