Seit 1986 reist die Musikgesellschaft Kandersteg an jedes Eidgenössische Musikfest (EMF) – und auch 2026 ist der Enthusiasmus ungebrochen. Gemeinsames Üben mit viel Herzblut und Vorfreude prägt die Zeit vor dem Grossanlass. Für Dirigentin Julia Packmor ist er mehr als ein Wettbewerb: ein Fest der Musik und der Gemeinschaft.
Bereits im Herbst hat die MG Kandersteg damit begonnen, sich auf die Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest (EMF) in Biel vorzubereiten. «Wir haben an unserem Selbstwahlstück gearbeitet und uns an einem Probewochenende intensiv damit auseinandergesetzt», berichtet die Dirigentin. Unterstützt wurde die Band dabei von externen Registerlehrern, die in kleinen Gruppen gezielt an technischen und musikalischen Feinheiten arbeiteten. Seither läuft der regelmässige Probebetrieb, in dem die beiden Wettbewerbsstücke (das Selbstwahl- und das Aufgabenstück) im Zentrum stehen.
Für die Kandersteger hat das «Eidgenössische» einen besonderen Stellenwert. «Seit 1986 in Winterthur haben wir an jedem Eidgenössischen Musikfest teilgenommen», erzählt Packmor. «Das hat Tradition bei uns.» Der Entscheid zur Teilnahme sei deshalb nie eine grosse Frage im Verein. Musikalisch gehe es ihr darum, sich bewusst Herausforderungen zu stellen. «Es ist wichtig, gezielt an Kompositionen zu arbeiten, die man sonst vielleicht nicht spielen würde, und sich damit einer Jury zu stellen.» Die intensive Auseinandersetzung bringe alle Beteiligten weiter. Noch wichtiger sei jedoch etwas anderes: «Dass es Spass macht und dass wir bei solchen Gelegenheiten unsere Freude an der Musik zeigen können.»
Ein besonderes Musikfest nach besonderen Jahren
Das «Eidgenössische» in Biel sei aber schon etwas speziell, findet die Dirigentin: «Nach den Corona-Jahren war wirklich ein bisschen Brachland. Wir Vereine haben uns auf nationaler Ebene eine lange Zeit gar nicht mehr getroffen.» Die Ausgabe 2021 war wegen der Pandemie abgesagt worden, das letzte EMF hat 2016 in Montreux stattgefunden. Generell sei die Teilnahme etwas Besonderes – die Eidgenössischen Musikfeste seien schliesslich die grössten Musikfeste der Welt, mit einer enormen Zahl teilnehmender Vereine. Packmor vermeidet bewusst, im Vorfeld über Platzierungen zu sprechen. «Für mich ist es wichtig, dass wir in Biel das Geübte abrufen können und die Musikanten mit einem guten Gefühl auf die Bühne und von der Bühne gehen.» Der Platz auf der Rangliste sei dabei gar nicht so entscheidend – gerade in Dorfvereinen sei die Motivation eine andere als der reine Wettbewerbsgedanke. «Ich versuche deshalb immer, den Druck rauszunehmen», so Julia Packmor.



