StartGemeindenRegionDie letzte offizielle Fahrt des «Bruneli»

Die letzte offizielle Fahrt des «Bruneli»

VERKEHR Anfang Woche war es so weit: Die bekannte braune BLS-Lok fuhr ein letztes Mal mit einem Autozug von Kandersteg nach Goppenstein und zurück – und dann nach Bönigen in die Werkstatt. Das Ende einer Legende.

Die Anzahl an «Trainspottern» im Kandertal deutete es an: Es war etwas Besonderes im Gang. Die Objektive der Bahnfans richteten sich am Montag ein letztes Mal auf das «Bruneli», die bekannte BLS-Lokomotive des Typs Re 425. Rund 60 Jahre nach ihrer Einführung verschwindet die legendäre Lok endgültig. Sie beförderte über Jahrzehnte Personen- und Güterzüge und war zuletzt für den Autoverlad im Einsatz.

Technische Höchstleistung

Die als Ae 4/4 in den Jahren 1964 bis 1967 eingeführte Lokomotive der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur bedeutete einen Technologiesprung, wie die BLS im hauseigenen Blog schreibt. Die damals neu eingeführte Gleichrichtertechnik – Wechselstrom aus der Fahrleitung wird in Gleichstrom für die

Fahrmotoren umgewandelt – war ein grosser Fortschritt. Die Lokomotiven wurden leistungsfähiger, konnten schwere Züge besser beschleunigen und eigneten sich ideal für die anspruchsvollen Steigungen auf den Nordund Südrampen der steilen Lötschbergstrecke.

«Auch eine sogenannte Tiefzugvorrichtung war Zeichen der innovativen BLS-Loks. Damit wurden Achslasten beim Anfahren auf Steigungen optimal verteilt und die Haftung zwischen den Rädern und der Schiene verbessert. Insgesamt war der braune Riese damit für seine Aufgaben am Lötschberg bestens gerüstet», schreibt der Blog-Autor Colin Cuvit.

Regionale Beziehungen

Die braunen Loks gehörten einfach zur BLS. Ausdruck der regionalen Verbundenheit waren die Gemeindewappen, mit denen die Loks ab Ende der Achtzigerjahre versehen wurden. Von «Aeschi» über «Frutigen» und «Neuchâtel» bis hin zu «Zweisimmen» gab es 35 Loks mit Gemeindewappen.

Ende der Neunzigerjahre veränderte sich die Nutzung der «Brunelis». Neue Züge – beispielsweise die heute bereits

ausrangierten EW-IV-Modelle zusammen mit anderen SBB- und BLS-Loks – lösten die typischen BLS-Loks im Personenverkehr ab. Die braune Lok wurde seit dann nur noch im Güterverkehr und beim Autoverlad eingesetzt. 2021 endete die Karriere im Schweizer Güterverkehr, und die Lok wurde fortan ausschliesslich noch für den Autoverlad zwischen Kandersteg und Goppenstein sowie zwischen Brig und Iselle eingesetzt.

Die BLS berücksichtigte dies und setzte die letzte Fahrt vergangenen Montag sinnvollerweise zwischen Kandersteg und Goppenstein (und retour) an. Danach rollte das letzte «Bruneli» offiziell in den Ruhestand, in die Werkstätte in Bönigen. Das Ende? Wer weiss. Der Verein extrazug.ch hat eine Rettungsaktion lanciert, um die traditionsreiche Lokomotive Re 425 170 als einziges Exemplar ihrer Art vor der Verschrottung zu bewahren und als technisches Kulturgut zu sichern.

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