Kandersteg Tourismus hat in den vergangenen zwölf Jahren einen tiefgreifenden Wandel erlebt. An der Generalversammlung zog der scheidende Präsident Nico Seiler eine persönliche und zugleich wegweisende Bilanz seiner Amtszeit von 2014 bis 2026. Seine Rückschau zeigt, wie stark sich der Tourismus im Dorf, in der Region und in der gesamten Branche verändert hat.
Als Seiler 2014 zu Kandersteg Tourismus stiess, sei die Organisation «noch stark verwaltungsorientiert» gewesen. Sitzungen seien geprägt gewesen von langen Berichten und administrativen Geschäften. «Finanziell standen wir solide da, aber die Ausrichtung war eine andere als heute», so Seiler. Auch die touristische Lage war weniger stabil: Selbst im Sommer sei unklar gewesen, ob eine Saison erfolgreich verlaufen würde. Ein Protokoll von 2017 bezeichnete den Reifetest damals als «Erfolg» – ein Hinweis darauf, wie sehr man sich über gute Besucherzahlen freute. Heute sei die Situation fast umgekehrt: Bereits im Mai seien Wochenenden oft ausgebucht, und Diskussionen drehten sich eher um Verkehr oder fehlende Unterkünfte. «Das sind im Vergleich zu früher fast schon Luxusprobleme», sagt Seiler.
Die Geburt der Destination TALK – ein Wendepunkt
Ein entscheidender Wendepunkt war die Gründung der Destination Adelboden-Lenk-Kandersteg (TALK) im Jahr 2017. Zuvor war Kandertal Tourismus für die Vermarktung zuständig – eine Organisation, die mit minimalen Ressourcen arbeitete. «Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben», fasst Seiler rückblickend zusammen. Mit TALK habe eine neue Ära begonnen: gebündelte Kräfte, einheitliches Marketing und ein stärkerer internationaler Auftritt. Der Schritt war nicht unumstritten, aber für Kandersteg sei er zentral. 2018 übernahm Seiler das Präsidium – mitten in dieser Phase des Umbruchs.
Krisenjahre und Corona als paradoxer Wachstumsschub
Die folgenden Jahre waren geprägt von Herausforderungen wie dem Spitze Stein, dem Munitionslager Mitholz und schneearmen Wintern. Dann kam 2020 die Corona-Pandemie – ein Schock für die gesamte Branche. Doch für Kandersteg brachte sie auch eine überraschende Entwicklung: «Viele Schweizerinnen und Schweizer entdeckten die Berge neu. Wir wurden teilweise regelrecht überrannt», so Seiler. Die Region verzeichnete Rekordsommer und eine nachhaltige Rückkehr zur Natur.



