StartGemeindenAdelbodenIn den Fussstapfen von Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern

In den Fussstapfen von Eltern, Grosseltern und Urgrosseltern

ADELBODEN Nach über 120 Jahren Fa- miliengeschichte übernimmt Anfang Au- gust die vierte Generation das Schuhhaus Brunner. Xenia und Cyril Brunner führen den Traditionsbetrieb ihrer Eltern weiter und wollen Bewährtes erhalten, zugleich den Betrieb behutsam weiterentwickeln.

«Wir dürfen von unseren Eltern ein funktionierendes Geschäft übernehmen.» Die Geschwister Xenia und Cyril Brunner freuen sich, dass sie Anfang August zur offiziellen Geschäftsübernahme des Schuhhauses Brunner in Adelboden festen Boden unter den Füssen haben und das Zepter in die Hand nehmen dürfen. Dass das Schuhhaus in die vierte Generation übergeht, erfüllt Annemarie und Gerhard Brunner mit Stolz, denn, «dass gleich unsere beiden Kinder Interesse am Schuhhaus bekunden, hätten wir nicht gedacht». Schliesslich haben sie vorerst andere Wege eingeschlagen, was die Eltern auch keineswegs in Frage

gestellt haben: Cyril ist gelernter Hochbauzeichner und Xenia medizinische Praxisassistentin (MPA). Als Zweitausbildung hat Cyril orthopädischer Schuhmacher gelernt. Das gesundheitliche Fachwissen der beiden geht über den Schuhverkauf hinaus, wovon das Schuhhaus weiterhin als ein wichtiges Merkmal profitieren kann.

«Wo drückt der Schuh?»

Die Floskel wird im Schuhhaus Brunner wortwörtlich genommen, schliesslich kann bei Druckstellen in der Werkstatt manuell Abhilfe geschaffen werden. Ist eine Sohle locker oder eine Naht offen, wird der Schuh nach Möglichkeit repariert. Vater Gerhard hat das Handwerk von den Grosseltern Hanna und Paul gelernt. Als ausgebildeter Automechaniker kennt er sich mit allerhand Profilen bestens aus. Nebst der persönlichen Beratung hebt sich der Service in der Werkstatt Brunner von herkömmlichen Schuhverkaufsläden ab. Dies weiss die Kundschaft, die erstaunlicherweise aus

über 80 Prozent Auswärtigen besteht, sehr zu schätzen. Über Generationen werden die Schuhe in Adelboden gekauft; ein Qualitätsmerkmal, das für das Schuhhaus Brunner spricht.

Tradition trifft Fortschritt

Die Geschichte vom Schuhhaus Brunner begann 1904. Unter einfachen Bedingungen stellte Urgrossvater Arnold Brunner in seiner kleinen Werkstatt zusammen mit drei Schuhmachern Massschuhe her. Nach den Kriegsjahren, als Adelboden den Aufschwung erlebte, waren sogar fünf Schuhmacher beschäftigt. Durch die Industrialisierung wurde die Schuhmacherei schliesslich Ende der 60er-Jahre eingestellt. Jedoch vor drei Jahren hat Cyril Brunner den Cybrus Sneaker auf den Markt gebracht. Die 100 Arbeitsschritte werden grösstenteils in Thun bei Lienhard Schuhe, wo Cyril noch als Entwickler arbeitet, ausgeführt. Als besonderer Teamevent können eigene Cybrus designt werden. Mit seiner Innovation

schliesst sich der Kreis zum Urgrossvater, der noch ein «richtiger» Schuhmacher war.

Trotz eigener DNA soll sich niemand fremd fühlen

Xenia (30) nimmt nun bereits seit fünf, Cyril (34) seit vier Jahren Einfluss im Schuhhaus. Das Trail-Running-Segment wurde ausgebaut und die Schuhe werden etwas offener ausgestellt und präsentiert. Spezialisiert sind die Brunners insbesondere auf langlebige Schuhe wie Wanderoder Winterschuhe. Aber auch trendige Schuhe sind im Verkaufsladen zu finden. «Wir möchten dem Geschäft eine eigene DNA geben, jedoch die bewährte Familientradition aufrechterhalten, niemand soll sich bei uns fremd fühlen», so ihre Vision.

Von Donnerstag, 6.August, bis Samstag, 8. August, lädt das Schuhhaus Brunner treue und zukünftige Kundschaft zum offiziellen Generationenwechsel zum Anstossen und zu kulinarischen Häppchen ein.

Rückwärtstrend zur persönlichen Beratung

Die beiden künftigen Geschäftsführenden sind motiviert, in ihrem Heimatdorf das Geschäft ihrer Vorfahren so weiterzuführen, «dass man es weiterempfehlen kann». Der Einkauf für Einzelhandelsgeschäfte stellen eine wachsende Herausforderung dar, da die Mindestbestellmengen oft zu gross seien, gibt die Mutter Annemarie zu bedenken. Bei Xenia und Cyril Brunner überwiegt trotzdem die Vorfreude. Nicht zuletzt, weil derzeit auch andere junge Erwachsene in ihrem Alter Geschäfte im Dorf übernehmen, sind sie zuversichtlich. «Wir wollen Sorge zu unseren Läden tragen, und wir spüren, dass der Trend zu persönlicher Beratung eher wieder wächst», stellen die Geschwister fest.

Xenia und Cyril Brunner sorgen zusammen mit ihren Eltern, die ihnen weiterhin zur Seite stehen, mit ihren Angestellten und Lernenden dafür, dass die Füsse nicht stillstehen, da sich das Fachpersonal mit viel Hingabe Zeit für sie nimmt.

Offizielle Geschäftsübergabe mit Apéro am:

Donnerstag, 6. August und Freitag 7. August, 8.15– 18.15 Uhr durchgehend. Samstag, 8. August, 15–17 Uhr durchgehend.

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