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Pitt Schneider, Politiker und Schläger

Er war Grossrat, Gemeinderatspräsident – und ein gefürchteter Raufbold: Peter Abraham «Pitt» Schneider prägte die politischen Kämpfe im Frutigland Mitte des 19. Jahrhunderts wie kaum ein anderer. Zwischen Machtanspruch, Gewalt und Skandalen verkörpert er eine Zeit, in der Politik nicht nur mit Worten, sondern oft auch mit Fäusten geführt wurde. Seine Geschichte – Teil 1.

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts waren im Kanton Bern geprägt von politischen Auseinandersetzungen auch handgreiflicher Art. Die Anhänger der Berner Patrizier, die «Schwarzen» genannt, wollten die alte Ordnung behalten; ihre Gegner waren die Liberalen, die «Weissen», die eine moderne, demokratische Republik anstrebten.

Im Jahr 1831 setzten sich die Liberalen durch und eine vom Volk gewählte Regierung löste die Herrschaft der Gnädigen Herren ab. Dies gegen den Willen der Gemeinde Frutigen, die mit sehr gros­ser Mehrheit die alte Ordnung bevorzugt hätte.

In den folgenden Jahren strebten Teile der Liberalen danach, den Staat auszubauen und weiter zu demokratisieren. Diese, «die Radikalen» genannt, wollten mehr Volksrechte wie das allgemeine Stimmrecht, das bis anhin an ein Mindestvermögen gekoppelt war; sie wollten Referenden ermöglichen; sie wollten allgemeine Steuern erheben, die Schulen verbessern und die Pressefreiheit sicherstellen. Die Konservativen lehnten solche Neuerungen ab. Vielen ursprünglich Liberalen genügte das Erreichte, und sie wechselten auf die konservative Seite. In den 1840er-Jahren tobten wiederum heftige politische Kämpfe zwischen den «Weissen», das waren nun die Radikalen, und den «Schwarzen», den Konservativen.

Schwarz und weiss

In den Wahlen von 1846 errangen die Radikalen die Mehrheit im Grossen Rat. In Frutigen war die Lage eigenartig. Die Gemeinde Frutigen war schwarz, also konservativ; der Amtsbezirk Frutigen im Ganzen hingegen stimmte mehrheitlich weiss. Das hatte zur Folge, dass die Regierungsstatthalter (1846-49 Samuel Klopfenstein, 1849-50 Johann Germann) und Gerichtspräsident (Peter Berger) Weisse waren. Konflikte mit dem durchwegs schwarzen Gemeinderat Frutigen waren also unvermeidlich.

Der Anführer der Frutiger Konservativen war Peter Abraham Schneider, genannt «Pitt», von der Staldenmatte. Pitt Schneider stammte aus einer angesehenen Frutiger Familie. Sein Vater Abraham Schneider, ein älterer Bruder des Ratsherrn Johannes Schneider, war seinerzeit nach Holland ausgewandert und hatte in der Nähe von Amsterdam eine Familie gegründet. Dort wurde im Jahr 1802 ihr drittes Kind auf den Namen Pieter Abraham getauft; holländisch Pieter oder «Pitt» heisst Peter. Pitt kehrte, wir wissen nicht wann, in die Heimat seines Vaters, nach Frutigen, zurück.

Anfänglich lebte er bei seinem Onkel, dem Ratsherrn. Im Jahre 1825 verheiratete er sich mit der begüterten Barbara Wittwer von Schwandi; die Ehe blieb kinderlos. Von Beruf war er Handelsmann. Womit er handelte, ist nicht überliefert, jedenfalls reiste er geschäftlich nach Frankreich und mehrmals nach Holland. Anfang der 1850er-Jahre vertrieb er Zündhölzchen der neugegründeten Fabrik seines Cousins Friedrich Schneider. Im Militär wurde er Hauptmann. Im Jahr 1829 erbaute Pitt Schneider das Haus an der Staldenmatte. Er war ein wohlhabender Mann und wurde 1832 in den Gemeinderat gewählt, 1846 zum Obmann und in den Grossen Rat.

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