StartKolumneRadikale Ostern

Radikale Ostern

Haben Sie Ostern dieses Jahr auch kopfschüttelnd verbracht? Die Drohung, die iranische Zivilisation auszulöschen, vom Präsidenten einer angeblich christlich orientierten Partei am Tag der Auferstehung? Ein paar Tage später hat sich derselbe Präsident auch noch als heilender Jesus dargestellt. Immerhin haben nun auch Teile von Trumps evangelikaler Basis die Fragwürdigkeit ihres Helden erkannt. So schwer erträglich US-Politik schon lange ist (nicht nur die republikanische), sie erscheint mir immer wieder als extrem pures Beispiel für Widersprüche, die unser Dasein als Menschen im Kleinen und als Zivilisationen im Grossen prägen.

Etwa der Drang, sich für eine Seite zu entscheiden. In den USA zeigt sich das mitunter daran, dass die kategorische Ablehnung von Abtreibung viele Christen zu Republikanern macht, obwohl die Migrations- und Wirtschaftspolitik dieser Partei sich offen gegen die höchsten Gebote der Nächstenliebe und des Teilens stellt, zwei tragende Pfeiler der Botschaft Jesu. Wie bringen sie das zusammen? Sie versuchen es oft gar nicht erst.

Erstaunlich, aber exemplarisch ist auch immer wieder dieser Wille zum Gewinnen, ein Grundprinzip der kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Alle wollen die Besten sein. Logischerweise müssen dabei andere verlieren, das nimmt man halt in Kauf. Und auch Krieg oder zumindest Konflikte sind unausweichlich: Wenn man selbst bereit ist, andere auszubeuten und zu erniedrigen, spielt man ein Spiel, in dem die Gegenseite prinzipiell dasselbe Recht hätte. Also muss man stärker und bedrohlicher bleiben und das auch markieren. Die egozentrischen Ambitionen der «Starken» lösen die meisten Probleme überhaupt erst aus – von den Migrationswellen oder der Kriminalität aus Not bei den Verlierenden bis zur Zerstörung unserer eigenen Lebensgrundlagen durch kurzsichtige Ausbeutung und Gewinnmaximierung.

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