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«Das Publikum schubladisiert am Anfang automatisch»

Wenn sich die Landschaft oberhalb von Steffisburg in ein nordisches Fischerdorf verwandelt, beginnt eine besondere Theaterreise. Mit «Nordwind» bringt theaterwelten ab dem 22. Juli ein Freilichtspektakel voller Emotionen, Mystik und Herzblut auf die Bühne. Die Verantwortlichen Renate Rubin und Annemarie Stähli geben Auskunft.

«Die Produktion entführt das Publikum in eine Welt, die zugleich märchenhaft, rau und überraschend modern wirkt. Die Geschichte erzählt von Ungerechtigkeit, Hoffnung und Zusammenhalt und davon, wie Menschen gemeinsam Unmögliches möglich machen können», begannen Renate Rubin und Annemarie Stähli, die Macherinnen bei Theaterwelten.ch zu berichten. Im Zentrum des Stücks steht Finja. Zwölf Jahre lang sass sie unschuldig im Gefängnis.

Als sie entlassen wird, empfängt sie der Nordwind unerbittlich und kalt. Auch die Menschen begegnen ihr mit Misstrauen. Ausgrenzung legt sich wie ein Schatten über ihr Leben. Finjas Weg führt sie zurück ins Fischerdorf Weierdal. Das Dorf kämpft nach einem verheerenden Brand ums Überleben. Niemand fragt nach ihrer Vergangenheit. In stillen Begegnungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern beginnt sich langsam etwas zu verändern. Finja findet Schritt für Schritt zurück zu Menschlichkeit, Wärme und zur Kraft der Liebe.

Eine typisch nordische Geschichte

Im neuen Stück von Theaterwelten entsprechen die Figuren anfangs einem klaren Rollenbild. «Das Publikum schubladisiert am Anfang automatisch», sagt Autorin und Regisseurin Annemarie Stähli-Richard. «Doch im Verlauf des Stücks zeigen wir von jeder Figur eine andere Seite.» Besonders ans Herz gewachsen ist Renate Rubin die Figur Ole. Der liebenswert-skurrile Dorfbewohner bringt viel Humor auf die Bühne. «Er bewahrt sich sein Kind im Innern», sagt Rubin.

Szenenbild aus dem Stück «Nordwind», das ab Juli gespielt wird. Bild: ZVG

Der Schauplatz wurde bewusst gewählt. Die Hügel, Wälder und die weite Sicht rund um den Schnittweier inspirierten das Team zu einer nordischen Geschichte. Auf der Bühne entstehen ein Fischerhafen, eine Seilerei, eine Fjordkneipe und farbige Holzhäuser (Bühnenbild: Daniel Niedermann, Urs Schenk). Eine besondere Rolle spielt auch der Nordstern. Drei Frauen verkörpern diese mystische Figur, die als Vision, Hoffnung und Wegweiser durch das Stück führt.

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