Am Steg von Iseltwald und am Ufer des Oeschinensees zeigt sich, wie sich das Reisen während der letzten Jahrzehnte oder auch seit Beginn des kommerziellen Tourismus um 1900 verändert hat. Zwei Ausstellungen in Bern nehmen das Phänomen unter die Lupe – und halten uns vielleicht selbst den Spiegel vor.
Jacqueline Rüesch
Man steht auf dem Steg in Iseltwald, das Handy schon bereit. Ein Schritt nach vorne, kurz innehalten, den Blick über den Brienzersee schweifen lassen – und dann genau das machen, wofür man gekommen ist: ein Foto mit dem Handy. So geht es heute vielen. Und vielleicht ertappt man sich selbst dabei.
Iseltwald ist längst mehr als ein Dorf. Seit der koreanischen Netflix-Serie «Crash Landing on You» ist es ein Sehnsuchtsort geworden oder genauer gesagt: der Wunsch nach einem Bild, das man selbst nachstellen will. Die Szene ist vorgegeben, die Perspektive auch. Wer hierherkommt, weiss oft schon lange vorher, wie es aussehen soll.
Und genau da beginnt die Frage: Ist man hier, um den Ort zu erleben – oder, um ihn vielmehr festzuhalten, irgendwo zwischen Kobalt und Megapixeln.



