Blickt man in die Berner Alpen, wird der Klimawandel für alle deutlich sichtbar. Die Gletscher schmelzen, der winterliche Schneezauber reduziert sich auf wenige Wochen im Jahr und in den voralpinen Gärten mit Seeanstoss schiessen die Palmen wie Pilze aus dem Boden. Inwiefern die hier heimischen Bäume an den beginnenden Klimawandel angepasst oder auf die kommende Hitze vorbereitet sind, ist nicht einfach zu beantworten. Aus diesem Grund hat der Kanton Bern vor einiger Zeit ein Projekt lanciert, welches sich dieser Problematik widmet. Das Projekt und dessen Idee wurde und wird auch von Forst Frutigland umgesetzt – der Wald wird Schritt für Schritt auf das Klima von morgen eingestellt.
«Klimaangepasste Waldverjüngung» heisst konkret, den Wald zu betrachten, schauen, was wächst, und genau diejenigen Bäume zu fördern, welche eine gute Chance haben, auch in den prognostizierten wärmeren Temperaturen zu gedeihen. Haben diese Bäume keine Chance, sich in abgelegenere Gebiete auszubreiten, werden dort allerdings auch Bäume, die es zu fördern gilt, gepflanzt. Abgelegene Gebiete sind zum Beispiel solche in Adelboden, die kaum Kontakt zu tiefer gelegenen Wäldern haben. «Man ist aber heute bestrebt, mit der Natur zu arbeiten. Es ist sowohl ökologisch sinnvoller als auch kosteneffizienter», erläutert Flora Märki von Forst Frutigland. «Dieses Vorgehen heisst ‹biologische Rationalisierung›. Man beobachtet und lenkt gezielt dort wo notwendig, ohne zu sehr in die natürlichen Abläufe einzugreifen.»
Der Kanton Bern verfolgt mit dem Projekt zur klimaangepassten Waldverjüngung eine klare Strategie: Wälder sollen vielfältiger und damit widerstandsfähiger werden. Denn nur ein stabiler Wald kann langfristig seine Funktionen erfüllen – als Schutz vor Naturgefahren, als Lebensraum, als Erholungsgebiet und als Holzlieferant.
Ein Wald unter Druck
Der Wald weiss nicht, wie die Temperaturen in zwanzig oder auch fünfzig Jahren auf der Welt sein werden. Aus diesem Grund fördert die klimaangepasste Waldverjüngung den Wuchs derjenigen Baumarten, welche nach heutigem Wissensstand der Klimaforschenden auch in Zukunft einen guten Stand haben werden. Andere Bäume werden teilweise abgeholzt oder sterben ab, sobald sie nicht mehr die geeigneten Bedingungen zum Wachsen haben.



