Sie flambiert, bedient Bankette und mixt Cocktails – vier Tage lang, von morgens bis abends. Restaurantionsfachfrau Melina Reusser vertritt die Schweiz an den WorldSkills 2026 in Shanghai.
Aufgewachsen in Spiez, heute wohnhaft in Thun – Melina Reusser hat ihr Zuhause am Thunersee, auch wenn sie im Moment kaum dort ist. Gerade absolviert sie ein Praktikum in Zürich, danach geht es für sechs Wochen nach Shanghai, denn Melina vertritt die Schweiz an den WorldSkills.
Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?
Für mich war schon immer klar, dass ich einen Beruf machen möchte, bei dem ich viel mit Menschen zu tun habe und mich viel bewegen kann. Ich bin schnuppern gegangen, und da hat mir der Serviceaspekt am besten gefallen. Der Gästekontakt, der Austausch, aber auch die Kreativität, die man einbringen kann. Aus diesem Grund habe ich mich für die Lehre entschieden. Ich habe die Ausbildung im Deltapark gemacht. Danach wollte ich in Richtung Bar – so hat sich das entwickelt, dass ich ins Atelier gegangen bin. Und dort bin ich dann in die Competition-Welt reingekommen.
Was bedeutet es für Sie, die Schweiz international zu vertreten?
Das ist natürlich eine Ehre. Aber auch für mich selbst sehe ich eine riesige Weiterentwicklungsmöglichkeit – ich kann mega viel lernen und meine Grenzen austesten.
Wann ist für Sie der Gedanke «gesackt», dass Sie das wirklich machen können?
Als ich das erste Mal das ganze Team kennengelernt habe – alle Berufe, alle Experten, Physiotherapeuten und die ganze Schweizer Delegation. Als wir darüber gesprochen haben, wo wir als Team hinwollen, habe ich realisiert: Jetzt geht es wirklich los.
Wie hat sich Ihr Alltag durch die Qualifikation verändert?
Mein Alltag hat sich stark verändert. Durch das Praktikum in Zürich und die Trainings bleibt nicht viel Zeit für Hobbys. Meine Freizeit versuche ich bewusst zu gestalten. Zeit mit meinem Freund, meiner besten Kollegin und meiner Familie ist mir sehr wichtig. Wenn ich das nicht mehr hätte, wäre ich nicht happy.
Was erwartet Sie am Wettkampf?
Es sind vier Tage, an denen ich von morgens bis abends auf dem Platz bin. Es gibt das Modul «Bankett», das Modul «Bistro» – viele Tische auf einmal – und Fine Dining, wo ich viele Sachen vor dem Gast zubereite: flambieren, tranchieren, filetieren. Und dann die Barista-Module. Darauf freue ich mich am meisten, weil ich dort meine kreative Seite einbringen kann.
Was ist die grösste Herausforderung am Wettkampf?
Dass ich vier Tage am Stück immer 100 Prozent liefern kann. Die Jury will eine Steigerungskurve sehen. Das hochzuhalten ist die grösste Herausforderung. Das Wichtigste ist die mentale Einstellung – deshalb arbeite ich auch mit einer Mentaltrainerin.
Wie belastet Sie der Wettkampf körperlich?
Schultern und Rücken sind ein grosses Thema. Wenn ich eine Woche durcharbeite, habe ich Schulterschmerzen. Deshalb mache ich sehr viele Stretching-Sessions – ausschütteln, über den Kopf hängen, mobilisieren. Das hilft mega viel. Und am Wettkampf selbst gibt es nach jedem Tag Unterstützung vom Physio-Team. Das ist wichtig.

Was ist Ihre grösste Stärke?
Meine Flexibilität und meine Menschenkenntnis. Nicht alle Gäste wollen das Gleiche. Jemand will vielleicht einfach in Ruhe sein Essen geniessen, jemand anderes schätzt ein Gespräch. Es ist sehr cool, sich mit Menschen zu unterhalten, ihnen positive Energie mitzugeben. Ich sehe meine Stärke im Menschlichen.
Stimmt das Klischee, dass Barkeeperinnen auch Psychologinnen sind?



