Einmal geschluckt, soll ein Medikament schnell aufgenommen werden, rasch an den Wirkort gelangen, zuverlässig wirken und anschliessend wieder komplett ausgeschieden werden. Die Pharmakokinetik beschreibt genau diese Reise eines Wirkstoffs durch den Körper.
Beat Inniger
Natürlich ist in erster Linie die Wirkung wichtig und nicht der Weg eines Medikaments durch den Körper. Der ausgelöste Effekt, die Pharmakodynamik (griechisch ‹dýnamis› für «Kraft»), ist das Ziel einer Therapie. Vorher und nachher spielt jedoch die Pharmakokinetik (griechisch ‹kínesis› für «Bewegung») eine ebenso wichtige Rolle. Sie beschreibt, was der Körper mit dem Medikament macht, und die Pharmakodynamik ist das, was ein Medikament mit dem Körper macht. Los geht die therapeutische Reise, und wir begleiten einen Wirkstoff von der Anwendung bis zur Ausscheidung.
Die Verabreichungsform bestimmt, wie rasch ein Medikament wirkt
Die meisten Medikamente werden als Tablette, Kapsel, Tropfen oder Lösung geschluckt. Ist hingegen eine sofortige Wirkung angezeigt, muss der Magen-Darm-Trakt umgangen werden. Parenteral (griechisch ‹para› für «vorbei», ‹enteron› für «Darm») verabreichte Medikamente werden gespritzt oder über die Schleimhäute (über die Nase oder für unter die Zunge verabreicht) aufgenommen. Bei therapeutischen Pflastern (TTS = Transdermale Therapeutische Systeme) werden Schmerzmittel (starke Opiate), Hormone (Östrogen), Wirkstoffe gegen Alzheimer oder Nikotin zur Rauchentwöhnung über die Haut aufgenommen.
Wirkstoffe, die im Magen oder Darm zersetzt würden, müssen ebenfalls parenteral verabreicht werden. Bekanntestes Beispiel ist Insulin, ein kleines Eiweiss, das durch proteinspaltende Enzyme vorab verdaut würde.
Tabletten als Ganzes sind wirkungslos
Nur Wirkstoffe in gelöster Form können aufgenommen werden. Feste Arzneiformen (Tabletten, Dragées, Kapseln) müssen im Magen oder Darm zuerst zerfallen, um ihre Wirkstoffe freizusetzen, bei Tropfen, Lösungen oder Sirupen entfällt dieser Schritt.



