Gärten verändern sich – langsam, aber stetig. Zwischen Betonflächen und Blütenvielfalt zeigt sich: Der Trend geht zurück zur Natur, Gärten sollen wieder leben. Fachleute aus Frutigen ordnen ein.
Martina Kallenberg
Jeder Garten ist etwas Einzigartiges – doch wie und nach welchen Gesichtspunkten gestaltet man ihn? Der Frutiger Fachmann Renato Kallen vom Gartenbau- und Gartenunterhaltbetrieb Kallen in Frutigen erzählt von der Wandlung der letzten Jahre. Wer schnelle Trends erwartet, wird enttäuscht: «Gartenbaulich gibt es eher langfristige Trends, die drei, vier Jahre lang aktuell sind.» Er holt aus: «Vor 50 bis 60 Jahren ging es darum, so viele Blumen wie möglich zu haben.» Dann wurden die Gärten moderner, steriler.» Kallen spricht von «Designerprachtstücken mit monotoner Pflanzenstruktur», in denen Gräserreihen Hecken bildeten, viel Beton verbaut wurde; Rosen durften sein, doch musste alles aufgeräumt wirken. Dem folgten pflegeleichte Gärten: Hecken mit einem jährlichen Schnitt, Rasen, der einfach zu mähen ist, und Monokulturpflanzen, um möglichst wenig Arbeit im Garten zu haben.
Steingärten sind mancherorts verboten
«Um 2006 wollte jeder einen Steingarten, weil diese angeblich so leicht zu bewirtschaften sind», schmunzelt Renato Kallen. Das stellte sich als Irrtum heraus, und heute sind sie in manchen Kantonen sogar verboten. «Der Trend kehrt sich ins Gegenteil», so Kallen. Nun sind mehr naturnahe Gärten gefragt. «Einen Garten anzulegen und umzubauen kostet einiges; er soll die nächsten zehn Jahre nutzbar sein und gut aussehen.» Im Moment würde viel mit Trögen und Hochbeeten, also mit Höhen, gearbeitet. Was früher Beet war, werde jetzt für Struktur und Ästhetik aus dem Boden gehoben. So lässt es sich leichter pflegen. Die Nachfrage nach einheimischen Pflanzen und Materialien sei gestiegen – es werden nicht mehr Steine aus Norwegen genutzt oder Hanfpalmen gepflanzt.



