StartNewsKulturSelfie statt Sehnsucht: Wenn das «Image» wichtiger ist als Persönlichkeit

Selfie statt Sehnsucht: Wenn das «Image» wichtiger ist als Persönlichkeit

Am Steg von Iseltwald und am Ufer des Oeschinensees zeigt sich, wie sich das Reisen während der letzten Jahrzehnte oder auch seit Beginn des kommerziellen Tourismus um 1900 verändert hat. Zwei Ausstellungen in Bern nehmen das Phänomen unter die Lupe – und halten uns vielleicht selbst den Spiegel vor.

Jacqueline Rüesch

Man steht auf dem Steg in Iseltwald, das Handy schon bereit. Ein Schritt nach vorne, kurz innehalten, den Blick über den Brienzersee schweifen lassen – und dann genau das machen, wofür man gekommen ist: ein Foto mit dem Handy. So geht es heute vielen. Und vielleicht ertappt man sich selbst dabei.

Iseltwald ist längst mehr als ein Dorf. Seit der koreanischen Netflix-Serie «Crash Landing on You» ist es ein Sehnsuchtsort geworden oder genauer gesagt: der Wunsch nach einem Bild, das man selbst nachstellen will. Die Szene ist vorgegeben, die Perspektive auch. Wer hierherkommt, weiss oft schon lange vorher, wie es aussehen soll.

Und genau da beginnt die Frage: Ist man hier, um den Ort zu erleben – oder, um ihn vielmehr festzuhalten, irgendwo zwischen Kobalt und Megapixeln.

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Jacqueline Rüesch
Jacqueline Rüesch
Jacqueline Rüesch hat schon als Kind in der Welt der Geschichten gelebt, entweder den gelesenen, den selbst erfundenen oder den erträumten. Eine Idee war es sogar, ein eigenes Comic-Heft herauszugeben, aber an der wirtschaftlichen Denkweise mangelte es ihr dann doch, im zarten Alter der Grundschule. Sie verbrachte viele Stunden mit Lesen und mit verträumten Spaziergängen mit ihrem Hund, weshalb es auch ihr Traum war, Germanistik zu studieren. Das Lesen und die verträumten Spaziergänge mit Hund hat sie beibehalten als Folge oder aufgrund dessen, dass sie ihren Traum, sich gemäss ihrer Leidenschaft ausbilden zu lassen, erfüllt hat und sich nach dem Studium in Richtung Editionswissenschaft und Textkritik weiterbildete, selbstverständlich um Texte herausgeben zu können, aber vor allem auch um zu schreiben.

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