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Ein ganzer Monat ohne Bildschirm – und meine Kinder blühten auf

Es ist ein leidiges Thema: die Bildschirm- und Handyzeiten von Kindern. Wie viel ist in Ordnung? Ab wann wird es schädlich? Die Meinungen innerhalb der Familien gehen weit auseinander. Die Wissenschaft ist sich mehr oder weniger einig: Weniger ist mehr. In meiner Familie haben wir ein Experiment gewagt. Einen Monat Verzicht: keinerlei Bildschirmkonsum, keine Hörspiele. Das Erstaunliche? Die Kinder fanden es super. Ein Erfahrungsbericht.

Rachel Honegger

Ich werde den Moment nie vergessen, als ich vor einigen Jahren wutentbrannt mit dem Fernseher in den Händen im Wohnzimmer stand und das Gerät allen Ernstes zum Fenster hinauswerfen wollte. Nur der Gedanke, dass ich die Sauerei auf der Strasse selbst wieder beseitigen müsste, hielt mich davon ab. Stattdessen landete der Bildschirm für lange Zeit im Keller.

Jenem Ereignis vorausgegangen war einmal mehr ein Eklat mit meinen Kindern, als sie das Gerät ausschalten sollten. Was hatte ich nicht alles schon ausprobiert: von Psychologen empfohlene Methoden, die Kinder auf das Ende der Bildschirmzeit vorzubereiten um sie nicht abrupt aus ihrer Welt herauszureissen; definierte Zeitfenster pro Tag oder pro Woche; eine bestimmte Anzahl Murmeln pro Woche für je zehn Minuten Fernsehzeit, die sie nach eigenem Willen beziehen durften – jeden Tag eine oder alle aufs Mal. Einmal hatte ich gar den Versuch gewagt, sie so viel und so lange schauen zu lassen, wie sie wollten – in der Hoffnung, dass es ihnen von selbst verleidet. Dem war natürlich nicht so.

Gstürm und Drama waren Programm

Egal, wie wir es handhabten: Am Schluss gab es häufig ein Drama. Oder zumindest wiederholtes Nachfragen und ein «Gstürm», ob man nicht doch eine Ausnahme machen könnte, ob nicht doch noch fünf Minuten Youtube möglich wären. Oder ein Spiel am Handy usw.

Ging es ums Ausschalten, kam garantiert jedes Mal der Satz: «Nur noch fünf Minuten. Es ist gerade so spannend.» Oder auch: «Mami, du bist gemein. Alle anderen dürfen viel länger schauen.»

Die Regel, welche wir zuletzt hatten und die ziemlich lange in Kraft blieb: Die Kinder durften jeweils am Mittwoch, wenn alle Hausaufgaben erledigt waren, eine halbe Stunde in der digitalen Welt verbringen, sei es auf Youtube, am Handy – bei von mir für gut befundenen Spielen– oder am Fernseher. Das Gleiche galt für Freitag, wenn sie ihre Zimmer aufgeräumt hatten. Am Wochenende gab es ab und zu einen Film oder zusätzliche Bildschirmzeit.

Wenn ich mich umschaue, dann waren wir mit dieser Regelung wohl eher streng. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – quengelte mein Sohn dauernd, ob er dies oder jenes schauen dürfe. Ich selbst war dauergenervt. Und wenn ich einmal eine Stunde geschäftlich zu Hause telefonieren musste, war die Versuchung gross, ihm eine Ausnahme zu gewähren, nur damit ich meine Ruhe hatte. Oft kam es mir vor, als könne er sich kaum mehr selbst beschäftigen. Die einzigen Ideen, die er hatte, wenn das Nachbarsmädchen nicht mit ihm spielen wollte oder konnte, hatten irgendetwas mit Bildschirm zu tun.

«Maaamiiii, mir ist langweilig, was soll ich machen?» Ich konnte es nicht mehr hören.

Ein Monat Verzicht

Irgendwann hatte ich das Gefühl, es drehe sich alles nur noch um diese blöde Bildschirmzeit. Es war eine Never-Ending-Story, und ich fühlte mich dem Ganzen seltsam ausgeliefert. Bis ich die Nerven verlor und wir ein Experiment wagten.

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